"Sie lügen!" - Mladic fliegt nach lautstarkem Protest bei Urteilsverlesung aus Gerichtssaal

"Sie lügen!" - Mladic fliegt nach lautstarkem Protest bei Urteilsverlesung aus Gerichtssaal
Bei der Urteilsverkündung im Völkermordprozess gegen den früheren bosnisch-serbischen General Ratko Mladic ist es zu einem Eklat gekommen. Der Richter Alphons Orie warf den Angeklagten aus dem Gerichtssaal, nachdem dieser lautstark und wiederholt gebrüllt haben soll: "Sie lügen!" Mladic musste die Urteilsverkündung in einem separaten Raum verfolgen.

Anschließend stritten der Vorsitzende Richter und Mladics Verteidiger über dessen Gesundheitszustand. Der Richter meinte, Mladics Blutdruck sei laut einer ärztlichen Untersuchung normal gewesen. Zuvor soll die Verteidigung gefordert haben, die Urteilsverkündung auf Grund des hohen Blutdrucks Mladics abzukürzen. Bereits im Vorfeld der Urteilsverkündung hatte es eine verlängerte Pause gegeben, da Mladic dreimal wegen befürchteter Herzprobleme beantragt habe, den Blutdruck zu messen. Die Verteidigung wollte die Frage geklärt wissen, unter welchen Umständen der Blutdruck von Mladic noch als normal gewertet werden könne.

Das Gericht in Den Haag setzte die Verlesung des Urteils nach Mladics Rauswurf fort. Die Anklage hatte ihm als ehemaligem Oberkommandanten von Milizen der bosnischen Republika Srpska die Verantwortung für Vergewaltigungen, Morde, Folter und Vertreibungen während des Bürgerkrieges im ehemaligen Teilstaat des zerfallenden Jugoslawiens auferlegt. Besonders schwere Vorwürfe betreffen dabei die Zeit der Belagerung von Sarajewo. Im Urteil wurde der 75-Jährige auch des Völkermord in Srebrenica im Jahr 1995 schuldig gesprochen und zu lebenslanger Haft verurteilt. Vor allem muslimische Einwohner von Bosnien und Herzegowina kommentierten das Urteil in sozialen Medien mit Genugtuung. Kritiker sprechen hingegen von einem politisch motivierten Urteil und werfen dem Gerichtshof eine einseitige Ausrichtung zu Lasten der serbischen Seite im Bürgerkrieg vor.