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NATO-Großübung Trident Juncture 2018: Rhetorik vs. Realität

NATO-Großübung Trident Juncture 2018: Rhetorik vs. Realität
Ein US-amerikanischer Kampfpilot einer F-15 während der NATO-Übung "Clear Sky 2018" Mitte Oktober in der Ukraine. (Symbolbild)
Es soll alles nur defensiver Natur und gegen kein spezifisches Land gerichtet sein. Aber NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg warnte dennoch schon mal vorsorglich Russland, "keine Provokationen" während der Übung vorzunehmen.

Als größte Übung seit dem Kalten Krieg sorgt Trident Juncture 2018 für mächtigen Wirbel. Nicht nur logistisch, da Tausende Tonnen von militärischer Hardware das norwegische Schienennetz zum Ächzen bringen und 50.000 Soldaten betreut und untergebracht werden wollen, sondern auch diplomatisch. Von Anfang an bemühte sich die transatlantische Allianz, die Großübung als pure Defensivmaßnahme zu porträtieren. Als Grund wird gebetsmühlenartig die "Annexion" der Krim und die "russische Invasion der Ukraine" genannt, die das "Sicherheitssystem in Europa" ins Wanken gebracht habe.

Ein Bild von dem NATO-Manöver

Obwohl der NATO-Generalsekretär nicht müde wird zu betonen, dass Trident Juncture gegen kein spezifisches Land gerichtet sei, sagt er aber fast im selben Atemzug, dass mit der Übung ein "klares Signal" an Russland gesendet werden solle. Also ist es doch gegen ein Land gerichtet. Und natürlich sei bei der NATO alles "transparent", man habe Russland und Weißrussland darüber informiert und auch deren Vertreter als Beobachter der Übung eingeladen. So transparent war es dann doch nicht ganz. Im Norden Norwegens findet bei Tromsø eine separate Übung unter dem Namen "Northern Screen" statt, an der 700 US-Marines und Kampfflugzeuge des Flugzeugträgers USS Harry S. Truman teilnehmen werden. Das hat man den Russen nicht mitgeteilt.

Immer wieder wird auch betont, dass die Einsatzorte der jeweiligen Teilstreitkräfte gar nicht in der Nähe der russischen Grenze seien und deshalb keine Provokation darstellten, wie es Moskau wahrnimmt. Das eigentliche Operationsgebiet in Norwegen liege über eintausend Kilometer von der russischen Grenze entfernt, das der Luftwaffen etwa 500 Kilometer. Dass aber etwa 350 Kilometer von der russischen Grenze, im Finnischen Meerbusen, eine weitere Übung der Marine unter dem Namen "Northern Coast 2018" stattfindet, wird zwar nicht unter den Teppich gekehrt, aber eben auch nicht so prominent mitgeteilt.

Für die russische Botschaft in Oslo steht auf jeden Fall fest, dass es sich bei Trident Juncture um eine "antirussische" Übung handelt. "Solche Aktivitäten (…) wirken provokativ, selbst wenn man versucht, sie als rein defensiver Natur zu rechtfertigen", heißt es dazu. Moskau solle sich auf jeden Fall "professionell" verhalten und "gefährliches Verhalten" während der Dauer der Großübung vermeiden. Wie so eine befürchtete Provokation aussehen könnte, beantwortete Derek Chollet, Vizepräsident für Sicherheits- und Verteidigungspolitik des German Marshall Fund der Vereinigten Staaten:

Die NATO-Manöver sind anders als jene der Russen. Deren Übungen sind nicht defensiver Natur, sondern sie proben die Reaktion auf eine Krise im Baltikum oder ähnliches. Ich bin mir sicher, dass Moskau versuchen wird, durch eine Verlagerung seines Militärs das NATO-Manöver zu stören. Sie werden in ihrer Propaganda die NATO als imperialistische Bedrohung darstellen.

Archivbild.

Wieso die von Chollet angesprochene russische Übung "Sapad" nicht defensiver Natur sein soll, obwohl die russischen und weißrussischen Streitkräfte ebenso die Abwehr eines Angriffs geübt haben, ließ er im Interview allerdings unbeantwortet. Auch die Militärdoktrin der Russischen Föderation ist auf Verteidigung ausgelegt und sieht keinerlei offensive Klauseln vor. Was aber immer offensichtlicher wird, ist das Bild, das sich durch Interviews mit hochrangigen US-Militärs abzeichnet.

Offiziell wird die Krim und die angebliche "russische Invasion" der Ukraine als Grund für die Aufrüstung der NATO betrachtet. Es war aber niemand Geringerer als Admiral James Foggo, Kommandeur der US-Navy in Europa und Oberkommandierende von "Trident Juncture 2018", der auf den wunden Punkt im Selbstverständnis der USA bzw. der NATO drückte. In einem CNN-Interview vom 25. Oktober ging es in allererster Linie über die "NATO-Jagd auf russische U-Boote". Aber was wirklich bezeichnend war, was wirklich hinter dieser Panik der USA und NATO steckt, hat überhaupt nichts mit der Ukraine oder der Krim zu tun. Was die Strategen in Washington aufgeschreckt hat, ist die militärische Modernisierung der russischen Streitkräfte und deren technische Erfolge. Was Washington am meisten fürchtet, beantwortete Admiral Foggo selbst:

Wir können es nicht mehr länger für selbstverständlich hinnehmen, dass wir ungestraft in allen Ozeanen segeln können.

Darum geht es den Vereinigten Staaten einzig und allein. Russlands Modernisierung, mit im Vergleich zu den USA viel geringeren Mitteln, hat dazu beigetragen, dass sich die US-Streitkräfte nicht mehr frei nach Gusto in den Weltmeeren bewegen können, ohne dabei auf einen Gegner zu treffen. Für ein Land wie die USA, deren Macht auf der Kontrolle der Weltmeere und somit der Transportrouten beruht, ist diese Herausforderung nicht akzeptabel. Und diese Herausforderung hört nicht auf den Weltmeeren auf, sondern erstreckt sich auch auf die anderen wichtigen militärischen Gebiete. Deshalb wird alles versucht, um Russland wieder zurückzudrängen.

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