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Breites Schweigen in Medien über Roger-Waters-Konzert zur Unterstützung von Julian Assange

Breites Schweigen in Medien über Roger-Waters-Konzert zur Unterstützung von Julian Assange
Normalerweise gäbe es eine breite Medienberichterstattung, wenn ein Rockstar einen seiner legendären Hits vor dem britischen Innenministerium vortragen würde. Dies war bei dem kürzlichen Auftritt von Pink-Floyd-Frontmann Roger Waters in London nicht der Fall. Er hatte dort ein Gratiskonzert gegeben, um auf die prekäre Lage des inhaftierten WikiLeaks-Gründers Julian Assange aufmerksam zu machen.

Die Mainstream-Medien aber ignorierten Waters Auftritt außerhalb des britischen Innenministeriums am Montagabend völlig. Eine Suche in der Zeitungsdatenbank ProQuest ergab keine Treffer bezüglich der Berichterstattung vonseiten einer britischen Zeitung zu der Veranstaltung, wie die britische Medienanalyse-Website Media Lens twitterte.

Im Zuge einer Google News-Suche lassen sich lediglich Beiträge einiger Nicht-Mainstream-Medien, etwa der World Socialist Web Site, des Irish Examiner, des in Ecuador ansässigen Senders Telesur, einiger türkischer Medien sowie von RT und Sputnik, feststellen – jedoch nichts von einer großen britischen Zeitung oder einem britischen Sender, geschweige denn vonseiten internationaler Medien.

Die Veranstaltung wurde von WikiLeaks mit 5,5 Millionen Followern und Roger Waters selbst mit über 300.000 Followern auf Twitter stark beworben – so scheint es, dass die mangelnde Berichterstattung der britischen Medien eine bewusste Entscheidung und kein Versehen war.

Das Schweigen blieb von Assange-Anhängern auf den sozialen Medien nicht unbemerkt.

Wenn Roger Waters seinen Gitarrenkoffer öffnen und an irgendeiner Straßenecke in der Welt singen würde, wäre das normalerweise eine wichtige kulturelle Nachricht in den Mainstream-Medien, schrieb jemand.

Für einen weiteren Twitter-Nutzer diente die mangelnde Berichterstattung im Guardian als weitere Beweise dafür, dass es sich nur um ein Propagandainstrument für den "britischen Staat handelt".

Chris Williamson von der Labour-Partei twitterte, dass er der "einzige Abgeordnete" sei, der an der Demonstration teilnahm, und fügte hinzu, dass die Inhaftierung von Assange "ein Angriff auf die Meinungsfreiheit und den Journalismus" sei.

Auch hierzulande findet sich keine Berichterstattung zu der Veranstaltung. Dabei warnte der renommierte Investigativjournalist John Pilger eindringlich vor den internationalen Folgen für die Pressefreiheit, wenn Assange tatsächlich für seine journalistische Tätigkeit in die USA ausgeliefert würde. 

Er mahnte:

Es ist keine Übertreibung, wenn man sagt, dass Julian Assange genauso behandelt und verfolgt wird, wie Diktaturen einen politischen Gefangenen behandeln. Es gibt einen Grund dafür, nämlich, dass Julian und WikiLeaks einen historischen öffentlichen Dienst geleistet haben, indem sie Millionen von Menschen Fakten dafür geliefert haben, warum und wie ihre Regierungen sie betrügen, heimlich und oft illegal, warum sie in Länder einmarschieren, warum sie uns ausspionieren.

Dann nannte er bekannte Mainstream-Medien, die sich in vermeintlicher Sicherheit wägen, aber tatsächlich in Gefahr stünden, ebenfalls für das Berichten über die WikiLeaks-Enthüllungen an den Pranger gestellt zu werden. Keines von ihnen reagierte.

Als ich Julian fragte, was ich heute sagen soll, hatte er dazu eine klare Meinung: 'Sag, dass es nicht nur um mich geht. Es geht um viel mehr. Es geht um uns alle. Alle Journalisten und Verleger, die ihren Job machen, sind in Gefahr.' Mit anderen Worten: Die Gefahr, mit der Julian Assange konfrontiert ist, kann sich leicht auf die gegenwärtigen und ehemaligen Herausgeber von The Guardian, The New York Times, Der Spiegel, El País in Spanien, The Sydney Morning Herald und viele andere Zeitungen und Medien auf der ganzen Welt ausbreiten, die die WikiLeaks-Enthüllungen über die Lügen und Verbrechen unserer Regierungen veröffentlicht haben. Noch nie zuvor in meiner Karriere als Journalist habe ich einen solchen Angriff auf unsere Freiheit erlebt, wenn man etwas veröffentlicht oder weiß. Die Botschaft ist klar und deutlich: Sei vorsichtig, sonst landest auch Du in einem amerikanischen Höllenloch. Journalismus ist kein Verbrechen in den Vereinigten Staaten – noch nicht. Doch wenn Julian ausgeliefert und verurteilt wird, wird er zu einem Verbrechen – der Journalismus, der gute Arbeit leistet und den Menschen sagt, was die Regierungen hinter ihrem Rücken tun, in ihrem Namen."

Wir haben John Pilgers gesamte Rede übersetzt und veröffentlicht. Es finden sich darunter zahlreiche Nutzerkommentare, in denen Kritik geübt wird, dass der Mainstream nicht über die Veranstaltung berichtet, und die den Umgang mit Julian Assange durch westliche Behörden scharf anprangern. Eine Nutzerin namens Ariane Engelhard fragt: 

Wo sind all die Journalisten und Verleger in Deutschland, die Druck auf unsere Bundesregierung ausüben könnten, die bisher schweigt und denkt, dass die Menschen vergessen könnten, indem geschwiegen wird! Jede Zeitung könnte ohne Weiteres jeden Tag ein Foto Assanges auf seiner Titelseite drucken, mit der Forderung, dass er nicht ausgeliefert werden darf, und seine Freilassung fordern! Es wäre so einfach. Für Solidarität unter den Journalisten! Da nahezu alle Zeitungen ohnehin zu Axel Springer, Bertelsmann usw. gehören, bin ich hoffnungslos, da sie alle in irgendeinem transatlantischen Verein sitzen. Davon sollte sich allerdings kein Journalist abhalten lassen. Wo ist Heiko Maas, der sich auf seiner Facebookseite intensiv über Menschenrechte und Pressefreiheit auslässt? Wo sind Frau Merkel und unser Bundespräsident, die sich auch des Öfteren mit den Worten Menschenrechte, Meinungsfreiheit und der Pressefreiheit schmücken?"

Hier finden Sie die Rede von John Pilger:

Assange wurde im April wegen der Verletzung britischer Kautionsbedingungen und der Flucht in die ecuadorianische Botschaft in London inhaftiert, wo er sieben Jahre im politischen Asyl verbrachte – aus Angst vor einer Auslieferung wegen seiner Enthüllung von US-Regierungsgeheimnissen.

Auch die UN schlugen Alarm und kritisierten, dass Assanges Menschenrechte eklatant verletzt würden und er Folter ausgesetzt sei. Ihm soll es gesundheitlich äußerst schlecht gehen.

Nils Melzer, der für die UN als Sonderberichterstatter zum Thema Folter tätig ist, hatte Assange mit zwei medizinischen Experten im Gefängnis besucht, die bei Assange, nach jahrelangem Verfolgungsdruck und Isolation, entsprechende Symptome der psycholgischen Folter feststellten, wie "extremer Stress, chronische Angst und ein schweres psychologisches Trauma".

Assanges Bruder, der ebenfalls die Veranstaltung vor dem britischen Innenministerium besuchte, schilderte Folgendes:

Vergangenen Monat besuchte ich meinen Bruder Julian im Gefängnis von Belmarsh. Ich hatte ihn bereits seit einem Jahr nicht mehr gesehen. Ich umarmte ihn, und er sagte mir, dass dieser Ort, an dem er sich befindet, die Hölle sei. Ich verstand sofort, was er meinte. Die gelbe Häftlingsarmbinde, die um seinen Arm gewickelt war, ließ erkennen, wie abgemagert er unter seiner ausgeleierten Gefängniskleidung geworden war. Seine Augen und seine Stimme signalisierten, dass "diese Hölle" am härtesten daran arbeitete, jede Hoffnung, die er noch hatte, zu zerstören. Bei diesem Besuch haben wir nicht gelacht. Es gab nichts zu lachen. Ich unterdrückte meine Tränen, als ich erkannte, dass dies eines der letzten Male sein könnte, dass ich ihn sehe.

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