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NATO-Generalsekretär Stoltenberg warnt vor "Rückkehr der Taliban" in Afghanistan

NATO-Generalsekretär Stoltenberg warnt vor "Rückkehr der Taliban" in Afghanistan
NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg zeichnete auf einer aktuellen Pressekonferenz ein düsteres Bild von Afghanistan. Man dürfe das Land jetzt nicht verlassen. Die Kosten eines Rückzugs würden jene eines Verbleibens übersteigen. Und die Taliban würden zurückkehren.

Seit bald 17 Jahren führt die NATO in Afghanistan Krieg gegen einen Gegner, den weder die USA allein noch die vereinte transatlantische Allianz besiegen kann. Anfänglich als reiner Kampfeinsatz konzipiert, wechselten die Missionen im Lauf der Jahre ihre Namen und Zwecke, doch der Gegner ist immer der gleiche geblieben: die Taliban. Im Gegensatz zu den Terroristen von al-Qaida, die in der Bevölkerung keinen breiten Rückhalt genossen und lediglich geduldet wurden, sieht das bei der Taliban-Bewegung ganz anders aus.

Die Taliban kontrollieren große Teile Afghanistans. Ohne ihre Beteiligung an Friedensverhandlungen wird das Land nicht zur Ruhe kommen.

Der Name der Bewegung ist auf den Umstand zurückzuführen, dass sie in den afghanischen Flüchtlingscamps in Pakistan ihren Ursprung haben. In den dortigen Religionsschulen, Medressen genannt, wurde eine militante Form des auf dem indischen Subkontinent vorherrschenden Deobandismus gelehrt. Die Schüler, "taliban" (persischer Plural des arabischen Wortes talib), wollten das Leben im pakistanischen Exil und den Bürgerkrieg in Afghanistan beenden, weshalb sie im südöstlichen Kandahār 1994 zum ersten Mal in Erscheinung traten. Mit Waffengewalt und der Einführung ihrer eigenen Lesart der Scharia schafften sie es schnell, die paschtunische Bevölkerung hinter sich zu bringen und die langersehnte Ordnung wiederherzustellen. Das alles wäre ohne die Hilfe des mächtigen pakistanischen Geheimdienstes nicht möglich gewesen, der Waffen, Geld und Ausbilder in die Taliban investierte.

Ihren eigenen Sturz besiegelte die Bewegung allerdings mit Aufnahme von Osama bin Laden und seiner Organisation al-Qaida, als dieser aus dem Sudan geworfen wurde und sich auf der Suche nach einem neuen "Gastland" befand. Die Anschläge vom 11. September 2001 in den USA machten Afghanistan zur neuen Zielschreibe Washingtons, das auf Rache sann. Der überwältigenden Feuerkraft aus der Luft und dem Vorrücken der afghanischen Nordallianz hatten weder die Taliban noch die Al-Qaida-Dschihadisten etwas entgegenzusetzen. Im Gegensatz zu al-Qaida waren die Taliban aber seit jeher in Afghanistan beheimatet, weshalb sie zuerst in westpakistanischen Stammesgebieten der Paschtunen Zuflucht gefunden haben und dann von dort aus den Widerstand gegen die ausländischen Besatzer planten. Seitdem tobt der Krieg zwischen der NATO und den Taliban in Afghanistan. Und je länger der Krieg andauert, desto stärker wurden die letzteren, mit einem scheinbar unendlichen Zulauf von Rekruten, Geld und Kriegsmaterial.

Ohne die Milliarden von Euro und US-Dollar, die die NATO-Länder in die offiziell anerkannte Regierung in Kabul steckte, deren tatsächliche Kontrolle über Afghanistan sich auf die Hauptstadt und wenige Bezirke beschränkt, wäre selbst das nicht möglich gewesen. Es ist daher nicht verwunderlich, wenn in den letzten Umfragen in Afghanistan über 60 Prozent der Befragten sagen, dass sie die Zukunft des Landes pessimistisch beurteilten. Als Hauptursache (72,5 Prozent) für diesen Pessimismus wird die schlechte Sicherheitslage angegeben, gefolgt von wirtschaftlichen Gründen (37,6 Prozent) und schlechter Regierungsführung in Kabul (33 Prozent). Als Grund für die schlechte Sicherheitslage werden mit Abstand (68,2 Prozent) am häufigsten die Auseinandersetzungen mit und durch die Taliban genannt.

Der afghanische Generaldirektor Abdullah mit dem Hohen Flüchtlingskommissar der Vereinten Nationen Filippo Grandi in Genf, Schweiz, 27. November 2018.

Umso befremdlicher ist nun die Aussage des NATO-Generalsekretärs Jens Stoltenberg anlässlich der Außenministerkonferenz vom 4. bis 5. Dezember in Brüssel. Abgesehen vom üblichen Russland-Bashing, antwortete Stoltenberg auf die Frage eines Journalisten, weshalb es denn für die NATO so wichtig sei, weiterhin eine Präsenz – oder eine Besatzung, je nach Blickwinkel – in Afghanistan zu unterhalten:

Es ist wichtig für die NATO, ihre Präsenz in Afghanistan zu behalten, weil wie Afghanistan davor bewahren müssen, wieder eine Plattform für Pläne, Organisation (und) Ausführung von Terroranschlägen auf unsere Länder zu werden. Es darf nicht wieder ein sicherer Hafen für internationale Terroristen werden. Es sind hohe Kosten mit der Präsenz in Afghanistan verbunden; es gibt hohe finanzielle Kosten für NATO-Alliierte, und es gibt hohe menschliche Kosten, wir hatten Opfer zu beklagen. Auch in der vergangenen Woche. Aber wir müssen die Kosten des Verbleibs mit den Kosten eines Rückzugs vergleichen, und wenn die NATO und die Alliierten Afghanistan verlassen haben, müssen wir (dafür) bereit sein, dass die Taliban zurückkommen und dass verschiedene Terrororganisationen in der Lage sein werden, an Boden zu gewinnen und wieder in Afghanistan Fuß fassen können.

Der NATO-Generalsekretär möchte also die Welt vor einer Rückkehr der Taliban und Terroristen in Afghanistan warnen, sollten die Truppen aus dem Land abgezogen werden. Ein wichtiges Detail spricht gegen diese Darlegung Stoltenbergs: Die Taliban waren nie weg, sie kämpfen seit bald 17 Jahren gegen die US- und NATO-Truppen.

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