Jemen: Ein Volk geht gegen saudischen Krieg auf die Straße - Mainstream berichtet lieber über Moskau

Hunderttausende protestieren am Sonntag in Saana gegen den Krieg durch Saudi Arabien.
Hunderttausende protestieren am Sonntag in Saana gegen den Krieg durch Saudi Arabien.
Im Jemen zogen am Sonntag Hunderttausende in die Hauptstadt, um gegen den Krieg, den die saudische Kriegskoalition in ihrem Land führt, und gegen die dadurch verursachte verheerende Hungerkatastrophe zu protestieren. Doch der mediale Fokus hierzulande lag auf Protesten in Russland. Die Proteste in Moskau, an denen sich etwa 60.000 von 144 Millionen Einwohnern des Landes beteiligten, waren in deutschen Schlagzeilen allgegenwärtig.

Der Protest im Jemen markierte den zweiten Jahrestag des Beginns der Militärintervention Saudi-Arabiens in dem verarmten Land. Heute herrscht im Jemen die verheerendste Hungerkatastrophe weltweit. Über 460.000 Kinder sind in Lebensgefahr und leiden unter "akuter schwerer Mangelernährung". Infolge des Zusammenbruchs der Wasserversorgung und extremen Nahrungsmangels hungern Millionen und brauchen dringend Hilfe. Unicef mahnt in seinem jüngsten Bericht "The Children of Yemen – Falling Through the Cracks", dass die katastrophalen Auswirkungen des Konflikts im Jemen zu wenig wahrgenommen würden. Fast zehn Millionen Kinder, also 80 Prozent aller Kinder im Jemen, sind auf humanitäre Hilfe angewiesen. Luftschläge trafen bereits 212 Schulen und 95 Krankenhäuser. Hinzu kommt, dass das Land unter einer totalen Blockade vonseiten der Kriegskoalition steht, die zu einer extremen Knappheit von Versorgungsgütern führt. Der Jemen ist im Umfang von 90 Prozent seiner Lebensmittel auf Exporte aus dem Ausland angewiesen. Land- und Seewege sind unter Kontrolle der saudischen Koalition.

Ein Ende des Krieges scheint indes in weite Ferne gerückt zu sein. General Ahmed al-Asiri, Sprecher der Saudi-geführten Koalition im Jemen, erklärte kürzlich nach einem Treffen in Washington, dass die USA ihre Kooperation mit Riad ausweiten wollen. Zudem genehmigte Washington Anfang März einen großen Waffenverkauf in die Golfmonarchie, den Präsident Obama 2016 noch wegen Bedenken zur Menschenrechtssituation blockiert hatte.