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Telefonat mit Selenskij legt Trumps Vorbehalte gegen Merkel bloß

Telefonat mit Selenskij legt Trumps Vorbehalte gegen Merkel bloß
Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel und US-Präsident Donald Trump im südfranzösischen Biarritz beim G7-Gipfel, 26. August 2019.
Die US-Demokraten drängten auf Veröffentlichung einer Mitschrift des Telefonats zwischen Trump und seinem ukrainischen Amtskollegen. Trump soll sich des Amtsmissbrauchs schuldig gemacht haben. Deutlich wird aber vielmehr die US-Kampagne gegen die deutsche Bundeskanzlerin.

In Washington streitet man darüber, wie die Worte des US-Präsidenten Donald Trump in dem Telefongespräch mit Wladimir Selenskij zu bewerten sind. US-Demokraten werfen ihm vor, dass er sich des Verfassungsbruchs und Amtsmissbrauchs schuldig gemacht hat, und wollen ein Amtsenthebungsverfahren einleiten. Dies jedoch ist kompliziert und langwierig und droht an der letzten Hürde, einer Abstimmung im mehrheitlich republikanischen Senat, zu scheitern. 

Aus den Worten Trumps ließe sich der Versuch ablesen, Selenskij dazu zu bringen, Korruptionsermittlungen gegen den Sohn von Joe Biden einzuleiten, um dem Kontrahenten Trumps im Wahlkampf zu schaden. Der Sohn des ehemaligen US-Vizepräsidenten, Hunter Biden, hatte in der Ukraine Geschäfte gemacht. 

Aus dem Gespräch geht jedoch auch Kritik an Merkel hervor: 

Deutschland tut fast nichts für Sie. Alles, was sie tun, ist reden. 

Die UN-Versammlung nutzte Trump ebenfalls für seine Kritik an Deutschland. Allein die USA würden für die Ukraine zahlen. Selenskij pflichtete dem bei. Die Sanktionen gegen Russland gehen ihm nicht weit genug. Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel und der französische Präsident Emmanuel Macron unternähmen nicht genug: 

Obwohl logischerweise die Europäische Union unser größter Partner sein sollte, sind die Vereinigten Staaten technisch ein viel größerer Partner als die Europäische Union. 

Der FDP-Politiker Graf Lambsdorff spricht von einer US-Kampagne gegen die Bundeskanzlerin: 

Der Mitschnitt zeigt deutlich, dass Deutschlands Einfluss in Washington nicht nur geschrumpft ist, offensichtlich gibt es vom Weißen Haus aus sogar eine Kampagne gegen die Kanzlerin. 

Die negativen Einstellungen Trumps gegenüber Merkel sind seit Beginn von dessen Amtszeit bekannt. Am 16. Januar 2017 in einem Interview mit der Times sagte Trump auf die Frage, ob er Merkel oder Russlands Präsidenten Wladimir Putin mehr vertraue: 

Zunächst einmal vertraue ich beiden – doch schauen wir mal, wie lange das anhält. Vielleicht hält es überhaupt nicht lange an.

Als Merkel vom Time-Magazin zur Person des Jahres gewählt wurde, sagte Trump, das Magazin habe diejenige Person gewählt, die Deutschland ruiniert. 

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