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Libyen: Tausende protestieren gegen türkische Intervention und "widerlichen Muslimbruder Erdoğan"

Libyen: Tausende protestieren gegen türkische Intervention und "widerlichen Muslimbruder Erdoğan"
In der ost-libyschen Stadt Bengasi sind am Sonntag Tausende Menschen auf die Straßen gezogen, um die Militärintervention der Türkei in ihrem Land zu verurteilen und der "International anerkannten" Regierung der nationalen Übereinkunft ihre Ablehnung entgegenzubringen. Ein Demonstrant nannte den türkischen Präsidenten Erdoğan einen "dreckigen Hund" und "widerlichen Vertreter der islamistischen Muslimbrüder".

Seit dem Lynchmord an dem ehemaligen Premierminister Libyens Muammar al-Gaddafi im Jahr 2011 sowie des NATO-Bombardements zur Unterstützung der islamistischen Aufständischen herrscht in Libyen Chaos. 

Seit 2015 ist das Land zwischen zwei rivalisierenden Regierungen geteilt – eine im Osten unter General Khalifa Hafter, der den Großteil des Landes kontrolliert, und der sogenannten Regierung der nationalen Übereinkunft unter Premierminister Fayez al-Sarraj in Tripolis. Letztere wird von der UNO unterstützt sowie der Türkei, die Tausende islamistische Söldner aus Syrien und Waffen nach Libyen brachte, um gegen Haftar zu kämpfen. 

Tausende von Unterstützern der Haftar-Regierung demonstrierten am Sonntag in Bengasi, um gerade die türkische Einmischung in die inneren Angelegenheiten des Landes zu verurteilen.

Ein Demonstrant erklärte zur türkischen Intervention: 

Ich möchte dem türkischen Volk sagen: Sie haben eure Interessen in Libyen zerstört, und Ihre Beziehung zu Libyen ist beendet, und Ihr Ruf ist zerstört worden. Der Ruf der Türken war hier gut. Wir haben türkische Gebäude und türkische Unternehmen, wir haben türkische Restaurants und wir haben türkische Arbeiter, aber jetzt ist Ihr Ansehen durch Erdoğan zerstört worden, denn er ist ein widerlicher Vertreter der Muslimbruderschaft, ein dreckiger Hund, und er hat nichts mit unserem Land zu tun.

Ein anderer prangerte die Rolle der UNO an, die diese im Konflikt eingenommen hat: 

Ich glaube, dass unsere Botschaft stark ist und dass sie angekommen ist und Unbehagen hervorrufen wird, erstens bei der sogenannten Regierung der nationalen Übereinkunft, zweitens beim türkischen Regime und auch bei der internationalen Gemeinschaft, die sich der vom türkischen Regime in Libyen begangenen Verbrechen wohl bewusst ist, aber darüber schweigt, insbesondere beim Sicherheitsrat, der die internationale Verantwortung für den Schutz der internationalen Sicherheit und Stabilität trägt, während die vom türkischen Regime in Libyen begangenen Verbrechen nicht mehr nur eine Bedrohung für die Sicherheit und Stabilität Libyens, sondern auch für die internationale Gemeinschaft darstellen.

Viele der Demonstranten trugen Plakate mit Bildern und Slogans, die den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan und seinen libyschen Verbündeten Fayez al-Sarraj kritisieren, auf anderen wurde die Unterstützung für Haftar und dessen Verbündeten zum Ausdruck gebracht. Slogans auf den Plakaten waren unter anderem: "Nein zur türkischen Intervention" und "Nein zur Kolonisierung".

Die Behörden in Bengasi kündigten vorab an, dass Sicherheits- und Militärbehörden ihr Möglichstes täten, um die Demonstranten zu schützen. Sanitäter verteilten am Rande des Protestgeländes Schutzmasken, um das Risiko einer Übertragung des Coronavirus zu verringern.

Die Kundgebung fand zwei Tage nach dem offiziellen Besuch einer türkischen Delegation unter Leitung von Verteidigungsminister Hulusi Akar in Tripolis statt. Die türkischen Beamten trafen sich mit dem Regierungschef des National Accord Fayez al-Sarraj und inspizierten militärische Einrichtungen im Rahmen eines Kooperationsabkommens zwischen den beiden "Regierungen". Das türkische Vorgehen war jüngst auch vom französischen Präsidenten Emmanuel Macron scharf kritisiert worden. Dieser erklärte, dass die Türkei mit ihren Waffenlieferungen nicht nur gegen das Waffenembargo verstoße, auf das man sich international im Januar in Berlin einigte, sondern prangerte die türkische Regierung auch dafür an, das Land mit Söldnern zu fluten, bei denen es sich um Dschihadisten handelt, also radikal-islamistische Militante. 

Der erste äußere Interventionist in Libyen ist die Türkei. Und ich denke, dass sie heute keine der während der Berliner Konferenz eingegangenen Verpflichtungen einhält, da sie ihre militärische Präsenz in Libyen verstärkt und massiv Dschihad-Kämpfer aus Syrien importiert hat. Ich denke, das ist eine historische und verbrecherische Verantwortung für jemanden, von dem man behauptet, er sei NATO-Mitglied, so Macron am vergangenen Montag in Berlin.

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