Saudi-Arabien am Pranger: UN-Experten bestätigen Kriegsverbrechen im Jemen

Saudi-Arabien am Pranger: UN-Experten bestätigen Kriegsverbrechen im Jemen
Wachen auf den Trümmern eines durch Luftangriffe zerstörten Gebäudes in Sanaa, Jemen 6. Juni 2018.
Unter dem Bombenhagel im Jemen leiden Millionen Zivilisten. UN-Experten sehen Anzeichen für Kriegsverbrechen. Schuldige seien in Saudi-Arabien und anderswo zu suchen. Diese Schlussfolgerungen hätten die Vereinten Nationen auch früher ziehen können.

Seit über drei Jahren führt eine von Saudi-Arabien angeführte und vom Westen unterstützte Koalition Krieg gegen die schiitischen Huthis, die als iranische Handlanger betrachtet werden. Der Krieg hat eine humanitäre Krise ausgelöst. Millionen Menschen sind auf der Flucht und leiden Hunger, Hunderttausende sind aufgrund der katastrophalen Zustände an Cholera erkrankt.  

Die Huthi-Rebellen sind die ärgsten Widersacher Al-Kaidas im Jemen (Foto zeigt eine Huthi-Patrouille in der Hauptstadt Sanaa).

Nach Überzeugung von UN-Menschenrechtlern gibt es starke Anzeichen für in dem Konflikt begangene Kriegsverbrechen. Eine Expertenkommission erhob schwere Vorwürfe gegen die im Exil befindliche jemenitische "Regierung" und deren Verbündete Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE). Die Kommission verlangt, dass Verantwortliche vor einem unabhängigen Gericht zur Rechenschaft gezogen werden. Sie habe eine Liste mit den Namen möglicher Täter an den UN-Hochkommissar für Menschenrechte geschickt.

"Es gibt kaum Anhaltspunkte, dass die Konfliktparteien versuchen, zivile Opfer zu vermeiden", sagte der Vorsitzende der Expertengruppe, Kamel Jendoubi, am Dienstag in Genf. Die Rolle der westlichen Unterstützer der Koalition, etwa der USA und Großbritanniens, thematisierte die Gruppe nicht. Bei dem Mandat sei es ausschließlich um Menschenrechtsverletzungen gegangen, sagte der Mitvorsitzende Charles Garraway.

Die USA haben nach einem Bericht des Senders CNN gedroht, ihre Unterstützung wegen der vielen zivilen Opfer der Bombardierungen zu kürzen. Anfang August wurde ein Schulbus getroffen, wobei nach Angaben des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) 40 Kinder und elf Erwachsene umkamen. Vergangene Woche wurde nach Angaben der Huthi-Rebellen ein Fahrzeug mit Flüchtenden von einer Rakete getroffen. Dabei seien 20 Kinder und sechs Erwachsene umgekommen.

Mehr zum Thema - Bestätigt: Bombe die 40 Kinder im Jemen tötete war aus US-amerikanischer Herstellung

In dem im März 2015 begonnenen Krieg gegen den Jemen seien mindestens 6.600 Zivilisten getötet und mehr als 10.000 verletzt worden. "Die wahren Zahlen sind wahrscheinlich deutlich höher", heißt es im Bericht der Experten.

Der Vize-Außenminister der Emirate, Anwar Karkasch, erklärte über Twitter, der Expertenbericht müsse genau studiert werden, um zu sehen, was er über die Verbrechen der Huthis an Zivilisten sage. In der Jemen-Krise gehe es darum, den Staat wiederherzustellen und die Zukunft der Region vor einem iranischen Vormarsch zu schützen.

Saudische Soldaten laufen an  saudischen Öl-Transportern im jementischen Marib vorbei.

Saudi-Arabien reagierte zunächst nicht. Der Sprecher der von Riad geführten Koalition, Turki al-Maliki, hatte den UN bereits am Montag vorgeworfen, sie stünden auf die Seite der Huthis. Er reagierte damit auf Vorwürfe, bei Luftangriffen des Bündnisses seien in den vergangenen Wochen erneut zahlreiche Zivilisten getötet worden. Für die Opfer machte Al-Maliki die Huthis verantwortlich. Die im Jemen operierenden UN-Organisationen beschuldigte er, die Sichtweise der Rebellen zu verbreiten, wie die saudische Agentur SPA meldete.

Mehr zum Thema - "Legitime Operation": Saudi-Arabien zum tödlichen Luftangriff auf Kinder im Jemen

Luftschläge der Koalition hätten Hochzeits- und Trauergesellschaften, Märkte, Schiffe mit Zivilisten an Bord und medizinische Einrichtungen getroffen, so die Experten. Überall würden Menschen willkürlich verhaftet und teils gefoltert. Konfliktparteien sollen achtjährige Kinder zum Dienst im Kampfeinheiten gezwungen haben.

Die Experten waren mehrfach im Jemen, konnten Regionen unter Kontrolle der Huthis aber nicht besuchen. Auch Rebellen seien wahrscheinlich für zivile Opfer verantwortlich, etwa durch den Einsatz von Streumunition bei innerstädtischen Kämpfen. Diese Vorwürfe müssten weiter untersucht werden.

Mehr zum Thema Jemen:

Diese Webseite verwendet Cookies. Klicken Sie hier, um mehr zu erfahren

Cookies zulassen