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US-Arzt: Otto Warmbier wurde in Nordkorea nicht gefoltert

US-Arzt: Otto Warmbier wurde in Nordkorea nicht gefoltert
Otto Warmbier wird auf diesem von Kyodo am 16. März 2016 veröffentlichten Foto zum Obersten Gericht Nordkoreas in Pjöngjang gebracht.
Ein US-Gericht warf im Jahr 2018 Nordkorea Folter, Geiselnahme und Tötung des jungen US-Amerikaners Otto Warmbier vor. Nordkorea wurde wegen des Todes von Warmbier zu einer Strafzahlung an dessen Familie verurteilt. Doch ein US-Rettungsarzt widerspricht dieser Darstellung.

Der US-amerikanische Rettungsarzt Mike Flueckiger widersprach der offiziellen US-amerikanischen Darstellung, dass der 2016 in Nordkorea inhaftierte Student Otto Warmbier gefoltert worden sein soll. "Ich hatte den Eindruck, dass Warmbier dort gut behandelt wurde und mir die Ärzte nichts verschwiegen", sagte Flueckiger gegenüber dem NDR.

Stein des Anstoßes: Das

Der Arzt erklärte, dass er natürlich nach Anzeichen für Folter gesucht, aber keine Hinweise darauf gefunden habe. Im Gegenteil: ihm sei vielmehr positiv aufgefallen, dass Warmbiers Haut keinerlei Druckstellen aufgewiesen habe. "Nach einer derart langen Liegezeit fand ich das bemerkenswert", so der Arzt weiter. Die Aussagen Flueckigers sind Teil der jüngsten NDR-Dokumentation "Die Akte Otto Warmbier".

Der Mediziner flog 2017 zusammen mit einem Unterhändler des US-Außenministeriums für eine Spezialmission nach Pjöngjang, um den Studenten zurück in die USA zu bringen. Dabei hätten ihm die nordkoreanischen Ärzte zwei unterschiedliche Hypothesen für das bei Warmbier ausgelöste Koma genannt: "Die erste war, dass Warmbier zu Beginn seiner Haft eine Mahlzeit mit verdorbenem Schweinefleisch zu sich genommen habe, was sie aber selbst nicht hätten prüfen können." Dies habe er "für wenig plausibel" gehalten, sagte Flueckiger im Interview mit dem NDR.

Die zweite Hypothese sei gewesen, "dass Warmbier sehr aufgebracht gewesen sei, als er in Haft kam, und ihm dort dann zwei Beruhigungsmittel zugeführt worden seien, auf die er entweder überreagiert habe oder die womöglich überdosiert gewesen seien". Auch die zuständige Gerichtsmedizinerin in den USA, Lakshmi Sammarco, bestätigte laut NDR, dass die Erklärung des Krankenhauses durchaus schlüssig sei.

Der damals 21-jährige Otto Warmbier reiste im Jahr 2015 als Student mit einer Gruppenreise nach Nordkorea. Kurz vor seiner Abreise wurde er zu 15 Jahren Haft in einem Arbeitslager verurteilt. Er soll ein politisches Poster entwendet haben. Sein Gesundheitszustand verschlechterte sich während der Haft. Die nordkoreanische Regierung genehmigte im Juni 2017 seine Ausreise. Warmbier lag zu diesem Zeitpunkt im Wachkoma. Wenige Tage nach seiner Ankunft in den Vereinigten Staaten von Amerika verstarb er. Einer Obduktion stimmten seine Eltern nicht zu.

Cindy und Fred Warmbier bei einem Symposium über Menschenrechte in Nordkorea, New York, USA, 3. Mai 2018.

US-Präsident Donald Trump twitterte damals, nach dem Tod des Studenten, dass Warmbier in Nordkorea "über alle Maßen gefoltert" worden sei. Doch Belege dafür wurden nicht präsentiert. Ein Washingtoner Bundesgericht, das Nordkorea Ende 2018 in Abwesenheit zu 500 Millionen US-Dollar Entschädigung verurteilte, führte Trumps Tweet sogar als "Beweis" an. Der Dokumentation des NDR zufolge wurden in dem Prozess weder der Rettungsarzt Flueckiger noch die Gerichtsmedizinerin Sammarco als Zeugen geladen.

Laut Sammarco ließen sich die erhobenen Vorwürfe heute nicht mehr endgültig klären. Die Gerichtsmedizinerin erklärte, dass sie ihre Erkenntnisse aus Rücksicht auf die Eltern Warmbiers zunächst zurückgehalten hatte. Nach ersten Äußerungen habe sie Drohmails erhalten, die sie davor warnten, Trump öffentlich zu widersprechen.

Die Äußerung eines früheren US-Diplomaten in der NDR-Doku lässt allerdings darauf schliessen, dass auch die US-Regierung nicht geschlossen hinter dem Vorwurf angeblicher Folter steht. Der Diplomat erklärte, dass er aus dem US-Außenministerium eine direkte Anweisung erhalten habe, im Fall Otto Warmbier nicht öffentlich von Folter zu sprechen. "Für's Protokoll", habe ein hoher Beamter ihm gegenüber insistiert, "es gab keine Folter".

Laut NDR reagierten weder das Weiße Haus noch das US-Außenministerium auf Anfragen des Senders. Nordkorea weist bis heute jegliche Misshandlung Warmbiers zurück.

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