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US-Wissenschaftler: Schuld für Konfrontation mit Russland liegt zu 95 Prozent bei USA

US-Wissenschaftler: Schuld für Konfrontation mit Russland liegt zu 95 Prozent bei USA
Stephen Cohen und John Mearsheimer äußern sich zu den Beziehungen zwischen den beiden Ländern und zur Haltung der Entrüsteten, die möglicherweise eine Amtsenthebung Trumps der Vermeidung eines Krieg gegen Russland vorziehen. Ihr Fazit ist eindeutig.

Mit seinem Kommentar, die USA seien für die Verschlechterung der Beziehungen zu Russland verantwortlich, hatte US-Präsident Donald Trump nach dem bilateralen Gipfel mit dem russischen Präsidenten in Helsinki eine Welle der öffentlichen Entrüstung losgetreten, sogar unter Republikanern. 

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Doch die folgenden Sätze stammen nicht vom US-Präsidenten:

Es wäre toll, mit Russland zusammenzuarbeiten. Ich würde noch weiter gehen: Es ist unerlässlich.

Ich habe überlegt, wie wir an den Rand des Krieges mit Russland gekommen sind, wo wir seit Kuba 1962 nicht mehr waren. Und ich bin zu dem Ergebnis gekommen - worüber ich gern auch mit meinen Gegner zu diskutieren würde -, dass es zu 95 Prozent unsere eigene Schuld ist."

Stephen F. Cohen ist ehemaliger Professor an der Princeton University und der New York University und hat sich in seiner akademischen Laufbahn vorrangig mit Russland und der Sowjetunion sowie mit deren jeweiligen Beziehungen zu den USA befasst.

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John Mearsheimer ist ein weltbekannter US-amerikanischer Wissenschaftler für internationale Beziehungen und Professor an der University of Chicago.

Beide hatten sich bereits zuvor geweigert, eine klar binäre Position entlang der Konfliktlinien des Kalten Krieges zugunsten der US-Politik einzunehmen. In ihrem Widerspruch zum aktuellen Konsens in Washington sahen sie sich in die Ecke der "Putin-Versteher" gedrängt beziehungsweise einem "Tsunami von Angriffen ausgesetzt", wie Cohen es ausdrückt.

Diese kämen auch von "ehemals ausgezeichneten Publikationen", die ein Bedürfnis danach bedienen würden. Und die Frage, die Mearsheimer dazu stellt, ist,

warum die Leute sich nicht auf Diskussionen mit uns zu dem Thema einlassen. Und der Grund qist, dass sie diese verlieren würden. Putin war der einzige, der sich den Vereinigten Staaten widersetzt hat.

US-Präsident Donald Trump empfängt einen Fußball vom russischen Präsidenten Wladimir Putin, der nach seinem Treffen am 16. Juli 2018 in Helsinki, Finnland, eine gemeinsame Pressekonferenz veranstaltet. REUTERS/Grigory Dukor TPX BILDER DES TAGES

Der wichtigste Ausdruck dessen sei die Ukraine-Krise gewesen. Wer die Schuld an dieser trage, ist für Mearsheimer recht klar - die USA und ihre westeuropäischen Verbündeten.

Cohen pflichtet ihm bei und fügt hinzu, dass eine "Übernahme" der Ukraine in die wirtschaftlichen und militärischen Strukturen des Westens, also der NATO, Russland derart beschnitten hätte, dass es zu dem würde, was Obama eine "schwache Regionalmacht" nannte.

Zur Frage des Reporters, ob denn Ukrainer oder andere Menschen nicht das Recht hätten, sich von Russland abzuwenden, gehen die Politikwissenschaftler nicht weiter auf den Punkt ein, wie viele Ukrainer dies denn wirklich wollten, sondern verweisen auf von ihnen anerkannte Gesetzmäßigkeiten der internationalen Beziehungen und die Gefahr für die Sicherheit.

Was wäre denn, wenn die Sowjetunion oder zukünftig China Militärallianzen mit Mexiko und Kanada schmieden würden? Wir würden das niemals dulden", so Mearsheimer.

Cohen meint, dass in einem solchen Fall alle Beteiligten doch wohl verlangen würden, dass der US-Präsident reagieren müsse. 

Wäre das eine Aggression, wenn er reagieren würde?

"Es wäre defensiv", beantwortet Mearsheimer die Frage.

Wir haben Putin dämonisiert und Russland putinisiert, also dämonisieren wir Russland", so Cohen.

In den Vereinigten Staaten sei Russophobie sehr stark ausgeprägt, erläutert Cohen. Er habe überlegt und nochmals nachgedacht, wie die USA an den Rand eines Krieges mit Russland gelangen konnten, wie man es seit der Kuba-Krise 1962 nicht gewesen sei. Er sei zu dem Schluss gekommen, dass dies zu 95 Prozent die Schuld der USA sei.

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Zur Frage, ob die Wahrscheinlichkeit eines Krieges mit Russland durch die Präsidentschaft Trumps zu- oder abnehme, äußert sich Cohen durchaus kritisch über den US-Präsidenten. Dieser mache viele Fehler, jedoch stimme er mit ihm in dem einen Punkt, der dem Professor besonders wichtig erscheint, überein:

Es wäre toll, mit Russland zusammenzuarbeiten. Ich würde noch weiter gehen, Es ist unerlässlich.

Durch die Angriffe auf ihn werde Trump davon abgehalten, das zu tun,

was wir von jedem Präsidenten verlangt haben: uns aus einem Krieg mit Russland herauszuhalten.

Er hoffe, dass die beiden Präsidenten eine Reihe von Vereinbarungen treffen, die die Sicherheit garantieren.

Die feindselige Einstellung des Establishments gegenüber dem Helsinki-Gipfel erklärt Mearsheimer damit, dass viele eigentlich Trump untergraben wollen. Dabei müssten sie zunächst erklären, wie es überhaupt dazu kam, dass er zum Präsidenten gewählt wurde. Die einige Erklärung dafür, die akzeptabel erscheine, sei, dass die US-Bürger betrogen worden seien.

Cohen führt aus, dass man sich angesichts der Haltung, die eine Amtsenthebung Trumps der Abwendung eines Krieges vorzieht, möglicherweise eines nuklearen, im Falle eines Krieges nicht mehr auf Trump als Schuldigen beziehen könnte, sondern man sich diese selbst zuzuschreiben habe.

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