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Julian Assange – Steckbrief des wohl bekanntesten Whistleblowers der Welt

Julian Assange  – Steckbrief des wohl bekanntesten Whistleblowers der Welt
Julian Assange auf dem Balkon der ecuadorianischen Botschaft (5. Februar 2016)
Am Donnerstag wurde Julian Assange Asyl entzogen, das ihm die Botschaft Ecuadors in London bisher gewährte – prompt wurde er dort festgenommen. RT Deutsch nimmt dies zum Anlass, einen Steckbrief des vermutlich bekanntesten Whistleblowers der Welt zusammenzustellen.

Julian Assange war von Anfang an intensiv am Projekt WikiLeaks beteiligt – so intensiv, dass er oft als Gründer der Enthüllungsplattform bezeichnet wird. Auch wenn er betont, eben nicht der Gründer von WikiLeaks zu sein, spielte er dennoch eine sehr wichtige Rolle bei der Gründung im Jahr 2006 und eine zentrale Rolle beim späteren Betrieb und der Leitung der Plattform. Nicht zuletzt blieb Assange das Aushängeschild von WikiLeaks, auch nachdem er, seit dem Jahr 2012 in der ecuadorianischen Botschaft festgesetzt, das Projekt nicht mehr selbst leiten konnte.

Julian Assange, Mitbegründer von WikiLeaks (auf dem Bildschirm), nimmt über einen Videolink der ecuadorianischen Botschaft in London an einer Pressekonferenz teil.

Auf die zwecks Aufzeigen von Missständen, die sehr viele Menschen betreffen, erschaffene Plattform können Nutzer anonym Dokumente und Daten hochladen, die anschließend veröffentlicht werden. Assange spricht hierbei von "wissenschaftlichem Journalismus" im Sinne eines investigativen, der jedoch vor allem spezifisch auf Rohdaten und Dokumenten – gern auch in sehr großen Mengen – gründet. Der geläufigere Begriff ist Whistleblowing, analog zur Trillerpfeife eines Polizisten oder Schiedsrichters. Auf diese Weise kamen zahlreiche Tatsachen an die Öffentlichkeit, die die Reichen und Mächtigen dieser Welt lieber geheim wüssten.

Dazu gehören skandalöse Menschenrechtsverstöße im US-Gefängnis Guantánamo Bay, Gräueltaten der US-Kräfte und der Verbündeter im Irakkrieg und Afghanistan, die Korruption der Führungsriege in Kenia und nicht zuletzt die Bespitzelung von UN-Funktionären durch US-Diplomaten im Auftrag Hillary Clintons in ihrer Zeit als Außenministerin unter Obama.

Weltweite Anerkennung

Für die Enthüllungen auf der Plattform WikiLeaks wurde Julian Assange mehrfach für den Friedensnobelpreis vorgeschlagen (zuletzt im Jahr 2019). Er erhielt den Amnesty International Media Award 2009. Mit der Goldenen Friedensmedaille der Sydney Peace Foundation, die ihm im Jahr 2011 "für außerordentlichen Mut" beim Einsatz für Menschenrechte  verliehen wurde, wurden vorher nur Nelson Mandela, der 14. Dalai Lama und Daisaku Ikeda ausgezeichnet. Im selben Jahr erhielt er den Martha Gellhorn Prize for Journalism. Von mehreren Zeitungen weltweit bzw. von ihrer Leserschaft wurde Assange mehrfach zum Mann des Jahres gekürt.

Junger Julian und das junge Hacking

Die Kindheit des 1971 in Townsville im australischen Bundesstaat Queensland geborenen Julian Paul Assange verlief alles andere als ruhig: Seine Eltern betrieben einen Wanderzirkus und ließen sich zudem früh scheiden. In 15 Jahren seiner Kindheit musste Julian 37 Umzüge seiner Eltern bzw. der Mutter mitmachen. Ein konventioneller Bildungsweg war also zunächst mehr als erschwert – doch Bibliotheken ersetzten ihm das Klassenzimmer. Auf frühen PCs wie dem C64 lernte er schließlich das Programmieren. Und aus dem Programmieren wurde sehr schnell Hacken – als Julian mit 16 Jahren eine Internetverbindung zur Verfügung stand.

Der Erfolg ließ nicht lange auf sich warten: Assange verschaffte sich sehr schnell Zugriff auf Regierungs- und Bankennetzwerke und wurde im Jahr 1991 verhaftet. Über 20 Anklagen standen ihm für sein Hacking ins Haus – und zu seinem Haus wäre für die nächsten zehn Jahre beinahe das Gefängnis geworden. Doch er traf eine Abmachung mit dem Gericht, der zufolge er mit einem Bußgeld von 2.100 Australischen Dollar und einer Bewährungsstrafe davonkam. Assange konnte mit seinem Plädoyer glaubhaft machen, dass seine Hacking-Aktivitäten weder böswillig waren noch Schäden verursachten – der Richter nannte sie einen harmlosen Auswuchs eines "neugierigen Geistes".

Dieses Plädoyer war deshalb glaubhaft, weil die Gruppe "International Subversives", der neben Assange zwei weitere Hacker angehörten, schon in dieser Anfangszeit des Hackens den grundsätzlichen Ethos der Hacker befolgte und ihn so mitprägte: Dazu gehört neben bedingungsloser Informationsfreiheit und -verbreitung eben auch, dass man beim digitalen "Einbruch" keine Schäden anrichtet.

Wissenschaftlicher Journalismus von WikiLeaks und Ärger mit den Vereinigten Staaten

In den Punkten Informationsfreiheit und -verbreitung dürften kaum Fragen an Assange offenbleiben. Die Frage der Schäden einer solchen Verbreitung sahen und sehen die Mächtigen dieser Welt allerdings häufig anders – in den letzten 20 Jahren bekam Julian Assange die Werkzeuge der Zensur und der Spionage zu spüren, wurde mehrmals festgenommen und verklagt.

Eine ganze Zeit lang verdingte sich Assange als Testhacker und Netzwerk-Sicherheitsberater und war Mitbegründer der Firma Earthmen Technology, die Methoden zur Aufdeckung von Netzwerk-Einbrüchen entwickelte.

Eigens zur Veröffentlichung ursprünglich zurück- und geheim gehaltener Informationen zu aller Art von Missständen wurde im Jahr 2006 schließlich die Enthüllungsplattform WikiLeaks gegründet. Laut Assange gehörte er nicht zu den Gründern, dennoch spielte er sowohl in der Gründungszeit als auch darüber hinaus eine sehr wichtige Rolle in diesem Projekt.

Es steht den Nutzern frei, auf WikiLeaks Daten und Dokumente hochzuladen, die dann in Originalfassung veröffentlicht werden.

Julian Assange in einem Polizei-Fahrzeug nach seiner Verhaftung in London.

Seit der Veröffentlichung von 92.000 geheimen Dokumenten der NATO auf WikiLeaks im Juni 2010 wird Assange von US-Behörden verfolgt. Trotzdem legte er im November desselben Jahres noch einmal nach: WikiLeaks begann die Veröffentlichung weiterer 250.000 US-Dokumente – diesmal aus dem diplomatischen Bereich. Dies führte zu internationalen Skandalen, in die auch Hillary Clinton verwickelt war – sie beauftragte ihre Diplomaten damit, Passwörter von UN-Funktionären auszuspionieren. Assange forderte die damalige US-Außenministerin im Kabinett Obama aus diesem Anlass zum Rücktritt auf.

Angebliche Vergewaltigung als Vorwand für Festnahme

Der von US-Behörden nunmehr international gesuchte Assange setzte sich im Jahr 2010 nach Schweden ab. Von dort führte er WikiLeaks weiter – mit Hilfe von Rickard Falkvinge, dem Leiter der schwedischen Piratenpartei, sogar legal. Dort wurde allerdings noch im August desselben Jahres ein Haftbefehl wegen Vergewaltigung gegen ihn erlassen. Dass der Haftbefehl am nächsten Tag aus Mangel an Beweisen zunächst fallen gelassen wurde, jedoch kaum zwei Wochen später erneut Ermittlungen gegen Assange aufgenommen wurden – wegen angeblicher sexueller Belästigung zweier Schwedinnen –, legt bereits den Gedanken an ein politisches Komplott nahe. Diesen Verdacht äußerte zumindest der WikiLeaks-Gründer mit einem Verweis auf "schmutzige Tricks" des US-Establishments, dem seine Enthüllungen gegen den Strich gingen.

Verdächtig ist jedoch vor allem das Timing der Haftbefehle: Kurz vor dem ersten Haftbefehl hatte Assange eine Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis in Schweden beantragt. Nun genießen Journalisten in Schweden einen im Vergleich zu anderen Ländern deutlich besseren Quellenschutz – aber nur, wenn sie eine spezielle Lizenz, den "utgivningsbevis", besitzen, für den Ausländer eine Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis benötigen. Nach Erlass der beiden Haftbefehle wurde der Antrag von Assange ohne Angabe von Gründen abgelehnt.

Asyl in der ecuadorianischen Botschaft in London

Nachdem er Ende des Jahres erneut mit Vorwürfen der Vergewaltigung konfrontiert und gegen ihn sogar ein Interpol-Haftbefehl der Klasse "Red Notice" erlassen wurde, stellte sich der mittlerweile auf britischem Boden befindliche Assange in London der Polizei und kam in Untersuchungshaft. Er wurde allerdings sofort auf Kaution freigelassen. Als ihm im Jahr 2012 eine Auslieferung an Schweden drohte, flüchtete Assange in die Botschaft Ecuadors in London und bat um politisches Asyl, das ihm gewährt wurde. Zeitweise war Assange sogar Staatsbürger Ecuadors.

Die ehemalige US-Außenministerin Hillary Clinton mit dem damaligen Bürgermeister New Yorks Rudy Giuliani (rechts im Bild), New Yorker Börse, USA, 9. September 2011.

Seit 2012 musste er in der Botschaft verbleiben, weil ihm eine Verhaftung durch die britische Polizei drohte – wegen angeblicher "Verstöße gegen die Kautionsbedingungen". In dieser Zeit war er der Spionage seitens der britischen und seit Amtsantritt des ecuadorianischen Präsidenten Lenín Moreno auch flächendeckender Überwachung seitens der ecuadorianischen Behörden ausgesetzt, so WikiLeaks. Der ständige Aufenthalt im geschlossenen Raum machte ihm gesundheitlich ebenso zu schaffen wie psychisch.

Schließlich wurde Julian Assange das ecuadorianische Asyl wieder entzogen – angeblich wegen Verletzungen der Regeln der Botschaft. Am 11. April 2019 wurde er aus der ecuadorianischen Botschaft gebracht und von der britischen Polizei festgenommen.

Es ist wohl keine Frage mehr, ob Assange von den britischen Behörden an die USA ausgeliefert wird, wo ein weiteres, bisher geheimes Verfahren auf ihn wartet. Die Frage ist lediglich, ob sein Weg dorthin ein direkter sein wird oder er noch einen kurzen Abstecher nach Schweden machen muss, wo die bereits eingestellten Verfahren gegen ihn wieder aufgenommen werden könnten.

Mehr zum Thema – "Ein Verbrechen, eine Schande": Erste Reaktionen auf die Festnahme Assanges

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