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Regisseur einer Doku über Ausbeutung von Frauen verklagt – "Angriff auf freie Meinungsäußerung"

Regisseur einer Doku über Ausbeutung von Frauen verklagt – "Angriff auf freie Meinungsäußerung"
Regisseur einer Doku über Ausbeutung von Frauen verklagt – "Angriff auf freie Meinungsäußerung" (Symbolbild: Mahnmal für die Leiden der "Trostfrauen" im südkoreanischen Gwangdschu)
Ein japanischer Regisseur, der einen Dokumentarfilm über die sexuelle Ausbeutung koreanischer Frauen durch japanische Streitkräfte im Zweiten Weltkrieg gedreht hat, wurde dafür verklagt. Gegenüber RT sprach er von einem Angriff auf die freie Meinungsäußerung.

Miki Dezaki, der kürzlich sein Studium an der Sophia University in Tokio abgeschlossen hat, drehte den Dokumentarfilm "Shusenjo", in dem er verschiedene Ansichten zum Phänomen der "Trostfrauen" untersucht. "Trostfrauen" ist eine beschönigende Umschreibung für Frauen und Mädchen, die während des Zweiten Weltkriegs vom kaiserlich-japanischen Militär zur Prostitution gezwungen wurden. Es wird angenommen, dass bis zu 200.000 Frauen zusammengetrieben und in Mannschaftsbordellen des japanischen Militärs untergebracht wurden – wo sie zur Sexarbeit gezwungen wurden. Die meisten Opfer kamen aus Korea, das zur Zeit des Zweiten Weltkriegs von Japan besetzt war.

Der südkoreanische Präsident Moon Jae-in und der japanische Premierminister Shinzō Abe während des G20-Gipfels der Staats- und Regierungschefs in Osaka, Japan, am 28. Juni 2019.

Der Schwerpunkt des Films basiert auf den Beziehungen zwischen den ehemaligen Opfern sowie deren Landsleuten und Nachkommen auf der einen und den Tätern und ihren heutigen Apologeten auf der anderen Seite. Demgemäß war eine Gegenüberstellung ihrer Aussagen die Herangehensweise bei den Dreharbeiten. Die Frage, die der Film aufwirft, ist die: "Warum will man diesen Teil der Geschichte auslöschen?" Zumal die Argumente der Apologeten der kaiserlich-japanischen Streitkräfte der offiziellen Entschuldigung Japans an Südkorea vom Jahr 1993 für die Verbrechen gegen die "Trostfrauen" zuwiderlaufen.

Politische Aktivisten und Intellektuelle in Japan – darunter der Professor für Pädagogik Nobukatsu Fujioka und die Journalistin Yoshiko Sakurai –  verklagten den Regisseur auf Unterlassung der Vorführung seines Films und auf Schadensersatz von umgerechnet rund 100.000 Euro. Die Klage ist bereits im Sommer dieses Jahres eingereicht worden, doch das Thema macht erst jetzt die Runde in den Medien. Einige der Kläger, die für die Dreharbeiten des Dokumentarfilms befragt wurden, behaupten, die Aufnahmen der Befragungen seien entgegen den Vertragsbestimmungen für einen "kommerziellen Film" verwendet worden. Es ist jedoch etwas ganz Anderes an der Sache, das zum Himmel hoch schreit! Denn Dezaki wird zusätzlich von den Klägern – allen voran von Sakurai und Fujioka – der Lüge bezichtigt: Keine der "Trostfrauen" sei zur Prostitution gezwungen worden, sie seien allesamt freiwillig und gegen Bezahlung dieser Tätigkeit nachgegangen, heißt es lapidar.

Die Versuche der von Dezaki befragten japanischen Rechtskonservativen, ihn zu überzeugen, fruchteten aber nicht: In seinem Film nannte er sie selbst "Revisionisten" und ihre Aussagen einen Ausdruck von "Rassismus" und "Sexismus", was eine Erweiterung der Anklageliste wegen Verleumdung zur Folge hatte.

US-Präsident Donald Trump während eines Galadinners  in Seoul, Südkorea, 7. November 2017.

Letztlich ist das Thema der Zwangsprostituierten in den japanischen Mannschaftsbordellen nur ein (gleichwohl sehr wichtiger) Aspekt eines größeren Phänomens: An diesem Thema zeigt sich wie an einem Lackmuspapier die besondere Vehemenz, mit der sich die japanischen Rechtskonservativen gegen eine Aufarbeitung der zahlreichen Kriegsverbrechen des Kaiserlichen Japans im Zweiten Weltkrieg stemmt. Jeder Hinweis auf diese Frauen kann den Zorn der japanischen Konservativen wecken: Letzten Monat mussten die Organisatoren einer internationalen Kunstmesse in Nagoya eine Ausstellung schließen, nachdem sie Anschlags-Drohungen gegen eine Statue, die eine koreanische "Trostfrau" symbolisiert, erhalten hatten.

Sollte die Klage gegen Dezaki in einem Vorführungsverbot für seinen Dokumentarfilm resultieren, würde das die Diskussion zum gesamten Spektrum dieses sensiblen Themas zumindest in Japan, möglicherweise aber auch über Japan hinaus, empfindlich beeinträchtigen. Eine Aufarbeitung der Verbrechen des Hirohito-Regimes in Japan, wie sie in Deutschland im Hinblick auf die Zeit des Dritten Reiches stattfand, wurde nach dem Zweiten Weltkrieg verhindert – aus Angst davor, Japan könnte infolge einer solchen Aufarbeitung tiefrot kommunistisch werden.

Miki Dezaki sieht in der Klage einen eklatanten Angriff auf die Meinungsfreiheit, so der Regisseur gegenüber RT:

Diese kleinen Unterhöhlungen der Meinungsfreiheit machen es den Medien und den Menschen im Allgemeinen wirklich schwer, über heikle historische Themen zu sprechen.

Japan ruft Botschafter aus Südkorea wegen Denkmals für

Zensur, wie sie gegen seinen Film versucht werde, schaffe eine Situation, in der "mächtige Menschen" sagen können, was sie wollen, während "Menschen mit einer gegensätzliche Meinung nichts sagen können", so der Regisseur.

Im Jahr 1993 entschuldigte sich Japan offiziell bei Südkorea, weil es koreanische Frauen zur Arbeit in Kriegsbordellen gezwungen hatte. Dennoch leugnen einige konservative Politiker, Historiker und Schriftsteller weiterhin die Schuld Japans in dieser Angelegenheit, und das Thema bleibt ein Streitpunkt zwischen Seoul und Tokio.

Die japanische Regierung hat wiederholt gefordert, dass Südkorea Skulpturen zum Gedenken der "Trostfrauen" entfernt, die vor japanischen Botschaften und Konsulaten aufgestellt wurden. Südkorea schmetterte die Forderungen ab.

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