Kriegsverbrechen zu Rapmusik? Skandal-Video zeigt US-Truppen "im Einsatz" in Afghanistan

Kriegsverbrechen zu Rapmusik? Skandal-Video zeigt US-Truppen "im Einsatz" in Afghanistan
Wildes Herumgeballere, ein geschmackloser Scherz und möglicherweise ein Schuss auf einen Zivilisten – jüngst veröffentlichte Videoaufnahmen aus Afghanistan, die unterlegt mit cooler Rapmusik US-Militärs zeigen, werfen ein schlechtes Licht auf den US-Einsatz in dem Krisengebiet am Hindukusch. Eine Szene in dem Video ist so eklatant, dass die US-Armee daraufhin eine Untersuchung einleitete.

In der Beschreibung des ursprünglichen Videos hatte es geheißen, dass die Aufnahmen ein US-Spezialeinsatzkommando im Kampf gegen den IS im Jahr 2017 zeigen. Das YouTube- sowie das Instagramkonto, auf denen das Video erstmals veröffentlicht worden war, wurden gelöscht.

Das betreffende Video ist kein offizielles, nicht autorisiert und zeigt nicht die Professionalität der Streitkräfte des US Central Command. Wir nehmen eine Untersuchung zum Video vor und werden angemessen, den Ergebnissen der Untersuchung entsprechend, handeln", hieß es vom Zentralkommando der USA gegenüber POLITICO. 

Und tatsächlich: Die Aufnahmen erwecken den Eindruck, als würden die gezeigten Soldaten ihren Einsatz auf eine wenig professionelle Weise durchführen. In mehreren Szenen wird massenweise Munition in die Landschaft verballert - Feinde sind weit und breit nicht zu erkennen. Bei Sekunde 20 filmt die Helmkamera eines Soldaten mit, wie dieser auf einen LKW-Fahrer schießt, bei dem es sich höchstwahrscheinlich um einen Zivilisten handelt. Aufgrund dieser Szene griffen nun auch Medien das Video auf und vermuten, dass die Aufnahmen ein Kriegsverbrechen dokumentieren. In einem Kommentar unter dem Video heißt es zynisch: "Diese Freiheit und Demokratie kann man nur lieben", womit der Nutzer darauf anspielt, dass der offizielle Beweggrund der USA für den Einsatz in Afghanistan gewesen sei, den Menschen Demokratie zu bringen.

Das Video schließt mit dem Foto eines anscheinend schlafenden Soldaten. Vor ihm befindet sich ein Pappschild, auf dem spöttisch geschrieben steht: "Ich töte für Essen."

Der Videoausschnitt mit dem LKW-Fahrer lässt Erinnerungen an frühere Skandale der US-Armee im Nahen Osten wach werden. So hatte etwa die Enthüllungsplattform Wikileaks im Jahr 2010 unter dem Titel "Collateral Murder" Videoaufnahmen veröffentlicht, die Luftangriffe der US-Armee im Irak unter anderem auf Zivilisten zeigen. Ein Reuters-Mitarbeiter wurde getötet. Als Zivilisten, sein eigener Kollege und ein Mann mit zwei Kleinkindern aus einem Kleinbus hinzukamen, um dem Angeschossenen zu helfen, eröffneten die US-Kräfte erneut das Feuer. Infolge dessen wurden die beiden Kinder schwer verletzt, der Reuters-Mitarbeiter und zwei Helfer getötet.

Auch der Abu-Ghuraib-Folterskandal von 2004 schädigte das Image der US-Armee in gravierender Weise. Es handelte sich dabei um Foto- und Videoufnahmen aus einem US-Foltergefängnis im Irak. Hier hatten US-Soldaten Insassen zu Tode gefoltert, vergewaltigt, gedemütigt und gequält.

AbuGhraibAbuse-standing-on-box.jpg
Von United States Armed Forces - Taken from en.wikipedia. Photo of a Iraqi prisoner in Abu Ghraib., Gemeinfrei, Link

Im Jahr 2012 tauchte zudem ein Video auf, das US-Soldaten in Afghanistan zeigt, die auf Leichen von Taliban-Kämpfern urinieren.