Skripal-Affäre: Großbritannien will Auslieferung zweier Russen beantragen

Skripal-Affäre: Großbritannien will Auslieferung zweier Russen beantragen
Ecke des Hauses zwischen Downing Street und Whitehall Street
Großbritannien will in Kürze einen Auslieferungsantrag für zwei russische Staatsbürger stellen. Angeblich sind sie in die Vergiftung der Skripals verwickelt. Ob Moskau dem Antrag nachkommen wird, ist angesichts mangelnder Beweise mehr als fraglich.

Nach einem Bericht des Guardian steht die britische Regierung kurz davor, von Moskau die Auslieferung zweier russischer Staatsbürger zu verlangen. Die namentlich nicht benannten Personen sollen in Zusammenhang mit der Vergiftung Sergei Skripals und seiner Tochter Julia im März diesen Jahres stehen.

In Schutzanzügen untersuchen Ermittler das Grab von Sergej Skripals Ehefrau Ljudmila auf dem Friedhof in Salisbury.

Der Schritt erfolgt nach monatelangen mühsamen Ermittlungen durch Hunderte von Polizisten und Experten. Diese haben das Bewegungsprofil der beiden Russen von ihrer Einreise in das Vereinigte Königreich bis zu ihrer Abreise analysiert. Die Staatsanwaltschaft, die das Auslieferungsersuchen vorbereitet hat, habe den Prozess abgeschlossen und sei bereit zur Einreichung, so die Quellen.

Nach monatelangen Untersuchungen und gegenseitigen Beschuldigungen sind die diplomatischen Beziehungen zwischen Großbritannien und Russland auf einem Tiefpunkt angelangt. Infolge des Anschlags in Salisbury haben westliche Länder über 150 russischen Diplomaten ausgewiesen. Moskau reagierte mit der Ausweisung der gleichen Zahl an diplomatischen Mitarbeitern.

Nach dem Anschlag von Salisbury sind durch einen zweiten Vorfall in der Nachbarstadt Amesbury zwei Menschen angeblich mit der gleichen Substanz vergiftet worden wie zuvor die Skripals. Dawn Sturgess erlag wenig später im Krankhaus den Folgen. Ihr Partner Charlie Rowley überlebte und konnte entlassen werden. Sturgess ist damit das einzige von fünf Opfern in der Skripal-Affäre, das die Vergiftung nicht überlebt hat.

Von Blumensträußen, Drohnen und Türklinken

Im Laufe der Untersuchungen sind diverse Theorien durch die britischen Medien gegangen, wie es zu den Anschlägen kommen konnte.

"Der Kontakt mit den Blumen und den Möbeln im Haus könnte erklären, warum Spuren der Substanz durch die Haut derjenigen Personen aufgenommen werden konnten, die dort Oberflächen berührten – einschließlich des Polizisten Nick Bailey, der nach einem Aufenthalt in dem Haus erkrankte", berichtete die Daily Mail am 10. März.

Am 11. März fokussierten sich die Ermittlungen auf ein von einem Kurierdienst an Sergei Skripal geliefertes Paket, in dem anstelle des Blumenstraußes das Gift transportiert worden sein soll.

Skripal-Affäre: Großbritannien will Auslieferung zweier Russen beantragen

Am 14. März berichtete der Express dann über den neuesten Ermittlungsstand, laut dem das Nervengift an der Türklinke von Sergej Skripals Auto angebracht worden sei.

Einen Tag später zeigten sich die Ermittler dann aber "überzeugt", dass das Gift in dem Koffer transportiert wurde, den Julia aus Moskau kommend zu ihrem Besuch in England mitgenommen hatte. Das Nowitschok könne demzufolge an der Kleidung angebracht oder den Kosmetika beigemischt worden sein, schrieb der Telegraph.

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Laut einem Bericht von ABC News vom 18. März konzentrierten sich die Ermittler danach wieder auf Skripals Fahrzeug. Das Nervengift sei demnach "in staubförmiger Pulverform" in das Belüftungssystem des BMW eingeschleust worden.

Noch am selben Tag präsentierte der Daily Star eine völlig andere Version des Tathergangs. Demnach wurden die Skripals laut "britischen Geheimdienstchefs mit dem Nervengift durch eine ferngesteuerte Drohne besprüht, die über ihnen schwebte, als sie auf der Parkbank saßen", so das Blatt.

Die "Türklinken-Version" gilt inzwischen als die offizielle Darstellung des Tathergangs. In einem Schreiben vom 13. April an den NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg und an die europäischen Staats- und Regierungschefs behauptete Großbritanniens Nationaler Sicherheitsberater, Moskau betreibe ein geheimes Chemiewaffenprogramm.

In den britischen Medien wird der Auslieferungsantrag bereits als aussichtslos bewertet. Russlands Gesetze verböten eine Auslieferung ins Ausland, und das Beispiel Litwinenko habe gezeigt, dass sich Putin von externen Untersuchungen nicht beeindrucken lasse.

Entgegen der offiziellen britischen Linie, der auch die deutsche Regierung folgt, gibt es bisher keine öffentlichen, belastbaren Beweise für eine Täterschaft Moskaus. Daher melden sich in deutschen und britischen Medien zunehmend kritische Stimmen.

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