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Abenteuer Afghanistan: Eine schwedische Aktivistin reist abgeschobenen Asylbewerbern hinterher

Abenteuer Afghanistan: Eine schwedische Aktivistin reist abgeschobenen Asylbewerbern hinterher
Vian, Aktivistin, in Afghanistan mit einem abgelehnten Asylbewerber, Januar 2019.
Eine schwedische Aktivistin berichtet von ihrer Reise nach Afghanistan, um diejenigen abgelehnten Asylbewerber zu treffen, um die sie sich in Schweden kümmerte. Dabei setzte sie auch ihre eigene Sicherheit aufs Spiel. Afghanistan ist für sie ein Abenteuer.

Vian D., 33 Jahre alt, wurde in Moskau geboren und wuchs in Schweden auf. Als Zweijährige kam sie nach Schweden. Sie arbeitet als therapeutische Masseuse und als Personal Trainer. Derzeit betreut sie einen 15 Jahre alten Afghanen. Bei seiner Ankunft in Schweden mit seinem älteren Cousin war er elf Jahre alt. Viele ihrer Schützlinge wurden von der schwedischen Regierung zurück in ihre Heimat abgeschoben. Vian reiste ihnen hinterher, und das nicht zum ersten Mal. Trotz Warnungen, dass ihr Leben dort gefährdet sei, scheute sie auch nicht davor zurück, in unsicheres Gebiet zu fahren. Ihre Reise finanzierte sie durch Spendengelder.

Mit RT Deutsch sprach sie über ihre Beweggründe, nach Afghanistan zu reisen, und darüber, was sie antreibt, zu helfen.

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Vian bei der Arbeit.

Wann wurden Sie zur Aktivistin? Gab es ein auslösendes Moment?

Seit ich denken kann. Als ich jünger war, ging es mir mehr um den Tierschutz, aber ich war immer Aktivistin für Tier und Mensch. Es gibt eigentlich nichts Besonderes, das mich dazu bewogen hat. Erst sah ich, wie Tiere schlecht behandelt wurden, und wollte mich um diese kümmern. Und weil Menschen wie meine Mutter schlecht behandelt wurden. Ich habe sie immer beschützt. Mein Vater schlug sie, und dann, nach der Trennung, ihr neuer Freund. Mein Stiefvater, der Vater meiner kleinen Schwester, war Alkoholiker. Da ich so klein war, schlug er mich nicht. Ich versuchte ihr zu helfen. Als wir heranwuchsen, war es sehr schlimm.

Warum gerade afghanische Flüchtlinge? Warum nicht Flüchtlinge aus einem anderen Land?

Es hätte jeder sein können. Erst arbeitete ich mit Obdachlosen, vornehmlich aus Rumänien. Und dann waren es viele Afghanen. Davor hatte ich einen Spendenaufruf für Syrer mit dem Fitnessstudio, bei dem ich arbeite. Wir sammelten Geld für Syrien. Aber dann kamen all die afghanischen Flüchtlinge nach Schweden.

Zu Beginn waren die Sympathien für die Afghanen hoch. Als wir herausfanden, dass Menschen an den Hauptbahnhöfen schliefen, brachten wir ihnen Essen. Ich ließ mich auf eine Liste setzen, um ein "Gutmann" für einen Flüchtling zu werden. Das war der Zeitpunkt, an dem ich mehr Kontakt zu ihnen erhielt. Ich arbeitete für einige Zeit in einem Flüchtlingslager. Wir nahmen einige Afghanen auf, die, sobald sie 18 wurden, ihre Bleibe und damit auch ihre Hoffnung verloren.

Symbolbild: Abschiebeflug nach Afghanistan, München, Deutschland, 11. September 2018.

Sie sind gerade aus Afghanistan zurückgekommen? Ist es ein Abenteuer, dorthin zu reisen? Ist es auch die Faszination am Land, das Sie antreibt?

Ja, natürlich ist es ein Abenteuer. Aber es geht mehr darum, die Menschen zu sehen und zu treffen. Aber jedes Mal ist es ein Abenteuer, weil man mehr von Afghanistan sehen und darüber lernen lernen. Dieses Mal besuchte ich Kabul und Jaghori, fuhr durch Ghazni.

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Vian in Afghanistan.

Vian trifft einen der abgeschobenen Flüchtling in Kabul. 

Es war nicht das erste Mal, dass Sie dort gewesen sind, richtig?

Ingesamt dreimal war ich dort. Sobald ich kann, werde ich wieder dorthin reisen. Ich versuche, einen Grund zu finden, um zu reisen. Aber ich habe im Moment weder Geld noch Zeit. Bestimmt diesen Sommer. Ich werde versuchen, ein Projekt zu starten. Ich bin mir nicht sicher, ob es eine Schule sein wird und von welcher Organisation ich Geld erhalten werde. Ich will, dass (die Abgeschobenen) eine eigene Gemeinschaft formen. Sie können Hilfe von ERIN (einer Organisation zur Reintegration in Afghanistan) erhalten, um ihnen mit Studium und Jobs zu helfen. ERIN hilft ihnen aber nur, wenn sie Geld und ein Geschäft haben. Es ist also total falsch. Es ist sehr schwer für sie, an Gelder zu gelangen. 

Wie haben Sie Ihre Reise finanziert? 

Durch Crowdfunding, über die Menschen im Netzwerk für afghanische Flüchtlinge in Schweden. 

Wen haben Sie in Afghanistan getroffen? 

Die Abgeschobenen natürlich. Viele von ihnen sind Jungs, die ich aus Schweden kenne, aber auch Personen, die ich von Familien in Schweden zu treffen aufgefordert wurde, einfach um zu sehen, wie es ihnen geht. Auch verschiedene Organisationen und den Flüchtlingsminister Afghanistans.

Was dieses Mal neu war, war der Besuch einer Einrichtung für Hunde. Ich wusste nicht, dass es dort ein Tierheim für Hunde und eine Tierklinik gibt. Einen Tag lang half ich dort freiwillig mit. Das ist mein größter Traum, ein Tierheim zu bauen. Wenn sie das geplante Haus für abgeschobene Afghanen bauen, dann müssen sie dort auch einige Hunde aufnehmen. 

Für das Haus sammeln wir gerade Spenden. Einige Organisationen in Schweden sagten, sie würden Gelder bereitstellen, sobald sie wissen, wo diese hinfließen. Also sagte ich ihnen, sie sollen warten, bis ich jemanden finde, der mir helfen kann.

Es ist schwer, in Afghanistan irgendetwas auf die Reihe zu bekommen. Man trinkt Tee, es heißt: "Wir schauen mal" (...), aber dann passiert letztlich nichts. Deshalb würde ich gerne hin, um ein Projekt in die Wege zu leiten. Man muss sich entscheiden, ob man eine schwedische oder eine afghanische Organisation gründet. 

Ich würde dort gerne die Hälfte der Zeit leben. Ich muss nur jemanden finden, der dort lebt und ambitioniert ist und nicht nur rumsitzt und wartet, dass Geld reinkommt. Erst müssen wir planen. 

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Vian fährt durch das gefährliche Gebiet Jaghori. Dort wurde sie Zeugin eines Schusswechsels.

Vian fährt durch Jaghori. Das afghanische Filmteam warnte sie vor der Sicherheitslage vor Ort und wollte ihr nicht folgen. Vian ließ sich nicht abschrecken. Auch die regionalen Nachrichten veröffentlichten einen Videoclip mit ihr: "Schwedin fährt allein durch Jaghori". Ein afghanisches Militärfahrzeug bietet ihr Geleitschutz. 

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Ein Militärfahrzeug begleitet sie durch Jaghori.

Was war das Ziel Ihrer jetzigen Reise?

Hauptsächlich, Schweden zu zeigen, wie es den aus Schweden Abgeschobenen geht, durch einen Dokumentarfilm. Und natürlich, diejenigen zu treffen, die ich kenne, und ein Netzwerk zwischen den abgeschobenen Menschen zu schaffen. Wir verlieren den Kontakt zu vielen von ihnen. Aber wenn sie eine Art Basis in Kabul gründen können, dann werden sie unabhängiger von uns. Ich will, dass sie selbstbestimmter leben. Ich versuche, jedes Mal mehr herauszufinden und Kontakte zu knüpfen. Wenn dieses ERIN-Programm nicht funktioniert, müssen wir andere Wege finden. Es ist ein Krieg, und das muss auch die schwedische Einwanderungsbehörde erkennen. Und es muss verlässlichere Organisationen geben, mit denen man arbeiten kann. Viel Geld geht verloren. 

Ein afghanischer Migrant in Saint Omer, Frankreich, 18. Oktober 2016.

Könnte dieses Unterfangen nicht auch den gegenteiligen Effekt haben? Die Menschen könnten sagen: "Seht her, diese schwedische Frau läuft unbescholten durch Afghanistan, und niemand tut ihr etwas. Afghanistan ist sicher."

Natürlich sagen die Leute das, aber ich habe ein Flugkarte, um nach Hause zu fliegen. Wenn ich rausgehe, weiß ich nicht, was passiert und ob ich überlebe. Für sie (die Afghanen) ist es jeden Tag so. Wenn ich ein oder zwei Wochen da bleibe, ist das ganz anders. Auch muss ich mich entscheiden, ob ich nach Jaghori fahre oder an großen Demonstrationen teilnehme oder Moscheen besuche.

Aber wenn man dort lebt, kann man nicht nur in der Angst leben, nach draußen zu gehen. Die haben keine Wahl, sie müssen dort leben, also ist das ganz anders. Es ist leichter, mutig zu sein, wenn man weiß, dass man gehen kann.

Sobald ich länger bliebe und die "falschen Menschen" davon Wind bekämen, würde es gefährlich.

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Wiedersehen in Kabul mit einem guten Freund, dessen Asylantrag in Schweden abgelehnt wurde.

Die schwedische Einwanderungsbehörde schreibt immer, die meisten nach Afghanistan abgeschobenen Flüchtlinge würden von Familienmitgliedern abgeholt, und sie müssten nicht im Hotel bleiben. Das stimmt nicht. Wir haben viele getroffen, die nirgendwo bleiben können. Für Schweden klingt das gut, deshalb schreiben sie es.

Ein Bruchteil derjenigen, die wieder in Kabul landen, bleiben. Die meisten gehen wieder in den Iran, wo sie ihre Familien haben, viele flüchten erneut in die Türkei, nach Europa, nach Griechenland. Sie versuchen es auf verschiedenen Wegen. Besonders dann, wenn man vier Jahre lang in Europa gelebt hat und es sehr schwer ist, sich wieder zu integrieren.

Dieses Mal bemerkte ich, wie sie ethnische Gruppen unterschiedlich behandeln. Ich habe darüber vorher nicht viel nachgedacht. Die sagen (über die Hasara beispielsweise), sie rederen anders, sie seien keine echten Afghanen. Und manche Leute glauben, sie seien schlimmer als Drogenabhängige. Sie reden mit ihnen, als seien sie wertlos. 

Die Afghanen sind der Ansicht, die unfreiwilligen Rückkehrer hätten Afghanistan verraten. 

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Ein Junge im Schnee in Jaghori.

Flüchtling in Schweden, 15. Dezember 2015.

Ich erinnere mich, dass wir bei unserem letzten Treffen über Probleme mit der schwedischen Polizei gesprochen haben. Glauben Sie, das humanistische Bild Schwedens ist Teil der Vergangenheit?

Ja, das ist weg, schon lange Teil der Vergangenheit. Schweden ist eines der schlimmsten Länder, mit dem schlechtesten Ansehen. Wie die Grenzpolizei die Menschen behandelt und versucht, dies zu verstecken. Man hört täglich Geschichten darüber, dass sie Menschen festnehmen und schlagen. Sie behaupten anschließend, die Person habe sich gewehrt. Sie geben den Geflüchteten auch Drogen, um sie zu beruhigen. Oder sie nehmen sie in Haft, ohne dass Anwälte und Familie davon in Kenntnis gesetzt werden. Es gibt in Schweden viel Rassismus.

Ich habe den Eindruck, dass sich in Schweden vor allem Frauen um Geflüchtete kümmern.

Ja, auch die Frauen fragen sich das. Wenn man zu einer Demonstration geht, sind dort immer nur Frauen. Männer sieht man kaum. Das ist auch nicht gut, Kritiker sagen, die Frauen wollen nur exotische Männer. Ich denke, die Männer tragen ihren Aktivismus nicht so offen zur Schau. 

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