Burkina Faso: "Afrikaner sind die Sklavenhändler" - Macron macht Studenten eine Ansage

Burkina Faso: "Afrikaner sind die Sklavenhändler" - Macron macht Studenten eine Ansage
Der französische Präsident Emmanuel Macron hat während einer viertägigen Reise zur Förderung einer Neuausrichtung der Beziehungen zwischen seinem Land und Afrika kontroverse Thesen geäußert, als er über Menschenhandel sprach. Während seiner Tour durch afrikanische Nationen trifft er auf die Staatsoberhäupter der ehemaligen französischen Kolonien Burkina Faso und Elfenbeinküste. Der Besuch war als eine politisch brückenbildende Maßnahme angedacht.

In der Hauptstadt von Burkina Faso, Ouagadougou, traf Macron am Dienstag mit Studenten der örtlichen Universität zusammen. Während des Zusammentreffens berührte er die koloniale Vergangenheit Frankreichs und sagte, dass "Verbrechen der europäischen Kolonialisierung unbestreitbar sind". Nach jüngsten Berichten über Sklavenauktionen in Libyen schlug Macron eine gemeinsame euro-afrikanische Initiative zur Ausrottung des Menschenschmuggels vor. Ein hoch animierter Macron ließ sein Publikum von Studenten jedoch kaum Zweifel daran, dass das Problem von den lokalen Behörden angegangen werden sollte. "In Libyen engagieren wir uns in diplomatischen Beziehungen, um eine politische Lösung zu finden", sagte er und erhob plötzlich seine Stimme.
"Wer sind denn die Menschenhändler? Stellen Sie sich - als afrikanische Jugend - diese Frage! Es ist echt unglaublich. Wer sind die Menschenhändler? Es sind Afrikaner, meine Freunde. Sie sind Afrikaner. Stellen Sie sich diese Frage. Nicht die Franzosen sind die Schlepper, sondern die Afrikaner. Also sollte jeder die Verantwortung verstehen, und wir haben damit begonnen, diese Strukturen zu zerschlagen. Aber hören Sie auf zu sagen: Es sind andere."

Macron fuhr fort: "Zeigen Sie mir eine französische, belgische oder deutsche Person, die den Menschenhandel zwischen Nigeria und Libyen betrieben hat. Eine solche Person existiert nicht. Es  heute in Afrika Afrikaner, die andere Afrikaner zu Sklaven machen, das ist die Realität. Und es gibt Europäer, die von diesem Elend in Europa profitieren, das ist inakzeptabel. In beiden Fällen handelt es sich um Straftaten. Wir kämpfen gegen beide Varianten."

Ob die Ansage des französischen Präsidenten bei allen gut ankommt, bleibt fraglich, denn er schien Kritikern zufolge damit von seiner ursprünglichen Linie abzuweichen, dass er "aus einer Generation stammt, in der wir nicht kommen, um Afrika zu sagen, was zu tun ist".

Macron hat behauptet, ein Präsident zu sein, der mit den Reden von Nelson Mandela aufgewachsen sei. Während seines Wahlkampfes bezeichnete er den Kolonialismus als Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Diese Haltung relativierte Macron gestern selbst, als er auf eine Frage zur Anzahl afrikanischer Studenten in Frankreich gegenüber der Anzahl französischer Soldaten, die in Afrika stationiert wären, antwortete.

Der Präsident sprach von französischen Soldaten, die während ihres Dienstes in Afrika starben, und sagte den Studenten, dass sie den französischen Soldaten ihren Beifall schulden.