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Unterwegs für Frieden und Versöhnung: Modrow berichtet über Korea-Reise

Unterwegs für Frieden und Versöhnung: Modrow berichtet über Korea-Reise
Archivbild
Der Ex-DDR-Regierungschef Hans Modrow ist auf die koreanische Halbinsel gereist. Dabei versuchte er, zwischen den Konfliktparteien zu vermitteln. Dem Sozialsten vertrauen nicht nur die Nordkoreaner - auch Südkorea interessiert sich für seine Meinung.

von Hasan Posdnjakow

Hans Modrow, ehemaliger Regierungschef der Deutschen Demokratischen Republik in der Übergangszeit, hat am Samstag auf einer Veranstaltung des Fördervereins der sozialistischen Monatszeitschrift Rotfuchs in Dresden Details zu seinen diplomatischen Reisen nach Korea und China bekannt gegeben. Der inzwischen über neunzigjährige Linken-Politiker betonte, seine Reisen in den letzten Jahren in diese Region seinen keine "touristische Reisen" gewesen. Er resümierte, dass es allgemein leichter sei, Kontakte nach Südkorea zu knüpfen als nach Nordkorea.

Modrow sagte, er sei zunächst nach Peking für ein Interview gereist. Das Interview habe im Rahmen eines Dokumentarfilms des chinesischen Fernsehens stattgefunden. Von Peking aus sei er erst nach Nordkorea und anschließend, wieder von Peking aus, in die südkoreanische Hauptstadt Seoul geflogen. Beide Reisen seien von der Rosa-Luxemburg-Stiftung organisiert worden.

Der ehemalige DDR-Regierungschef erklärte, dass er bereits im Jahr 1959 fünf Wochen in der Volksrepublik China war. Auch in den 1980er Jahren habe er, nach der Wiederherstellung normaler Beziehungen zwischen der DDR und China, zwei Mal das asiatische Land besucht. Als 1985 der nordkoreanische Staatschef Kim Il Sung im Rahmen seiner Europa-Reise drei Tage in Dresden verweilte, sei er für die Bewirtschaftung Kims zuständig gewesen. Insofern habe Modrow in den vergangenen Jahrzehnten bereits eine gewisse Kompetenz auf diesem Gebiet aufbauen können.

In den letzten Jahren habe auch die südkoreanische Seite Kontakt zu ihm geknüpft. Das südkoreanische Vereinigungsministerium beschäftige Beamte, die sich mit dem deutschen Modell der Wiedervereinigung befassen. Diese Beamten hätten den Eindruck gehabt, dass die westdeutsche Sicht auf die Wiedervereinigung einseitig ist. Daher hätten die Südkoreaner auch die Vertreter der DDR zu sich eingeladen.

Modrow berichtete den Teilnehmern der Veranstaltung, dass auf seine Initiative hin die Botschafter beider koreanischer Staaten an den Feierlichkeiten zu seinem 90. Geburtstag teilnahmen. Es sei das erste Mal, dass sich beide Botschafter offiziell begegneten.

Zu den diplomatischen Beziehungen und dem Kräfteverhältnis auf der koreanischen Halbinsel erklärte dieser linke Elder Statesman, dass der Einfluss Chinas auf die nordkoreanische Regierung in den westlichen Medien oft verzerrt dargestellt werde. Nordkorea pflege eine eigenständige und souveräne Außenpolitik. Im Süden Koreas dagegen seien Zehntausende US-Soldaten stationiert. Der derzeitige südkoreanische Präsident Moon Jae-in strebe jedoch nach freundschaftlichen Beziehungen mit Nordkorea und pflege auch ein gutes Verhältnis zu Modrow. Dies sei ein bemerkenswerter Fortschritt, da während der Amtszeit der im Jahr 2017 nach massiven Protesten vom Amt abgesetzten Ex-Präsidentin Park Geun-hye die Regierung Südkoreas eine sehr US-hörige Politik betrieben und sich auch nur um die westdeutsche Sicht auf die deutsche Vereinigung 1990 interessiert habe.

Ein nordkoreanischer und ein südkoreanischer Soldat geben sich zur Wiedereröffnung einer Straße, die die beiden Koreas miteinander verbindet, die Hände, DMZ, Korea, 22. November 2018.

Modrow teilte mit, dass er im Anschluss an seine Reisen nach Pjöngjang und Seoul die Gelegenheit hatte, bei der internationalen Abteilung des Zentralkomitees der KP Chinas diese Gespräche auszuwerten. Nordkoreas Führung erkläre, dass sie mit ihrer Theorie ein souveräner Staat mit einer souveränen Politik seien. Pjöngjang strebe danach, die Probleme mit Südkorea aus der Welt zu schaffen – allerdings ohne Einmischung von Drittstaaten. Nordkorea bestehe darauf, auf Augenhöhe mit den USA zu stehen. Das Regime-Change-Szenario, das unter anderem in Libyen angewendet wurde, sei für Pjöngjang abschreckend. Zugleich bestehe im Norden der koreanischen Halbinsel die Bereitschaft, die Wirtschaft und den technologischen Fortschritt zu stärken. Der nordkoreanische Staatschef Kim Jong-un sei weltoffen, was Modrow unter anderem damit erklärte, dass er mehrere Jahre in der Schweiz ausgebildet wurde.

Dem ehemaligen DDR-Regierungschef zufolge müssen Nord- und Südkorea eine Vertragsgemeinschaft schaffen, um sich gegenseitig annähern zu können. Diese gebe es derzeit zwischen beiden koreanischen Staaten im Gegensatz zur BRD und DDR ab etwa den 1960er Jahren nicht. Allgemein reichen Modrow zufolge gute Absichtserklärung nicht. Es müssten vielmehr auch konkrete, verbindliche Vereinbarungen getroffen werden. Die Nordkoreaner seien etwa bereit, Handelsbeziehungen aufzubauen, um Zugang zu neuen, fortschrittlichen Technologien zu bekommen. Aber es sei wegen der gegen Nordkorea gerichteten Sanktionen sogar für Südkorea schwer, Handel mit dem Norden im gewünschten Umfang zu treiben.

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