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Antisowjetischer Held Litauens - Enkelin entlarvt Holocaust-Grausamkeiten von "General Vėtra"

Antisowjetischer Held Litauens - Enkelin entlarvt Holocaust-Grausamkeiten von "General Vėtra"
Eine Rose auf der Gedenkstätte für Holocaust-Opfer in Paneriai bei Vilnius, auf dem Teil der Route, die von Gefangenen des Ghettos von Vilnius bis zu ihrem Tod im Wald von Paneriai zurückgelegt haben.
Jonas Noreika ist ein als litauischer Nationalheld geehrter, vermeintlicher Widerstandskämpfer, sowohl gegen die deutsche Besatzung als auch gegen die sowjetische Führung. Mit anderen baltischen Nationalhelden eint ihn, dass er aktiv am Judenmord beteiligt war.

Jonas Noreika wird in der litauischen Öffentlichkeit als Widerstandskämpfer gefeiert. Sowohl gegen die deutsche Besatzung 1941–1944 als auch gegen das "Sowjetregime" in Litauen habe er sich eingesetzt und dafür gar sein Leben gelassen. Unter seinem Pseudonym General Vėtra (General Sturm) wurde er von der aktuellen litauischen Regierung als "ein wichtiges Mitglied des Widerstands" bezeichnet.

Heldenehrung und Geschichtsverdrehung 

Ehrenmal, Gedenktafeln und Benennungen von Straßen und Schulen ehren den Litauer. Auch ein Buch über ihn beschreibt ihn als einen Widerstandshelden, verfasst von einem Mitstreiter und herausgegeben vom Litauischen Völkermord-Museum. Nach "jahrelangen Diskussionen und internationaler Kritik" hat es in diesem Jahr einen neuen Namen erhalten, da es mit dem Titel und dem Fokus auf die Sowjetzeit das Schicksal der Juden herunterspielte. Wie seine Enkelin Silvia Foti feststellt, war das Gebäude zuvor das KGB-Gefängnis, in dem ihr Großvater 1947 starb und sein Name, zusammen mit vielen anderen, ziert die Marmorwände des nun umbenannten "Museums für Besatzung und Freiheitskampf". Auch das Forschungszentrum für Völkermord und Widerstand, ein staatlich finanziertes Forschungsinstitut in Litauen, ehrt Jonas Noreika als Nationalhelden.

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Noreikas Ruhm reicht weit über die litauischen Landesgrenzen hinaus. Beispielsweise galt er im Chicagoer Viertel mit einer hohen Dichte ausgewanderter Litauer als Märtyrer, der für die Sache der Freiheit Litauens durch den KGB starb, als er gerade 37 Jahre alt war.

Dort wuchs auch seine Enkelin Silvia Foti auf, eine US-amerikanische Belletristin. Ihre Mutter, die Opernsängerin und Tochter von Jonas Noreika, hatte sich intensiv mit dem Vorhaben befasst, ein Buch über den "antikommunistischen Helden des Zweiten Weltkriegs" zu verfassen. Am Sterbebett übertrug sie die Fertigstellung dieser Arbeit an ihre Tochter, seine Enkelin. 

Noreika war Schlüsselfigur im großangelegten Judenmord

Silvia Foti aber wurde bei ihren Recherchen, für die sie auch Reisen in das baltische Heimatland ihres heroischen Großvaters unternahm, mit einem weitaus dunkleren Aspekt der Familiengeschichte konfrontiert: Noreika, der kurz vor der Invasion Nazi-Deutschlands einen Aufstand gegen die pro-sowjetische Regierung anführte, war demnach nicht nur ein Kollaborateur des Nazi-Regimes, sondern sogar eine Schlüsselfigur bei der Organisation der Ermordung von Tausenden von Juden durch litauische Nationalisten.

Foti unterbrach ihre Arbeit an dem Buch aufgrund einer persönlichen Krise, die sie nach diesen Erkenntnissen durchlief. Einzelheiten zu ihren Recherchen und die eigene Reaktion darauf beschreibt sie im Magazin The Salon. Die Enkelin erfuhr immer weitere grausige Einzelheiten darüber, wie in Litauen mehr als 90 Prozent der jüdischen Bevölkerung getötet wurden und über die Rolle ihres Großvaters dabei. Ihre Arbeit schlägt derzeit international Wellen.

Als Kollaborateur erreichte er einen Höhepunkt seiner Karriere im Jahr 1941. Dass er dabei Gewissenskonflikte hatte, wie ein "Mitstreiter" der erschrockenen Enkelin beteuerte, scheint vor allem durch belegbare Taten, aber auch durch Notizen von Noreika selbst widerlegt, welche seine Enkelin in den Unterlagen fand. Darin hetzte er gegen Juden:

Im Großraum Litauen kaufen die Juden alle Farmen auf einer Auktion auf. . . . Ein für alle Mal: Wir kaufen keine Produkte von Juden!

Bei weiteren Recherchen erfuhr sie, dass der vermeintliche Nationalheld ein aktiver Holocaust-Täter war, sah "Gruben, in denen Juden wegen meines Großvaters begraben wurden" und fand heraus, dass er sogar bereits vor Eintreffen der Deutschen in Litauen aktiv war. Er führte, wie sie feststellen musste,

... erste akcija (Aktion) während des Zweiten Weltkriegs durch, bevor die Deutschen kamen. Das fiel mit der Operation Barbarossa am 22. Juni 1941 zusammen, als Hitler in Russland einmarschierte, am selben Tag begann Litauen seinen Aufstand mit den Deutschen gegen die Sowjets und markierte den Beginn eines Holocaust, wo 95 Prozent seiner 200.000 Juden ermordet wurden, der höchste Prozentsatz aller Länder in Europa. 

Am Ende ihrer zweiten Reise nach Litauen kam Foti

zu der Überzeugung, dass mein Großvater die Ermordung von 2.000 Juden in Plungė, 5.500 Juden in Šiauliai und 7.000 in Telšiai genehmigt haben muss.

Anlässlich des 30. Jahrestages der Litauischen Jüdischen Gemeinde zeigt sich diese besorgt über die Fortsetzung der Diskussionen zur Erinnerung an Jonas Noreika und zählt auf ihrer Webseite eine Reihe von Noreikas Aktivitäten auf, die seine "enthusiastische" Teilnahme an der Verübung des Holocaust zeigen.

Noreika und andere Holocaust-Täter als Helden im NATO-Propagandafilm 

Noreika ist eine von vielen historischen Persönlichkeiten im Baltikum, deren Verbrechen nicht nur verharmlost, sondern aktiv schöngefärbt und die als Helden hochgelobt werden.

Andere "Helden", welchen beispielsweise von der litauischen Regierung mit Ehrenmalen gedacht wird, sind Antanas Baltūsis-Žvejas, Juozas Barzda, Konstantinas Liuberskis–Žvainys, Vincas Kaulinis-Miškinis, Juozas Krikštaponis,  Juozas Šibaila, Sergijus Staniškis Litas, Adolfas Ramanauskas Vanagas, Vylius-Vėlavičius and Jonas Žemaitis.

Noreikas Enkelin Foti hat sich mit Grant Gochin, einem jüdischen Mann litauischer Abstammung, zusammengetan. Er hat mehr als 100 nahe und ferne Verwandte identifiziert, die im litauischen Holocaust getötet wurden und sich für das Eingeständnis von Noreikas Rolle bei den Morden eingesetzt.

Angesichts des enormen Widerstands der litauischen Regierung wird der Versuch, sie davon zu überzeugen, ihre Rolle im Holocaust einzugestehen, lang und hart sein. Die Seelen von 200.000 Juden, die auf litauischem Boden begraben sind, verlangen eine solche Abrechnung", so Foti.

Gochin hat jahrzehntelang seine eigene Familiengeschichte untersucht und erfuhr dabei unter anderem von seiner Cousine Sonia Beder, einer Holocaust-Überlebenden, dass bewaffnete Litauer 6.000 Juden in ihrem Dorf drei Tage vor der Ankunft der Deutschen an der Flucht in die Sowjetunion hinderten. Sonia sah, wie Jungen der achten Klasse aus der örtlichen Schule rekrutiert wurden, um diese jüdischen Opfer zu erschießen, und wie der Bart eines Rabbi angezündet wurde.

Derweil gab und gibt es vielerlei gegenläufige Bestrebungen zu den Versuchen der Aufklärung über die Holocaust-Verbrechen. Das staatliche litauische Genozid-Forschungszentrum beispielsweise verurteilt öffentlich die Recherchen und Aussagen von Gochin. 

Die Militärallianz NATO, die von ihren Mitgliedern mit Hinweis auf die Gefahr aus dem Osten immer höhere Rüstungsausgaben verlangt und auf unterschiedlichen Wegen auch bekommt, investiert regelmäßig in filmische Umsetzung der Realitäts- und Geschichtsverdrehung für ihre eigenen propagandistischen Zwecke. Auf dem Youtube-Kanal der NATO findet sich ein "Doku-Drama" über die "Waldbrüder", in dem diese und die heutigen Spezialeinheiten Litauens - als "direkte Nachkommen der Waldbrüder" - zu Wort kommen. Die russische Botschaft verweist darauf, wie derartige Verbrecher im anti-russischen Wahn der NATO glorifiziert werden.

Noreika gehörte zu diesen sogenannten "Waldbrüdern" - Balten, die sich einen Namen machten, nämlich als "antisowjetische Partisanenkämpfer" durch Guerilla-Kämpfe in Wäldern. Das Drama zeichnet ein Bild von David gegen Goliath und vom heldenhaften Sieg der baltischen Kämpfer, welche sich am Ende des Zweiten Weltkriegs in den Wäldern verschanzten, um sich den "blutigsten Guerillakrieg Europas gegen die sowjetischen Besatzer" zu liefern. Der Film zeigt drollige, alte Herren, die lachend oder stolz erzählen, wie sie sich in ihrer Jugend den bewaffneten, gewaltbereiten Sowjet-Bestien entgegenstellten, obwohl diese auch noch in der Überzahl waren. 

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Unerwähnt bleiben in diesem Film um die Nationalhelden jedoch zwei zum Verständnis der Geschichte nicht unwesentliche Aspekte. Zum einen, dass David nicht ganz so unbewaffnet gegen Goliath in den Kampf zog, wie es der Mythos gern hätte. Unterstützung erhielten die Waldbrüder in den 1940er und 1950er Jahren von westlichen Geheimdiensten - darunter von der CIA, dem MI6 und vom schwedischen Geheimdienst. Auch die Tarnorganisation British Baltic Fishery Protection Service unterstützte die baltischen Kämpfer gegen die Sowjetunion. Zum Kern dieses vermeintlichen Fischereischutzdienstes gehörte eine Marineeinheit mit deutschen Besatzungen sowie Boote aus dem berüchtigten Hause Lürssen - also aus der Werft, welche in den letzten Jahren durch die Produktion von Patrouillenbooten für Saudi-Arabien im humanitär verheerenden Jemenkrieg Milliarden verdiente.

Irina Jarowaja

Der andere Aspekt, welcher in dem NATO-Video "fürsorglich" ausgespart wird, ist, dass mehrere der Waldbrüder sich auch bei der brutalen Auslöschung von einfachen baltischen Mitbürgern hervortaten, nur weil diese Juden waren.

Einige der Waldbrüder zählten zu den Hauptakteuren, betätigten sich beispielsweise in Mord-Kommandoeinheiten, wie in Arājs, die 1941-1942 fast 67.000 lettische Juden vernichtete, 90% der lettischen Vorkriegsjuden. In Litauen wurden - auch dank des Einsatzes der "Patrioten" - gar über 95% der Juden eliminiert.

Weiterhin waren einige der Heldenhaften von der Hoffnung auf einen Krieg zwischen der Sowjetunion und dem Westen motiviert. Die NATO, die sich selbst - frei von Ironie - gern auf die Seite der Menschenrechte stellt, höhlt ebendiese einmal mehr aus, indem sie die Geschichte für die eigenen Zwecke verfälscht und missbraucht. 

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Gleichzeitig verbreiten litauische Diplomaten immer wieder die These der angeblichen "Zusammenarbeit zwischen zwei totalitären Regimen" - der UdSSR und Nazi-Deutschlands. Weiter kann man sich von der Geschichtsschreibung wohl kaum entfernen, wie auch die Urteile des Internationalen Militärgerichtshofs in Nürnberg vom 30. September bis 1. Oktober 1946 zeigten, aus denen namentlich hervorgeht, wer den kriminellen Angriffskrieg unter anderem gegen die Sowjetunion, aber zuvor auch gegen viele andere Länder vorbereitet hatte.

Auch die NATO ignoriert in ihrer Verherrlichung der Kämpfer gegen die Sowjetunion, dass es die Sowjetunion war, die in der Anti-Hitlerkoalition mit Briten, Amerikanern und Franzosen zusammenarbeitete, um Hitlers völkermordende Truppen zurückzudrängen und vernichtend zu schlagen.

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