Athen: Über Hunderttausend Griechen ziehen für Umbenennung Mazedoniens auf die Straße

Athen: Über Hunderttausend Griechen ziehen für Umbenennung Mazedoniens auf die Straße
Deutlich mehr als hunderttausend Griechen sind am Sonntag auf die Straßen Athens gezogen, um gegen den Staatsnamen Mazedoniens zu protestieren. Die griechische Regierung versucht unterdessen, einen jahrzehntelangen Streit darüber beizulegen, wie das Nachbarland, ein früherer Teilstaat Jugoslawiens, eigentlich heißen sollte. Die Demonstranten kamen mit Bussen aus dem ganzen Land angereist, schwenkten griechische Fahnen und riefen "Hände weg von Mazedonien" und "Mazedonien ist Griechenland".

Der Verkehr im Zentrum der griechischen Hauptstadt kam zum Erliegen und mehrere U-Bahn-Stationen wurden geschlossen. Die Organisatoren schätzten, dass sich ursprünglich 1,5 Millionen Menschen auf dem Syntagma-Platz vor dem Parlament versammelt hatten, aber die Polizei schätzt, dass diese Zahl schnell auf 140.000 zurückging.

Dies ist der zweite derartige Protest in den letzten Wochen. Am 21. Januar waren in Thessaloniki, der Hauptstadt der griechischen Provinz mit dem Namen Mazedonien, mindestens 90.000 Menschen zu einer Demonstration zusammengekommen.

"Mazedonien war, ist und wird für immer griechisch sein", sagte Mikis Theodorakis, berühmter Komponist und Symbol des Widerstands gegen die Militärjunta von 1967-1974. "Wenn eine Regierung erwägt, im Namen unseres Landes etwas zu unterzeichnen, muss sie zweifellos zuerst das griechische Volk fragen", rief er der Menge zu.

In der Nähe der Kundgebung fand ein kleiner Gegenprotest von linken Aktivisten und Anarchisten statt, bei dem es zu Raufereien mit rechten Nationalisten kam. Nachdem sie mit Steinen beworfen worden war, feuerte die Polizei Blendgranaten und Tränengas ab, um den Mob zu zerstreuen.

Der Streit mit Mazedonien dauert seit 1991 an, als das kleine Balkanland die Unabhängigkeit von Jugoslawien erklärte. Seitdem blockiert Griechenland die Westintegration des Landes mit dem Argument, dass das Recht auf den historischen Namen Mazedonien allein bei den Griechen läge. Solange der Balkanstaat im Norden sich nicht einen anderen Namen gebe, werde Griechenland daher sein Veto gegen dessen NATO-Mitgliedschaft und den Beginn von EU-Beitrittsverhandlungen einlegen, lautet die in Athen parteiübergreifend unterstützte Position. Der Name Mazedonien ist umstritten, weil er für viele Griechen einen Anspruch auf die gleichnamige griechische Region impliziert. Obwohl die Menschen aus dem Land Mazedonien eine slawische Sprache sprechen, leitet sich der Name beider Regionen vom antiken griechischen Königreich Mazedon ab, aus dem der berühmte Eroberer und die Ikone der griechischen Geschichte, Alexander der Große, hervorgegangen ist.

Die griechische Regierung befindet sich derzeit in Gesprächen mit ihren mazedonischen Kollegen, um das Problem zu lösen. Es heißt, dass die Regierung unter Alexis Tsipras zu einem Kompromiss bereit wäre. Sollte ein solcher gefunden werden, würden damit die Meinungsverschiedenheiten beigelegt, die zurzeit noch einen Beitritt Mazedoniens zur NATO behindern.

Am Rande der Proteste kam es auch zu Zusammenstößen mit der Polizei. Hier zerstreut sie eine Gruppe von Protestlern mit Tränengas, die mit Stöcken bewaffnet ist.

Im Großen und Ganzen blieb der Protest friedlich:

Luftaufnahmen von den Menschenmassen:

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