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Erdoğan gräbt Kriegsbeil aus: Türkei droht mit Anerkennung des Völkermords an Ureinwohnern der USA

Erdoğan gräbt Kriegsbeil aus: Türkei droht mit Anerkennung des Völkermords an Ureinwohnern der USA
(Archivbild). Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan und US-Präsident Donald Trump am 13. November 2019 während einer gemeinsamen Pressekonferenz im Ostsaal des Weißen Hauses in Washington, D.C., USA.
Der US-Senat stimmte am Donnerstag einstimmig für eine Resolution, die das Massaker an rund 1,5 Millionen Armeniern im Osmanischen Reich als Völkermord bezeichnet. Die wütenden Reaktionen aus Ankara ließen nicht lange auf sich warten.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan drohte am Sonntag damit, die Massenmorde an den US-amerikanischen Ureinwohnern als Völkermord anzuerkennen. Damit reagierte er auf den einstimmigen Beschluss des US-Senats vom Donnerstag, die Massaker an 1,5 Millionen Armeniern als Völkermord zu titulieren. Die Resolution ist rechtlich nicht bindend, hat aber Symbolkraft und Gewicht für die Beziehungen zwischen den USA und der Türkei.

US-Präsident Donald Trump hat nach dem Beschluss bereits angekündigt, die Entscheidung des US-Senats nicht anzuerkennen. Der türkische Präsident erklärte dennoch gegenüber dem Nachrichtensender A Haber:

Wir sollten uns ihnen (den USA, Anmerkung der Redaktion) widersetzen, indem wir solche Entscheidungen im Parlament erwidern. Und das ist es, was wir tun werden. Können wir über Amerika sprechen, ohne die Indianer zu erwähnen? Es ist ein beschämender Moment in der Geschichte der USA.

Die US-Regierung erkennt 567 indische Nationen in 33 Staaten an, darunter 229 in Alaska. Allerdings leugnen die Vereinigten Staaten, dass es sich bei der zum Teil gewaltsamen Besiedlung des Landes um einen Völkermord handelt. Während des Ersten Weltkrieges wurden Armenier systematisch verfolgt und unter anderem auf Todesmärsche in die syrische Wüste geschickt.

Historiker sprechen von Hunderttausenden bis zu 1,5 Millionen Opfern. Die Türkei als Nachfolgerin des Osmanischen Reiches gesteht den Tod von 300.000 bis 500.000 Armeniern während des Ersten Weltkrieges ein und bedauert die Massaker. Eine Einstufung als Völkermord weist sie jedoch strikt zurück.

NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg, US-Präsident Donald Trump, Bundeskanzlerin Angela Merkel und türkischer Präsident Recep Tayyip Erdoğan (v.l.) am 4.12.2019 beim NATO-Treffen in London.

Im Jahr 2016 hatte der Deutsche Bundestag die Massaker an den Armeniern im Osmanischen Reich ebenfalls als Völkermord eingestuft – das belastete die deutsch-türkischen Beziehungen schwer. Die neuerliche Ansage Erdoğans in Richtung Washington ist nicht die einzige Reaktion der Türkei.

Türkei droht mit Rausschmiss der US-Luftwaffe

Der türkische Präsident drohte den USA auch mit der Schließung zweier Stützpunkte. "Wenn erforderlich" könne man die von den USA genutzte Luftwaffenbasis İncirlik in der Provinz Adana und die US-Radarstation Kürecik in der Provinz Malatya schließen, so Erdoğan weiter in seinem Interview mit A Haber.

Die USA und die Türkei hatten 1954 ein Abkommen zur gemeinsamen Nutzung İncirliks unterschrieben. Für die USA diente der Stützpunkt seitdem als Drehscheibe für Einsätze in Afghanistan und Syrien sowie im Irak. Bis 2017 hoben von İncirlik auch deutsche Tornados für Einsätze im Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) ab. Weil die Türkei deutschen Abgeordneten immer wieder Besuche der dort stationierten Bundeswehrsoldaten verweigert hatte, zog die Bundesregierung die Soldaten nach einem monatelangen Streit ab. Die Tornado-Aufklärungsjets wurden nach Jordanien verlegt.

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