icon bookmark-bicon bookmarkicon cameraicon checkicon chevron downicon chevron lefticon chevron righticon chevron upicon closeicon v-compressicon downloadicon editicon v-expandicon fbicon fileicon filtericon flag ruicon full chevron downicon full chevron lefticon full chevron righticon full chevron upicon gpicon insicon mailicon moveicon-musicicon mutedicon nomutedicon okicon v-pauseicon v-playicon searchicon shareicon sign inicon sign upicon stepbackicon stepforicon swipe downicon tagicon tagsicon tgicon trashicon twicon vkicon yt

"Verlass uns nicht. Wir werden sterben": Krankenschwestern in Zchinwali retteten psychisch Kranke

"Verlass uns nicht. Wir werden sterben": Krankenschwestern in Zchinwali retteten psychisch Kranke
Eine unterirdische Intensivstation in Zchinwali am 10. August 2008.
Tagelang mussten im August 2008 die Krankenschwestern einer psychiatrischen Klinik unter dem georgischen Beschuss in Kellern der Ruinen ausharren, ohne Essen und Medikamente. Nur mit Pflaumen konnten sie überleben. Heldenhafte Augenzeugen von damals berichten.

Eine Krankenschwester aus Süd-Ossetien, die während des georgischen Angriffs 19 Menschen aus einer brennenden psychiatrischen Abteilung in Zchinwali rettete und tagelang in einem Keller mit verängstigten Geisteskranken ausharrte, hat an die tragischen Ereignisse vom August 2008 erinnert.

Irina Bibilowa hatte am 8. August Nachtschicht, als die georgischen Streitkräfte einen plötzlichen, groß angelegten Angriff auf die abtrünnige Republik Süd-Ossetien starteten. Ihre Hauptstadt Zchinwali wurde sofort wahllos beschossen, wobei irgendwie eine örtliche psychiatrische Abteilung eines der Ziele wurde.

Als die ersten Explosionen zu hören waren, beschlossen Irina und andere Mediziner, die Patienten im ersten Stock des Krankenhauses zu versammeln. Aber sie erkannten schnell, dass es auch dort nicht sicher war und begannen, die ganze Einrichtung zu evakuieren.

Unter dem Garagengebäude (unweit des Krankenhauses) gab es einen Grube, um die Autos zu reparieren. Dort ließ man uns rein, und wir blieben 24 Stunden lang in diesem Loch", sagte Irina der RT-Videoagentur Ruptly.

Irgendwann stellten die Schwestern fest, dass eine ihrer Patientinnen zurückgelassen worden war. Sie trafen eine im wahrsten Sinne heldenhafte Entscheidung, ihren Unterschlupf zu verlassen, um auch sie noch zu holen. Als sie die Frau fanden, brannte das Krankenhaus bereits, nachdem es von der Artillerie getroffen worden war. Es war keine leichte Aufgabe, nun die psychisch kranke Person noch davon zu überzeugen, mit ihnen zu gehen.

Irina erinnerte sich, dass sie und andere Krankenschwester sogar versuchten, die Flammen zu löschen. Sie berichteten: "Trotz der Bombardierung konnten wir dort drei Eimer Wasser auftreiben, aber natürlich konnten wir damit unser Krankenhaus nicht retten."

Zwei verwundete süd-ossetische Frauen verharren in einem Keller in Zchinwali am 10. August 2008.

Aber Gott sei Dank haben wir es geschafft, die Patienten zu retten", erinnert sich Irina, die kaum in der Lage ist, ihre Tränen zurückzuhalten.

Das erzählt sie in den Ruinen des Krankenhauses, das während des kurzen, aber verlustreichen Konflikts zerstört wurde. Verschiedenen Schätzungen zufolge kostete er zwischen 400 und 1.600 Menschenleben, darunter mehrere Dutzend russischer Soldaten der Friedensmission. Die Aggression konnte nur durch die Intervention des russischen Militärs gebremst werden, nachdem Moskau innerhalb weniger Tage eine "friedenserzwingende" Operation gestartet hatte. Diese erst drängte die georgischen Truppen tief in ihr Territorium zurück.

Während draußen die Hölle losbrach, gab es in ihrem provisorischen Unterschlupf auch "kein Essen, kein Wasser und keine Medikamente für die Patienten". „Sie waren alle sehr hungrig", sagte Irina. Aber noch größer schien ihre Angst, wenn sie mich jede Sekunde fragten: "Irina, du wirst uns doch nicht verlassen? Verlass uns nicht. Wir werden sterben.“ Ich habe ihnen gesagt: Ich werde dich nicht verlassen. Wir werden zusammen sein. Wir werden gerettet und weiterleben.'"

Aber sie begriffen auch, dass Krieg schrecklich ist. Das ist auch für die psychisch Kranken offensichtlich", erklärt die Krankenschwester.

Nach einiger Zeit begannen einige der Patienten, die ohne ihre üblichen Medikamente blieben, "unberechenbar zu handeln", sagte Irina. "Manchmal waren wir gezwungen, sie mit eigenen Händen und mit Gewalt zu fesseln. Es gab keinen anderen Weg, die Betroffenen zu beruhigen."

Trauernder Engel, ein Denkmal für die Opfer des georgisch-ossetischen Konflikts, Zchinwali

Am 9. August beschlossen die Krankenschwestern, in eine sicherere und größere Unterkunft umzuziehen, was sich aber als sehr gefährlich herausstellte. "Es gab wieder eine Schießerei. Wir pressten uns an die Wände, als wir rauskamen. Ich sagte ihnen, sie sollten mir folgen und mit kleinen Schritten gingen wir weiter. Wir waren ständig auf der Hut, damit keine Patienten verloren gehen."

Sie wollten in ein nahegelegenes Haus, weil sie wußten, daß es dort einen großen Keller gab. Aber der war schon voll mit all den Leuten, die in der Gegend lebten. Also mussten sie sich schnell einen neuen Unterschlupf einfallen lassen. "Wir nahmen unsere 19 Patienten und rannten weg. Gehen war keine Option, da die Granaten direkt über unsere Köpfe flogen. Es gab ein ununterbrochenes Getöse von Explosionen."

Sie hatten am Ende Glück, einen Bunker zu finden, in dem sie weitere vier Tage verbringen konnten. Während dieser Zeit ging Irina immer wieder nach draußen und sammelte Pflaumen in den nahegelegenen Gärten.

„Ich kann mir gar nicht erklären, wie sie es geschafft hat, Brot aufzutreiben. Sie brachte etwa 15 oder 20 Brote", erinnert sich eine andere Krankenschwester, Swetlana: "Sie hat uns alle gefüttert."

Das medizinische Personal und die Patienten wurden schließlich aus dem Kriegsgebiet evakuiert. Die Patienten des zerstörten Krankenhauses werden derzeit in der russischen Stadt Wladikawkaz behandelt. Irina hat inzwischen eine neue Stelle angenommen und arbeitet nun mit Kindern im Hauptkinderkrankenhaus in Zchinwali.

Diese Webseite verwendet Cookies. Klicken Sie hier, um mehr zu erfahren

Cookies zulassen