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"MeToo" in der Oper: Belästigungsvorwürfe gegen Startenor Plácido Domingo – US-Konzerte abgesagt

"MeToo" in der Oper: Belästigungsvorwürfe gegen Startenor Plácido Domingo – US-Konzerte abgesagt
Plácido Domingo bei einem Konzert im November 2017 in Kalifornien.
Dem Opernsänger Plácido Domingo wird sexuelle Belästigung vorgeworfen. Er nennt die Anschuldigungen "unzutreffend". Mehrere US-Kulturinstitutionen luden den Startenor bereits aus. Europäische Kulturhäuser halten an den vereinbarten Terminen zunächst fest.

Nach Vorwürfen sexueller Übergriffe gegen den spanischen Opernstar Plácido Domingo (78) ziehen US-Kulturinstitutionen erste Konsequenzen. Die Oper in San Francisco sagte ein für den 6. Oktober geplantes Konzert mit Domingo ab. Das Philadelphia Orchestra zog die Einladung zum Eröffnungskonzert am 18. September zurück. Domingo hatte die Vorwürfe zurückgewiesen.

Die Anschuldigungen dieser ungenannten Personen, die bis zu dreißig Jahre zurückliegen, sind zutiefst beunruhigend und – so wie sie dargestellt werden – unzutreffend", erklärte er.

Nach einem Bericht der Nachrichtenagentur AP haben mehrere Sängerinnen und eine Tänzerin Domingo sexuelle Übergriffe vorgeworfen. Die Frauen berichteten demnach von Umarmungen, von Küssen auf den Mund, von nächtlichen Telefonanrufen und davon, dass Domingo auf private Treffen gedrängt habe. Betroffene hätten auch von negativen Folgen für ihre Karriere berichtet, nachdem sie sich Domingos Avancen verweigert hätten. Die betroffenen Frauen äußerten sich mit einer Ausnahme anonym. Die angeblichen Übergriffe reichen demnach bis zu drei Jahrzehnte zurück.

Die San Francisco Opera und das Philadelphia Orchestra luden den Künstler aus

Es sei schmerzhaft zu hören, dass er jemanden verletzt haben könnte oder ihm Unwohlsein verursacht habe, hieß es in der Stellungnahme des Startenors.

Ich habe geglaubt, dass all meine Handlungen und Beziehungen immer gewünscht und einvernehmlich waren", so Domingo.

Er erkenne jedoch an, dass sich heutige Regeln und Standards von denen in der Vergangenheit unterschieden.

Die San Francisco Opera verwies auf ihre strenge Richtlinie zur Bekämpfung sexueller Belästigung. Das Haus lege großen Wert darauf, "ein sicheres und geschütztes Umfeld zu schaffen, in dem sich jeder auf seine Arbeit und Kunst konzentrieren kann und in dem Kollegen mit Respekt, Würde und Kollegialität behandelt werden", hieß es in einer Mitteilung am Dienstag. Ähnlich äußerte sich das von dem kanadischen Dirigenten Yannick Nézet-Séguin geleitete Philadelphia Orchestra. Die Oper in Los Angeles, deren Generaldirektor Plácido Domingo ist, hat eigene Ermittlungen angekündigt.

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Die Salzburger Festspiele wollen Domingo wie geplant bei zwei konzertanten Aufführungen der Verdi-Oper "Luisa Miller" am 25. und 31. August singen lassen.

Ich fände es sachlich falsch und menschlich unverantwortlich, zum derzeitigen Zeitpunkt endgültige Urteile und darauf beruhende Entscheidungen zu fällen", sagte die Salzburger Festspiele-Präsidentin Helga Rabl-Stadler laut einer Mitteilung. "Ich kenne Plácido Domingo nun seit über 25 Jahren. Zu seiner künstlerischen Kompetenz hat mich von Anfang an sein wertschätzender Umgang mit allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Festspiele beeindruckt."

Auch die Wiener Staatsoper will vorerst abwarten, sich nach den Theaterferien ausführlich mit der Thematik befassen, Gespräche führen und erst dann Entscheidungen treffen, teilte das Haus der österreichischen Nachrichtenagentur APA mit. Domingo ist in diesem Jahr noch für drei Auftritte in der Staatsoper angekündigt, außerdem soll er dort am 20. Oktober im Rahmen der Gala der Europäischen Kulturpreise TAURUS ausgezeichnet werden.

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Hamburger Elbphilharmonie verweist auf rechtsstaatliche Prinzipien 

Die Hamburger Elbphilharmonie hält an einem Konzert mit dem Startenor im November zunächst fest. "Vorbehaltlich weiterer Entwicklungen" werde Domingo am 27. November auftreten, teilte das Kulturhaus mit.

Als öffentliche Institution können wir sexuelle Übergriffe weder tolerieren noch verharmlosen, sind aber in unserem Handeln auch an rechtsstaatliche Prinzipien gebunden", sagte Elbphilharmonie-Intendant Christoph Lieben-Seutter am Donnerstag auf dpa-Anfrage.

Für den Auftritt bestünden gültige Verträge mit dem Veranstalter des Konzertes.

Plácido Domingo ist einer der größten Klassikstars der Gegenwart. Über Jahrzehnte war der Tenor an allen großen Opernhäusern der Welt zu Gast. Vor einigen Jahren wechselte er ins Baritonfach. Er bestritt als Opernsänger nach eigenen Angaben mehr als 4.000 Aufführungen. Im vergangenen Jahr sang er bei den Salzburger Festspielen seine 150. Opernrolle. Große Erfolge feierte Domingo als einer der "Drei Tenöre" zusammen mit Luciano Pavarotti und José Carreras. Als Dirigent leitete er mehr als 500 Opernaufführungen und Konzerte.

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(dpa/rt deutsch)

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