Jemen-Krieg: USA sollen mit Al-Kaida kooperiert haben

Jemen-Krieg: USA sollen mit Al-Kaida kooperiert haben
Das Vorgehen der von den USA und Großbritannien belieferten und von Saudi-Arabien angeführten Allianz gegen die proiranischen Huthi-Milizen wird von zahlreichen zivilen Todesopfern überschattet.
Seit über drei Jahren führt eine von Saudi-Arabien geführte Militärallianz in enger Zusammenarbeit mit den USA und Großbritannien Luftangriffe in einem der ärmsten Länder der Welt aus. Nun behauptet AP, Washington habe im Jemen mit Al-Kaida zusammengearbeitet.

Was in Syrien mithilfe einer der erfolgreichsten PR-Operationen der Geschichte vertuscht worden sein soll, geschah, glaubt man jüngsten Medienberichten, im Jemen unter freiem Himmel. Während eine Zusammenarbeit mit Al-Kaida in Syrien geschickt unter dem Deckmantel der sogenannten Weißhelme geführt worden sein soll, waren es im Jemen die Saudis, die ihre wahhabitischen "Brüder" - "Söhne des Hadramaut" - für den Krieg gegen die Huthi-Bewegung rekrutiert haben. Riad verfügt über jahrelange Erfahrung in der Pflege von Beziehungen zu wahhabitischen Terrororganisationen.

Laut einer Recherche von AP soll nicht nur Saudi-Arabien mit der Terrororganisation ein Stück des Weges gemeinsam gegangen sein, sondern auch die Vereinigten Staaten von Amerika. Obwohl der Bericht selbst keine Details nennt und Hinweise auf eine mögliche Verantwortung der USA mit gewissen Fragezeichen versieht, erscheint es als durchaus bedeutsam, dass dieser von einem "etablierten" Mainstream-Medium stammt. Der wichtigste Teil des Berichts, in welchem eine mögliche Zusammenarbeit der USA mit Al-Kaida im Jemen angedeutet wird, lautet wie folgt:

Immer und immer wieder hat in den vergangenen zwei Jahren eine Militärkoalition, angeführt von Saudi-Arabien und unterstützt durch die Vereinigten Staaten, behauptet, sie habe entscheidende Siege errungen, mit welchen die Al-Kaida-Kämpfer aus ihren Hochburgen im gesamten Jemen vertrieben und somit deren Möglichkeiten für einen Angriff auf den Westen zerschlagen worden seien. Und hier kommt, was die Sieger nicht erwähnt haben: Viele ihrer Eroberungen kamen, ohne einen einzigen Schuss abgefeuert zu haben. Das kommt daher, weil die Koalition geheime Deals mit Al-Kaida-Kämpfern geschlossen hat, einige von ihnen dafür bezahlt hat, Schlüsselstädte zu verlassen und anderen wiederum erlaubt wurde, sich mit Waffen, Ausrüstung und einem Haufen von gestohlenem Geld zurückzuziehen, wie eine Untersuchung von The Associated Press zum Ergebnis gehabt hat. Hunderte von ihnen wurden rekrutiert, um sich der Koalition selbst anzuschließen.

Diese Darstellung ist für Beobachter des Krieges im Jemen nichts Neues oder Außergewöhnliches. Es gehörte seit mindestens 1979 jahrelang zum Standardrepertoire der Allianz zwischen Washington und Riad, wahhabitische Extremisten in verschiedensten Teilen der Welt für eigene Zwecke zu benutzen. Auch im Zusammenhang mit dem Jemen-Krieg hatte es bereits in einem sehr frühen Stadium solche Andeutungen in den Medien gegeben. Was könnte also der Grund sein, dass AP ausgerechnet jetzt diese Vereinbarungen mit Al-Kaida thematisiert?

Krieg im Jemen sicherte Rüstungsunternehmen in Großbritannien und den USA Milliardenaufträge

Sobald ein Bombenangriff der saudisch geführten Kriegsallianz wieder einmal ein Krankenhaus oder eine Hochzeitsgesellschaft traf, waren die Medien in den USA und Großbritannien jeweils bemüht, mit dem Finger auf Riad und Abu Dhabi zu zeigen. Dabei stecken Washington und London selbst knietief in dem blutigen Krieg im Jemen. Und wie es meistens der Fall ist, spielen handfeste Interessen und Milliarden von Dollar eine Rolle.

In einer Parlamentsanhörung im Oktober 2016 in London wurde Verteidigungsminister Sir Michael Fallon gefragt, ob Großbritannien "spezifische operationelle Beratung" an Saudi-Arabien mit Blick auf die Luftangriffe leiste. Fallon verneinte dies und meinte lediglich, dass man im Zuge laufender Verträge die Royal Saudi Air Force (RSAF) in der "Verbesserung ihrer Zielerfassung" schule.

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Was der damalige britische Verteidigungsminister aber zu erwähnen vergaß, war der Umfang der britischen "laufenden Verträge" mit Saudi-Arabien, die seit 1986 unter dem Namen "Al Yamamah" hunderte Milliarden von englischen Pfund in die Kassen des Schatzmeisters in London spülen. Über 7.000 britische Staatsbürger arbeiten in Saudi-Arabien, um Kampfjets, Bomben und die Ausbildung an den von Großbritannien gelieferten Waffensystemen zu betreuen und zu gewährleisten.

US-Außenminister Mike Pompeo (L) und Abu Dhabis Kronprinz Scheich Mohammed bin Zayed Al Nahyan treffen sich am 10. Juli 2018 im Al-Schati-Palast in Abu Dhabi.

Fast die Hälfte aller britischen Waffenexporte zwischen 2013 und 2017 ging nach Saudi-Arabien. Im Vergleich dazu gingen im gleichen Zeitraum ein Viertel aller Waffenexporte der USA, des größten Waffenexporteurs der Welt, nach Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate, an die beiden Koalitionspartner, die im Jemen versuchen, den 2015 von den Huthi-Rebellen ins Exil gezwungenen Präsidenten Abed Rabbo Mansur Hadi zurück an die Regierung zu bringen.

Für Premierministerin Theresa May stellt das alles aber kein Problem dar. Die Waffenverkäufe an das absolutistisch regierte Königreich, die zum Tod tausender Menschen und zur Verwüstung eines Landes beitragen, "helfen die Menschen auf den Straßen von (Groß-)Britannien sicher zu halten", so die Premierministerin.   

Samantha Power vollzieht 180-Grad-Wende

Auch die Vereinigten Staaten von Amerika ließen sich von den Saudis in diesen Krieg hineinziehen. Der saudische Botschafter in Washington, Adel al-Jubeir, überzeugte den damaligen US-Außenminister John Kerry davon, dass sich das Königreich einer "sehr direkten" Bedrohung in Form einer "Übernahme des benachbarten Jemen durch die Rebellen" konfrontiert sieht. Interessanterweise betrachteten die US-Geheimdienste die saudischen Bedenken als übertrieben und meinten, dass die mutmaßliche Unterstützung des Irans für die Huthi-Bewegung "niemals mehr als ein nützliches Ärgernis" für die Saudis dargestellt hätte.

Die damalige US-Botschafterin bei den Vereinten Nationen, Samantha Power, unterstützte das US-amerikanische Engagement mit Blick auf den Krieg im Jemen, weil es dadurch "wenige zivile Opfer" geben würde. Jüngst aber meldete sie sich über Twitter zu Wort und forderte den Stopp der US-amerikanischen Unterstützung unter dem Eindruck der erneuten Bombardierung eines Krankenhauses durch die von den USA unterstützte Koalition.

Es sollen sogar israelische Offiziere zusammen mit ihren US-amerikanischen Kollegen auf der King Faisal Air Base in Tabuk gearbeitet haben, zumindest wenn es nach einer Namensliste geht, die Zehava Gal-On, Chefin der israelischen Meretz-Partei, veröffentlicht hat.

Für Großbritannien ist der Jemen kein unbekanntes Terrain. Schon seit 1962 führt London an der Spitze der Arabischen Halbinsel mit unterschiedlichen Partnern, aber stets mit Saudi-Arabien als Hauptalliiertem, einen Krieg gegen verschiedene Seiten. Anfang der 1960er ging es gegen Leutnant Abdullah Al-Sallal, der nach dem Tod des jemenitischen Königs Ahmad bin Yahya die Macht ergriffen hatte und von Gamal Abdel Nasser aus Ägypten unterstützt wurde.

Dieser Krieg führte schließlich dazu, dass sich das Land spaltete und im Süden ein neues, eigenständiges Land entstand: die Demokratische Volksrepublik Jemen. Was wir also heute im Jemen erleben, ist im Grunde eine Fortsetzung jener Kriege, die dort bereits vor über 60 Jahren getobt hatten, mit fast den gleichen involvierten Parteien.

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