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Ohne deutsche Beteiligung: Die Geburt eines LNG-Giganten

Ohne deutsche Beteiligung: Die Geburt eines LNG-Giganten
Gazprom-Mitarbeiter im Kontrollraum des Gasfelds auf der Jamal-Halbinsel in Russland: Werden sie auch bald am Persischen Golf sitzen?
Deutschland hätte eine große Rolle im Aufbau des Iran zu einem LNG-Giganten spielen können. Stattdessen konnte die Bundesregierung nicht die Rahmenbedingungen schaffen, um deutsche Unternehmen vor US-Sanktionen zu schützen. Lachender Dritter ist nun Russland.

Zusammen mit Katar teilt sich der Iran eines der größten Gasfelder der Welt. Vom Abschluss des Atomabkommens erhoffte sich Teheran nicht nur die Aufhebung von Sanktionen, sondern auch Investitionen in das South-Pars-Gasfeld, um es technologisch auf den neuesten Stand zu bringen. Man wollte nicht zusehen, wie Katar nach dem Kampf gegen die Iran-Irak-Syrien-Pipeline auch noch den Markt für Flüssiggas (LNG) mit Australien aufteilt.

Am 8. November 2016 waren die Hoffnungen noch groß, als in Teheran die Verträge für ein Milliarden-Gasprojekt unterzeichnet wurden. Nach fast drei Jahren ist nur noch die iranische Petropars übriggeblieben.

Um den Einstieg in diesen Markt zu testen, sollten südkoreanische Unternehmen sechs kleinere LNG-Terminals mit einer jährlichen Kapazität von jeweils 500.000 Tonnen bauen. Dafür gewährte die Korea Eximbank eine Kreditlinie von acht Milliarden US-Dollar, weitere 2,3 Milliarden US-Dollar sollten von den Unternehmen direkt investiert werden. Der Vertrag beinhaltete ebenfalls einen Technologietransfer im Rahmen der LNG-Forschungsabteilung der Universität von Teheran und des Research Center of the Petroleum Industry (RIPI).  

Diese sechs kleineren LNG-Terminals sollten allerdings nur den ersten Teil der iranischen Pläne darstellen, zu einem führenden Flüssiggas-Lieferanten auf der Welt zu werden. Sie sind einfacher und günstiger zu bauen als große Exportterminals. Das bedeutet aber nicht, dass Teheran diese nicht auch auf dem Schirm hätte.  Insgesamt fünf solcher riesiger LNG-Anlagen waren geplant. Eine entscheidende Rolle fiel dabei dem deutschen Unternehmen Linde Engineering mit Sitz im bayerischen Pullach zu. Die Deutschen sollten ein Exportterminal im Hafen von Tombak bauen. Mindestens zehn Millionen Tonnen Flüssiggas sollten dieses Terminal pro Jahr verlassen.

Doch der völkerrechtswidrige Ausstieg der USA aus dem JCPOA-Vertrag im Mai 2018 und die Verhängung von neuen und immer härteren Sanktionen gegen den Iran zwangen Teheran, diese Pläne vorerst auf Eis zu legen. Zumal sich Linde Engineering selbst aufgrund des Unvermögens der Bundesregierung, deutsche Unternehmen vor US-Sanktionen wegen der Irangeschäfte zu schützen, nicht in der Lage sah, das Projekt zu beenden. Zu diesem Zeitpunkt waren laut iranischen Angaben bereits 60 Prozent des Terminals fertiggestellt.

Von den Sanktionen war natürlich auch Südkorea betroffen, sodass das gesamte LNG-Projekt zu scheitern drohte. Dass so eine Situation aber auch eine Chance sein kann, begriff Moskau umgehend. Da sich europäische – auch Wintershall wollte einsteigen – und asiatische Unternehmen aufgrund der Drohungen der USA aus dem iranischen Markt zurückziehen, ist die Bahn frei für russische Unternehmen wie beispielsweise Gazprom.

Der russische Gasgigant erhielt zunächst den Auftrag, das Projekt von Linde fertigzustellen. Doch für den iranischen Ölminister Bidschan Sanganeh steht fest, dass das nur der erste Schritt der "Präsenz und Partnerschaft mit Gazprom" ist. Laut iranischen Analysten soll diese Partnerschaft aber noch viel mehr umfassen als den Aufbau des Iran zu einem Gasriesen. Sie gehen davon aus, dass Russland mit diesem Einstieg versuchen wird, Einfluss darauf zu nehmen, an wen das iranische Gas verkauft wird. Denn einen weiteren großen Mitbewerber um Marktanteile in Europa braucht Russland nicht. Stattdessen könnte so zusammen mit Katar ein Gaskartell nach Vorbild der OPEC gebildet werden, um die künftige Preisentwicklung dieser Energiequelle beeinflussen zu können.

Ob Teheran tatsächlich zu einem solchen Schritt bereit ist, wird man sehen müssen. Sanganeh wollte diese Möglichkeit zumindest nicht ausschließen, als er meinte, dass "alle Umstände von künftigen Verhandlungen abhängen". Angesichts der Tatsache, dass Deutschland durch die Energiewende von Importen abhängig sein wird und nicht den gesamten Bedarf durch eigene erneuerbaren Energiequellen decken kann, hätte sich Berlin im Iran strategisch positionieren können. Doch stattdessen ist Moskau der lachende Dritte, der sich durch diesen Schritt weiteren Einfluss gesichert hat.            

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