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Corona – Eine Pandemie der sozialen Verelendung

Corona – Eine Pandemie der sozialen Verelendung
Drei Obdachlose sitzen am 23. März mit großem Abstand auf Parkbänken auf einem Platz in Berlin-Kreuzberg. Während der Corona-Krise haben Obdachlose als Risikogruppen mit massiven Einschränkungen ihrer Grundversorgung und medizinischer Hilfe zu kämpfen.
Corona im Schatten der Kapitalverwertungskrise: Die autoritären Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie bedrohen weit mehr Menschen in ihrer blanken Existenz als das Virus selbst. Auch weite Teile der unteren Mittelschichten stehen vor dem Nichts.

von Susan Bonath

Soloselbständige und Kleinunternehmer, die vor dem Nichts stehen, Niedriglöhner, die von ihrem geringen Kurzarbeitergeld nicht leben können, Obdachlose und Armutsrentner, für die alle Hilfesysteme weitgehend zusammengebrochen sind, Flüchtlinge, die über Wochen in Massenunterkünften eingesperrt ausharren müssen und weiterhin höchstens eine medizinische Notversorgung erhalten, unzählige Kinder und Frauen, die vermehrt häuslicher Gewalt ausgesetzt sind: Die Corona-Pandemie inklusive der harten politischen Maßnahmen trifft die Ärmsten am schlimmsten. Nicht ohne Grund warnte der Armutsforscher Christoph Butterwegge jüngst in einem Interview mit dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) vor einer "Verelendung ungeahnten Ausmaßes" in Deutschland.

Szene auf einem Straßenmarkt in Medellin, Kolumbien – 19. März 2020

Dabei geht es vielen Menschen in Deutschland noch vergleichsweise gut. In den meisten Ländern gibt es so etwas wie Sozialhilfe nicht. Vielerorts sind die Gesundheitssysteme noch maroder, noch kaputt gesparter als in der Bundesrepublik. Viele Millionen Menschen haben überhaupt keinen Zugang dazu. Man muss dafür nicht einmal bis nach Indien oder Afrika schauen, wo tatsächlich ein Massensterben drohen könnte – sowohl durch schwer verlaufende Infektionen als auch durch die Maßnahmen der Regierungen.

Es reicht ein Blick in die USA oder nach Süd- und Osteuropa, wo es kaum oder gar keine Sozialhilfe gibt. Weite Teile der Bevölkerungen stehen dort vor dem absoluten Ruin. Es ist zudem zu befürchten, dass die aufkeimende Perspektivlosigkeit zu einer Welle der Gewalt innerhalb der Bevölkerungen führen könnte.

Was passiert hier eigentlich? Spätestens seit dem Beginn der Finanzkrise im Jahr 2008 steckt das weltweite Wirtschaftssystem in einem Dilemma. Der Prozess der Kapitalverwertung stockt, Investitionen werden immer unrentabler, die Profitrate fällt. Die Zentralbanken versuchen, mit Niedrigzinsen bis unter den Nullpunkt dagegen zu halten. Eine wachsende Überproduktion geht mit Verarmungswellen einher. Gewinner der Krise sind die größten Konzerne, jene, welche zu Monopolen verschmolzen die ökonomische und ökologische Plünderung des gesamten Planeten Erde auf die Spitze getrieben haben – für maximalen Profit.

Dass sich unter solchen Bedingungen, der globale Handel einbegriffen, bekannte Krankheiten viel eher pandimisch ausbreiten, liegt auf der Hand. Wenn der Mensch ökologische Lebensräume zerstört, suchen sich aber Erreger auch neue Wirte. Seit Jahren warnen Wissenschaftler vor solchen Szenarien. Auch die Herrschenden wussten um die Gefahr. Pandemiepläne liegen schon länger in den Schubläden der Regierungen der reichen Länder. Auch Deutschland spielte ein solches Szenario bereits 2007 durch.

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Das gegenwärtige Geschehen wirkt wie die große Ruhe vor einem Sturm. Offenbar spielen die Manager des Kapitals in den politischen Führungsrängen durchaus vorhandene Pandemiepläne ab – Pläne, welche hohe Opferzahlen einkalkulieren. Denn die kaputt gesparten Gesundheitssysteme waren nicht nur bekannt. Es ging auch in den vergangenen Jahren stets weiter bergab damit. Andererseits scheinen die Bevölkerungen, überzogen mit Quarantänen und Ausgangssperren, noch ängstlich wie Kaninchen auf die Schlange zu starren. Die Angst vor Seuchen ist dem Menschen wohl spätestens seit den mittelalterlichen Pest-Epidemien ins Genom geschrieben. 

Besonders bemerkenswert ist der weitgehende Shutdown der Wirtschaft. Dies ist in jeder Hinsicht atemberaubend, sowohl aus virologischer als auch ökonomischer Perspektive. Da fahren die territorialen politischen Manager tatsächlich einen großen Teil ihrer Profitmaschine herunter, lassen die Börsen einbrechen, frei nach dem Motto: Rette sich wer kann. Millionen von Besitzlosen können sich aber nicht retten. Ihnen steht die geballte bewaffnete Macht der Herrschenden gegenüber, die sie daran hindert.

Bundeskanzlerin ANgela Merkel während ihrer Ansprache and die Nation am Mittwoch.

Im Schatten der Corona-Krise steht eine ausgewachsene globale Wirtschaftskrise, die sich lange angebahnt hat, vielleicht kommt es sogar zu einem nicht mehr zu behebenden Totalcrash der Profitmaschine. Das wird nicht nur zu einem existenziellen Desaster für die Ärmsten. In den reichen Ländern bekommt nun ein großer Teil der sogenannten Mittelschicht die Widersprüche des Systems massiv am eigenen Leib zu spüren.

Im Gange ist offenbar die Enteignung derer, die über Jahrzehnte glaubten, eine auskömmliche Nische im kapitalistischen Wahnsinn gefunden zu haben. Profiteure der Krise sind indes die Reichsten der Reichen, bei denen die Milliardengewinne von Microsoft, Amazon, BlackRock und Co. versickern.

Wo all das enden wird, ist unklar. Geht der Weg hin zu brutalen autoritären Regimes in der ganzen Welt unter dem Diktat der größten Monopole? Oder werden die existenziell bedrohten Massen, die Ärmsten und gestrauchelten Statusakrobaten gleichermaßen, vielleicht doch noch die Notwendigkeit von globaler Solidarität erkennen, um gemeinsam den brutalen, grenzenlosen Klassenkampf von oben zu stoppen? Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.

RT Deutsch bemüht sich um ein breites Meinungsspektrum. Gastbeiträge und Meinungsartikel müssen nicht die Sichtweise der Redaktion widerspiegeln.

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