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UN-Bericht: US-Streitkräfte und afghanische Armee töten mehr Zivilisten als die Taliban

UN-Bericht: US-Streitkräfte und afghanische Armee töten mehr Zivilisten als die Taliban
Der afghanische "Grabgräber" Rasool, 53, gräbt ein Grab für drei Dollar in einem Friedhof am Rande von Mazar-i-Sharif, 2. Dezember 2012
In den ersten Monaten dieses Jahres haben afghanische und US-Truppen 305 Zivilisten getötet. Die Taliban waren für den Tod von 227 Personen verantwortlich. Erstmals seit Zählungen der UN überwiegen damit die Opferzahlen durch Pro-Regierungskräfte.

Der neue Quartals-Bericht von UNAMA (United Nations Assistance Mission in Afghanistan) zu den zivilen Opferzahlen in Afghanistan wurde am 24. April veröffentlicht. Dieser fasst die Zahl der getöteten Zivilisten zwischen dem 1. Januar und dem 31. März 2019 zusammen. Insgesamt 1.773 unbewaffnete Zivilisten wurden in diesem Zeitraum getötet oder verletzt, darunter 582 Kinder. Im Vergleich zum Vorjahr gab es insgesamt weniger Selbstmordattentate. Alle Attentate in diesem Jahr gingen auf das Konto der Taliban. 

Zwar ist die Opferzahl im Vergleich zum letzten Zeitraum gesunken, aber es wurden mehr Zivilisten durch die Einsätze der hauptsächlich US-amerikanischen und afghanischen Streitkräfte getötet als durch militante Gruppen wie die Taliban. 

Feuer frei!

Seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 2009 durch die Vereinten Nationen ist dies ein Novum. UNAMA klagt dabei an, dass die US- und afghanischen Streitkräfte "scheinbar ungestraft handelten". Aus dem Bericht: 

UNAMA fordert sowohl die afghanischen nationalen Sicherheitskräfte als auch die internationalen Streitkräfte auf, Untersuchungen zu Anschuldigungen ziviler Opfer durchzuführen, die Ergebnisse ihrer Resultate zu veröffentlichen und den Opfern gegebenenfalls eine Entschädigung zu gewähren. 

Mit dem Amtsantritt von Donald Trump begann das US-Militär damit, seine Einsätze in Afghanistan zu beschleunigen. Trump lockerte die Beschränkungen für Angriffe und erleichterte die Bombardierung von Stellungen der Taliban. 

Aus dem Bericht geht auch hervor, dass sich 18 Vorfälle ereigneten, die sich auf den Bereich der Bildung auswirkten; zwölf waren Anti-Regierungseinheiten, vier Regierungseinheiten und zwei beiden Gruppen zuzuschreiben. Schulen wurden dabei beschädigt oder zerstört. Rund 3.000 Mädchen konnten hierdurch nicht mehr zur Schule gehen. 

Die Vereinten Nationen begrüßten die "Anweisung von Präsident Ghani an die nationalen Sicherheits- und Verteidigungsbeamten", heißt es am Ende des Berichts, "nach einer Reihe von Vorfällen von regierungsnahen Kräften, die zivile Opfer forderten, die bei militärischen Operationen verwendeten Mechanismen und Verfahren zu überprüfen, um zivile Opfer zu verhindern."

Die USA versuchen, mit den Taliban ein Friedensabkommen zu erzielen. Mit der afghanischen Regierung aber wollen die Taliban bislang nicht verhandeln. Rund 2.300 US-Soldaten sind in Afghanistan getötet worden. Der Krieg in Afghanistan kostete die USA bislang fast eine Billion US-Dollar. 

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