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In letzter Sekunde gestoppt: US-Militär wollte Atomwaffen im Vietnamkrieg einsetzen

In letzter Sekunde gestoppt: US-Militär wollte Atomwaffen im Vietnamkrieg einsetzen
Ein Bild, das Vietnam erspart blieb.
Kürzlich freigegebene Geheim-Dokumente belegen, wie knapp die Welt einer atomaren Katastrophe entgangen ist. Der US-Oberbefehlshaber William C. Westmoreland plante den Einsatz von Atomwaffen in Vietnam – US-Präsident Lyndon B. Johnson stoppte ihn wutentbrannt.

von Timo Kirez

Die Schlacht um Khe Sanh gilt als eine der symbolträchtigsten des gesamten Vietnam-Krieges. Zwischen dem 21. Januar und dem 9. Juli 1968 standen sich an der US-Militärbasis Khe Sanh in Südvietnam Teile des 26. und 9. Regiments der US-Marines und die 304. sowie die 325C-Division der vietnamesischen Volksarmee gegenüber. Die US-Armee erreichte zwar zunächst ihr Ziel, die Militärbasis zu verteidigen – musste aber das strategische Ziel, die Grenze zwischen Nord- und Südvietnam mit einer Reihe schwerer Festungen abzuriegeln als undurchführbar aufgeben. Im späteren Kriegsverlauf wurde die Militärbasis ebenfalls aufgegeben.

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Welch hohen Stellenwert die Schlacht für das US-amerikanische Militär hatte, belegen kürzlich freigegebene Dokumente. Laut einem Artikel in der New York Times genehmigte der damalige Oberbefehlshaber der US-Streitkräfte in Vietnam, William Childs Westmoreland, die Operation "Fraction Jaw" ("Kieferbruch") mit dem Ziel, Atomwaffen nach Südvietnam zu transportieren. Sie sollten zum Einsatz kommen, falls die US-Armee in Gefahr geriet, die Schlacht um Khe Sanh zu verlieren.

Zwar äußerte sich Westmoreland nach außen hin zuversichtlich über den Schlachtverlauf, doch insgeheim wollte sich der hochrangige US-General die nukleare Option für den Fall der Fälle offenhalten. Gescheitert ist die Operation letztlich am Widerstand des damaligen US-Präsidenten Lyndon B. Johnson. Johnson bekam durch ein Memo seines nationalen Sicherheitsberaters Walt W. Rostow Wind von der geplanten Aktion.

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Das Memo, mit dem der Sicherheitsberater Walt W. Rostow den US-Präsidenten Lyndon B. Johnson auf die geplante Verlegung von Atomwaffen nach Südvietnam aufmerksam machte.

Laut einem damaligen Assistenten im Weißen Haus, Tom Johnson, soll der US-Präsident außer sich gewesen sein, als er von den Plänen erfuhr. Er habe Westmoreland durch Rostow die klare Order zukommen lassen, die Aktion sofort abzubrechen, so Tom Johnson. Der Präsident befürchtete demnach eine Eskalation des Konflikts bis hin zu einer direkten Konfrontation mit China. Zudem habe der Präsident zwar eine hohe Wertschätzung gegenüber Westmoreland an den Tag gelegt, aber gleichzeitig auch ein grundsätzliches Misstrauen gegenüber seinen Militärs gepflegt.

Die US-Armee war sich offenbar der historischen Tragweite der Operation "Fracture Jaw" bewusst – in einem Memo an Westmoreland verlangte der Oberbefehlshaber des US-amerikanischen Pazifikkommandos Ulysses S. Grant Sharp, der den Plan zuvor unterstützt hatte, absolute Geheimhaltung:

Briefen Sie alle Mitarbeiter mit Zugang zu diesem Planungsprojekt darüber, dass es keine Offenlegung des Inhalts des Plans geben darf, oder dass eine solche Planung entweder im Gange war oder ausgesetzt wurde.

In letzter Sekunde gestoppt: US-Militär wollte Atomwaffen im Vietnamkrieg einsetzen
Rückzieher und Schadenbegrenzung: Das Schreiben des Oberbefehlshaber der US-Streitkräfte im Pazifik Ulysses S. Grant Sharp.

Im Juni 1968 wurde Westmoreland von Lyndon B. Johnson abberufen und durch den General Creighton Abrams ersetzt. In seinen späteren Memoiren "War in Vain?" ("Vergeblicher Krieg?") machte Westmoreland den US-Präsidenten für die Niederlage im Vietnamkrieg verantwortlich. Dieser habe seine Kriegsziele zu unsicher und zu nachgiebig verfolgt. Die Schlacht um Khe Sanh beeinflusste maßgeblich das Bild des Vietnamkrieges in den USA und in Europa. In den US-Medien machte die Berichterstattung über die Schlacht 25 Prozent der gesamten Zeit in der Berichterstattung über den Vietnamkrieg aus. Der Sender CBS kam sogar auf über 50 Prozent.

Der ehemalige US-Präsident Barack Obama zitierte die Schlacht in seiner Antrittsrede am 20. Januar 2009 vor dem Capitol in Washington mit den Worten:

Für uns kämpften und starben sie an Orten wie Concord und Gettysburg, Normandie und Khe Sanh. Immer wieder kämpften und opferten [sich] diese Männer und Frauen und arbeiteten, bis ihre Hände rau waren, damit wir ein besseres Leben führen konnten. Sie sahen Amerika als größer als die Summe unserer individuellen Ambitionen; größer als alle Unterschiede in Bezug auf Geburt, Reichtum oder Fraktion.

Auch der bekannte Song "Born in the U.S.A." von Bruce Springsteen enthält eine Referenz an die Schlacht: "I had a brother at Khe Sanh" ("Ich hatte einen Bruder in Khe Sanh"). Khe Sanh wurde wie keine zweite Schlacht zum Synonym für den vergeblichen Einsatz der USA im Vietnamkrieg. Auch war es neben der Kuba-Krise 1962 und dem Koreakrieg 1951 das dritte Mal, dass die US-Streitkräfte den Einsatz von Atomwaffen nach den Abwürfen in Hiroshima und Nagasaki in Betracht zogen.

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