Türkischer Präsident Erdogan feiert Özils "patriotischen" Rücktritt aus Nationalelf

Türkischer Präsident Erdogan feiert Özils "patriotischen" Rücktritt aus Nationalelf
Der deutsche Innenminister Horst Seehofer sagte gestern zu Mesut Özils Abschied aus der Nationalelf, dass es in dieser Geschichte nur Verlierer gäbe. Einen hatte er dabei wohl vergessen: Den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan.

Erdogan telefonierte nämlich mit Özil, nachdem dieser eine dreiseitige Erklärung samt scharfer Vorwürfe an den DFB veröffentlicht hatte und lobte seinen Rücktritt anschließend vor Pressevertretern. Er bezeichnete Özils Rücktritt als “national und patriotisch”. Er küsse dafür seine Augen. Auch die türkische Presse feiert Özils Entscheidung.

Erdogan erklärte gestern in Ankara, dass Özil auf Grund seiner  Religion rassistisch behandelt worden sei. "Wie kann man sonst eine solche Mentalität erklären, die für Mesut, Ilkay [Gündogan] und Cenk [Tosun], die türkischen Ursprungs sind und die auch mit mir in London fotografiert wurden, keine Duldung hat?"

Özil zog sich mit 29 Jahren aus dem internationalen Fussball zurück und nannte "Respektlosigkeit, Beleidigungen und Druck" als Begründung. Er und sein Teamkollege Ilkay Gündogan wurden weithin dafür kritisiert, dass sie auf einem Foto neben dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan posiert haben, wobei die Loyalität der beiden in Gelsenkirchen geborenen Männer zu den deutschen "Werten" in Frage gestellt wurde. Gündogan hatte Erdogan seinen Präsidenten genannt. Die Entwicklung in der Türkei nach dem Putschversuch und die darauffolgenden massenhaften Verhaftungen von Zehntausenden Menschen und die Schließung von fast 200 Medieneinrichtungen, wie Zeitungen, TV- und Radiosender sehen viele Kritiker im Widerspruch zu dem Werteverständnis hierzulande.

Gündogan und Özil trafen sich nach massiver medialer Kritik an dem Londoner Fototermin mit Bundespräsident Frank Walter Steinmeier. Gündogan erklärte anschließend, sich klar zu Deutschlands Werten zu bekennen und dass er sich selbst als Deutscher verstehe, aber eben auch durch seine Familie Wurzeln in der Türkei hat. Özil schwieg wochenlang, bis zu seinem Abschied aus der deutschen Elf. In diesen Wochen folgten Buh-Rufe aus dem Fan-Block, massive rassistische Angriffe in sozialen Medien, zahlreiche kritische Artikel und sogar seine frühere Schule lud ihn nach Özils eigenen Angaben von einer Benifizveranstaltung aus. Nach reiflicher Überlegung und den Ereignissen der vergangenen Wochen habe er sich deshalb dazu entschlossen, nicht mehr für die Nationalelf zu spielen. Wie Erdogan gestern erklärte, begrüße die Mehrheit der türkischen politischen Hauptakteure Özils Entschluss.

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