Türkischer Einmarsch in syrischem Afrin: Videos zeigen Angriffe und Proteste

Türkischer Einmarsch in syrischem Afrin: Videos zeigen Angriffe und Proteste
Im Wege der "Operation Olivenzweig" ist die Türkei am Wochenende in die syrische Stadt Afrin einmarschiert. Mit dieser soll die Präsenz kurdischer Milizen und Truppen entlang der Grenze zur Türkei eingedämmt und zerschlagen werden. Die Türkei wirft diesen Terrorismus vor. Am heutigen Montag kommt der UN-Sicherheitsrat auf Antrag Frankreichs zu einer Dringlichkeitssitzung zusammen, um über die Offensive der Türkei zu beraten.

Seit Beginn der Operation haben diverse Quellen verschiedene Aufnahmen von türkischen Bombardements in Afrin veröffentlicht. Am Samstag begannen türkische Kampfflugzeuge, kurdische Stellungen in Afrin zu bombardieren, kurz nachdem der Präsident des Landes, Recep Tayyip Erdogan, den Start der Militäroperation ankündigt hatte. Der Präsident erklärte ferner, dass das nächste Ziel für die türkischen Streitkräfte das syrische Manbidsch sein werde. Die Türkei betrachtet die in Nordsyrien aktiven "Volksverteidigungseinheiten" (YPG) als eine Erweiterung der verbotenen so genannten "Arbeiterpartei Kurdistans" (PKK), die in der Türkei agiert.

Die türkische Luftwaffe hat am Sonntag Luftaufnahmen von einem Raketenangriff auf die Region der Öffentlichkeit zugänglich gemacht, der laut türkischen Behörden ein Munitionsdepot der kurdischen YPG zerstört haben soll.

Copyright: Türkische Streitkräfte

Aus der Provinz Hatay in der Türkei wurden gestern Dutzende Raketen auf die Region abgefeuert. Laut kurdischen Angaben sind alleine am Samstag mindestens zehn Menschen durch die türkischen Bombardements ums Leben gekommen, darunter sieben Zivilisten.

Außerdem tauchten Videoaufnahmen auf, die angeblich durch den türkischen Beschuss Verletzte zeigen. In Afrin sollen mindestens 500.000 Menschen leben, andere Quellen sprechen gar von bis zu einer Million Menschen. Viele sind im Zuge des Syrien-Krieges dorthin geflohen.

Syriens Präsident Baschar al-Assad verurteilte den Einmarsch, der er einen "erneuten türkischen Angriff auf Syriens Souveränität" nannte, als "brutale türkische Aggression", die der "Unterstützung terroristischer Organisationen" diene. Assad wirft der Türkei seit Jahren vor, mit islamistischen Terroristen zusammenzuarbeiten, diese logistisch zu versorgen und sie in Syrien für eigene Zwecke einzusetzen.

In mehreren Ländern zogen Kurden auf die Straßen, um gegen die Militäroperation zu protestieren. Auch in Hamburg versammelten sich am Sonntag hunderte Menschen, um ihren Unmut über die türkische Militäroperation in Nordsyrien zum Ausdruck zu bringen. Die Demonstranten versammelten sich vor dem Hamburger Dammtorbahnhof und marschierten zum türkischen Konsulat. Demonstranten sangen Slogans, die den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan als "Terroristen" bezeichneten. Mehrere PKK- und YPG-Flaggen waren bei dem Protest zu sehen.

Auch in der Türkei selbst protestierten Kurden gegen die Angriffe auf Afrin. Berichten zufolge hat die türkische Polizei in Istanbul Pfeffergas verwendet, um prokurdische Demonstranten zu zerstreuen. Die Demonstranten wurden von einer starken Polizeipräsenz empfangen. Berichten zufolge wurden mindestens 12 Personen festgenommen, als zwischen Demonstranten und der Polizei Raufereien ausbrachen.

Russland und Deutschland erklärten, dass der militärische Alleingang der Türkei besorgniserregend sei. Der deutsche Außenminister Sigmar Gabriel warnte von "unkalkulierbaren Risiken" der militärischen Konfrontation. Russland forderte von der Türkei Zurückhaltung und zog seine Friedenstruppen aus Afrin ab. Auch die USA, die die kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) in Syrien ausgebildet und bewaffnet haben, riefen die Türkei zur Zurückhaltung auf. Der Iran forderte ebenfalls ein sofortiges Ende der Operation.

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