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Schottischer Politiker hetzt gegen Sputnik-Journalisten – Times macht mit und veröffentlicht Bilder

Schottischer Politiker hetzt gegen Sputnik-Journalisten – Times macht mit und veröffentlicht Bilder
Schottischer Politiker hetzt gegen Sputnik-Journalisten – Times macht mit und veröffentlicht Bilder (verpixelte Bilder der Mitarbeiter von Sputnik Radio Edinburgh)
Ein schottischer Abgeordneter hat zur Enteignung russischer Medienunternehmen und ihrer Mitarbeiter in Großbritannien aufgerufen. Die britische Sunday Times zitierte nicht nur diese Aufrufe kritiklos, sondern veröffentlichte auch gleich noch in Manier von Steckbriefen Daten und Bilder von acht Journalisten der britischen Redaktion von Sputnik.

Alex Coal-Hamilton, Abgeordneter im obersten schottischen Gesetzgebungsorgan der liberalen/sozial-liberalen Partei Schottische Liberaldemokraten, gab laut der Sunday Times seinen Aufruf zu Enteignungen im Zusammenhang mit einer angeblich russischen Hacker-Attacke auf die britische Denkfabrik IfS (Institute for Statescraft, dt. etwa: Institut für Staatskunst/Staatenerschaffung) von sich, welcher sich Anfang des vorigen Monats ereignet haben soll. Die russischen Medien Sputnik und RT seien unter den Ersten gewesen, die Details zu diesem Vorfall veröffentlichten, zitierte die Sunday Times. Einigen gab dies sofort einen sehr willkommenen Vorwand zu weiterer russophober Hetze:

Dies heizte den Verdacht an, Russland habe hinter dem Cyber-Angriff gestanden und (habe) seine Medienhäuser zur Verstärkung von dessen Wirkung eingesetzt", schreibt das Blatt.

Aufruf zur Enteignung

"Es wäre ein Anlass zu äußerster Besorgnis, falls ein Medienhaus hier im Vereinigten Königreich Vorteile von einer Aktion eines ausländischen Militärs erlangen sollte", zitierte die Sunday Times Cole-Hamilton. Nach diesem noch schwammig formulierten Vorwurf schritt der Parlamentarier sogleich zu einer Generalisierung und äußerte anschließend umso deutlicher seine Vorstellung von angemessenen Gegenmaßnahmen oder Bestrafungen:

Organisationen wie Sputnik und RT stanzen unter Rückendeckung von Wladimir Putin Propaganda am laufenden Band; sie tragen eine Mitschuld an der Verhüllung von Vorfällen von Menschenrechtsverstößen bis zum russischen Einfall auf der Krim. Andere Länder haben härtere Richtlinien bezüglich des Besitzes von Russen [(engl. Original: "assets of Russian nationals)"] etabliert als wir im Vereinigten Königreich, die britische Regierung sollte die Handlungsmöglichkeiten nochmals ins Auge fassen.

Lassen wir an dieser Stelle einmal die von Coal-Hamilton und der Times ohne Beweise erhobenen Vorwürfe von Propaganda und Invasion unkommentiert – es geht um die Aufforderung zur Enteignung.

Die Aufforderung zur Enteignung an sich ist deutlich genug formuliert. Nicht ganz klar hingegen ist aus dem von Times gewählten Zitat zu folgern, wer denn nun hier enteignet werden müsse. Der Logik des Vorwurfs zufolge müsste es Coal-Hamilton doch offenkundig um eine Enteignung von russischen Medienbetrieben gehen, die auf britischem Boden arbeiten. Allein die öffentliche Äußerung des Gedankens von einer solchen Enteignung russischer Körperschaften oder Institutionen, die offiziell und legal in Großbritannien arbeiten, wäre skandalös genug – die beste Parallele ist der Eklat um Enteignungen russischer diplomatischer Vertretungen in den USA, die dort unlängst tatsächlich stattgefunden haben. Doch im Zitat des schottischen Parlamentariers geht es eben gar nicht um Körperschaften und Institutionen: "Russian nationals" lässt sich im Kontext der zitierten Aussage nicht anders übersetzen als "Russischstämmige", "ethnische Russen", "russische Staatsbürger" oder einfach wieder einmal nur "die Russen". Sollte hier tatsächlich ein liberal-demokratischer Politikus eine Enteignung von Privatpersonen vorschlagen, die in Großbritannien für eine solche Körperschaft arbeiten – und zwar als "Bestrafung" für eben diese Arbeit?

Russische Botschaft in Seattle, USA.

Sunday Times fällt die Entscheidung – Struktur und Kontext als Verschärfung

Und: Erschien der Times-Redaktion die Aussage Coal-Hamiltons nicht schon eindeutig genug? Jedenfalls interpretiert man sie bei Sunday Times sehr deutlich: "Russen, die in Schottland leben und an 'Informationskriegsführung' zur Destabilisierung Großbritanniens teilnehmen, sollten mit der Beschlagnahmung ihres Besitzes rechnen, so ein führender Abgeordneter des Schottischen Parlaments", heißt es in der Einleitung des Artikels. Es folgen wieder einmal der ohne Beweise postulierte Vorwurf gegen Russland, die kritiklos übernommene Aussage, danach noch weitere Vorwürfe nicht immer benannten Ursprungs zur angeblichen Beteiligung Russlands an weiteren Vorfällen im Bereich von "Cybersicherheit". Alle diese Vorwürfe kommen ohne Beweise aus. Zwar verfällt der Schreiber nicht ganz konsequent in den neuartigen wie einzigartigen "Highly Likely"-Stil der amtierenden britischen Regierung und behauptet einfach erfundene "Tatsachen" – soviel Vorsicht hat die Redaktion der Gazette dann doch noch walten lassen. Doch dafür sind in diesen journalistischen Edelstein - dramaturgisch brillant in der Mitte des Artikels angesiedelt - die Namen und Lichtbilder aller acht Mitarbeiter der britischen Redaktion von Sputnik-Radio eingefügt. Wohl haben, ihren Namen nach zu vermuten, lediglich drei der genannten Mitarbeiter etwas mit Russland zu tun, aber die Times scheint dem zitierten Parlamentarier gern mit einer stillen Korrektur seines Denkfehlers zur Hand gehen zu wollen: Es können ja auch Einheimische in einem russischen Medienbetrieb arbeiten, jawoll!

Wichtig zu erwähnen ist, dass die Namen und Lichtbilder der Sputnik-Mitarbeiter ohnehin im Internet zugänglich waren, zumal diese nach eigenen Aussagen nicht darauf versessen seien, ihre Daten unbedingt geheim zu halten, wie der obige Tweet von Sputnik Radio Edinburgh-Mitarbeiterin Johanna Ross zeigt.

Es sind der Aufbau des Pranger-Artikels und der Kontext, in welchem dieser die Daten und Bilder serviert, die das Ganze in gefährliche Nähe von Hetze rücken: Beschuldigungen gegen Russland – gegen russische Medienbetriebe im Ausland – Aufforderung zur Enteignung der Mitarbeiter dieser Medienhäuser – noch mehr beweislose Anschuldigungen und der Abschluss mit weiterführender Information. Die Bilder und Daten besagter Mitarbeiter finden sich rechts auf dem Blatt quasi zum Nachschlagen zwischendurch.

Gefahr für Leib und Leben

Von einer auf diese Art komponierten Veröffentlichung geht eine Gefahr für Leib und Leben der Journalisten aus – so zitiert TASS die Aussage von Walentina Matwienko, Sprecherin des Oberhauses der Föderationsversammlung von Russland, den Sunday Times-Artikel. Manchem Leser mag diese Wertung überzogen erscheinen. Doch es sei daran erinnert, wie es Journalisten und Publizisten, aber auch anderweitig prominenten Personen durchaus ergehen kann, die den russophoben Tenor vieler Mainstream-Medien nicht in Gänze einhalten und gegen die deswegen auf öffentlich zugänglichen medialen Prangern gehetzt wird.

Ein medialer Pranger?

Bekannteste Beispiele sind bisher der ukrainische Journalist und Publizist Oles Busina und der ebenfalls ukrainische Politiker Oleg Kalaschnikow, die beide Kritik am Kurs der nach dem Maidan-Putsch etablierten Regierung in Kiew übten. Beide wurden in der sogenannten "Bereinigungsliste" des ukrainischen rechtsextremen Internet-Prangers Myrotvorets geführt, mit Lichtbild und persönlichen Daten inklusive der Wohnadresse – beide fielen Mordanschlägen "erfolgreich" zum Opfer, die immer noch nicht aufgeklärt wurden.

Die Parallele zum in Kanada gehosteten ukrainischen Internet-Pranger Myrotvorets sah man in der russischen Botschaft in Großbritannien: "Wir nehmen an, dass die Veröffentlichung persönlicher Daten von Journalisten in 'bester Manier' der Kiewer Internetseite Myrotvorets, Aufrufe zur Besitzkonfiszierung [...] ebenfalls Beachtung seitens der OSZE auf sich ziehen sollten", gibt TASS den Kommentar des Pressesekretärs der diplomatischen Vertretung wieder. "Es sei betont, dass es sich hierbei nicht um den ersten derartigen Fall handelt. Im November dieses Jahres sind persönliche Daten eines Kamera-Teams des Ersten [Russischen] Fernsehens verbreitet worden."

Balancieren auf dem Drahtseil

Den letzten Schritt ging die Sunday Times indes nicht, im oben umrissenen, höchst fragwürdigen Kontext auch noch die Privatadressen der Angeprangerten zu veröffentlichen. Allerdings erfüllt der Hinweis, das Studio von Sputnik Radio liege unweit des Bute House in Edinburgh, effektiv denselben Zweck: Nun hat der "worried citizen in anger" - der wütende Bürger - die Qual der Wahl, ob er mit seinem Pogrom-Mob nach kurzer Suche lieber das Studio verwüsten oder mit minimalem Mehraufwand die Mitarbeiter von Sputnik-Radio zuerst verfolgen soll, um sie einzeln zu erledigen. Der Hinweis auf das Bute House fällt im Artikel gleich zweimal – in der Einführung und im Schlussteil, an den Stellen also, die man auch mit Sicherheit am ehesten liest.

Alexander Petrow und Ruslan Boschirow, die London für das Attentat auf die Skripals verantwortlich macht

"Euch einen guten Rutsch in das neue Jahr 1933, my british friends"

Mit dieser Formulierung verlieh die Chefredakteurin von Sputnik und RT, Margarita Simonjan, ihrer Empörung über den Artikel der Sunday Times Ausdruck. Wir erinnern: In jenem Jahr kam in Deutschland Adolf Hitler an die Macht, der sofort die Verordnung zum Schutz von Volk und Staat erließ. Diese schränkte die Meinungs-, Presse- und Versammlungsfreiheit drastisch ein.

Simonjan befand es für angemessen zu erwähnen, dass in den Satzungen vieler westlicher Medienhäuser durchaus Punkte enthalten sind, nach denen die Inhalte unzweideutig der Außenpolitik des jeweiligen Staates zu entsprechen haben:

"BBC: '[Der Kanal] soll das Vereinigte Königreich wiederspiegeln, seine Kultur und seine Werte.'

[…]

BBG (Organisation, der Voice of America und Radio Liberty gehören): '[Die bei der Ausstrahlung einzuhaltenden Standards] haben einem breiten Zielspektrum der US-Außenpolitik zu entsprechen.'

Denn wenn die Propaganda in die Satzung eingeschrieben ist, dann sind das eben Werte und nicht etwa Propaganda", schrieb die Journalistin in ihrem Telegram-Kanal.

Russlands Außenministerium kündigt Gegenmaßnahmen an

Wenig Verständnis für die russophoben Kapriolen der Sunday Times hatte auch das russische Auswärtige Amt: Sprecherin Maria Sacharowa verkündete, den Vorfall nicht auf sich beruhen lassen zu wollen. "Wir begutachten mit Hilfe unserer Experten, womit wir es hier [rechtlich] zu tun haben, und entwickeln eine Reihe von Gegenmaßnahmen", erklärte die Diplomatin gegenüber dem russischen Nachrichtenportal life.

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