Westjordanland: Pärchen mit Baby im Arm fast durch Blendgranate getroffen

Westjordanland: Pärchen mit Baby im Arm fast durch Blendgranate getroffen
Es sind Videoaufnahmen aufgetaucht, die einen israelischen Soldaten zeigen, der während einer gewalttätigen Demonstranten im Westjordanland eine Blendgranate abfeuert. Das Geschoss hätte jedoch um ein Haar ein Paar und dessen Baby getroffen. Der Vorfall ereignete sich Berichten zufolge, als die Familie versuchte, inmitten der Ausschreitungen in ihr Haus zu flüchten.

Das Video hat ein Aktivist für die NGO Jesch Din aufgenommen. Es zeigt die dreiköpfige Familie hastig davonrennen, während der Vater ein Baby in den Armen hält. Der Vorfall soll sich im Dorf Burin ereignet haben.

Vier israelische Soldaten befinden sich auf der Straße hinter der Familie. Dann wirft einer der Soldaten eine Blendgranate. Diese explodiert nur knapp hinter dem Paar.

Der Vorfall soll sich am Freitag inmitten von Protesten ereignet haben, die in der Gegend ausgelöst wurden, nachdem Israelis aus nahe gelegenen Siedlungen versucht haben sollen, das Dorf zu betreten, so die von Haaretz zitierten Palästinenser. Israelische Sicherheitskräfte sagten auch, dass in der Nähe eine gewalttätige Demonstration stattfand.

Jedoch sagt die Grenzpolizei, dass das Video eine "parteiische und bearbeitete" Darstellung der Ereignisse zeigt, und dass Dutzende von Demonstranten Steine auf die Soldaten in der Nähe und um das Haus der Familie geworfen hatten.

Sie sagten auch, dass der Vater mit dem Rücken zu den Offizieren geflohen war, so dass es unmöglich war, zu sehen, dass er ein Baby trug. "Solch eine Flucht ist charakteristisch für Randalierer, die Steine auf Offiziere schleudern, während sie ihr Leben riskieren und versuchen, zu fliehen, um Verhaftungen um jeden Preis zu vermeiden. Es ist überflüssig, zu sagen, dass, wenn die Offiziere das Baby bemerkt hätten, sie sicherlich dementsprechend gehandelt hätten", sagte er.

Laut Jesch Din war der Vorfall allerdings nur einer von mehreren ähnlichen Vorkommnissen am Freitag. "Mindestens eine Tränengasgranate landete in einem der umliegenden Häuser, in denen eine große Familie lebt, und mehrere Personen erlitten Verletzungen durch das Einatmen von Gas und Rauch", schrieb die NGO auf Facebook.

"Die Soldaten und Grenzpolizisten feuerten weiterhin Tränengas und Blendgranaten ab, obwohl gerade Verletzte in einen Krankenwagen gebracht wurden", so Jesch Din. In dem Video ist der Krankenwagen zu sehen. Die israelische Gruppierung, die 2005 mit dem Ziel gegründet wurde, die Verbesserung der Menschenrechtslage in den zwischen Israel und der Palästinensischen Autonomiebehörde umstrittenen Gebieten zu fördern, war vor Ort, um die Aktionen der Demonstranten und die Reaktion der israelischen Streitkräfte zu überwachen. Sie wird unter anderem von dem bekannten US-amerikanischen Milliardär und Philanthropen George Soros finanziert und bietet Arabern in den umstrittenen Gebieten Rechtsbeistand. Kritiker werfen ihr regelmäßig eine einseitige und selektive Berichterstattung über Auseinandersetzungen in den umstrittenen Gebieten vor.

Arabische Aktivisten, die von der linksgerichteten Zeitung Haaretz zitiert wurden, berichteten auch, dass eine Tränengasgranate in einer Schule gelandet sei. Der Krankenwagen, der zu sehen war, soll bei der Evakuierung des Gebäudes im Einsatz gewesen sein.

In mehreren Fällen gewalttätiger Ausschreitungen radikaler Palästinensergruppen waren jedoch in der Vergangenheit auch zivile Gebäude und Krankenwägen als Rückzugsorte oder Transporte für militante Aktivisten zweckentfremdet worden.

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