Der Schuss ging nach hinten los: Facebook-Spiel der NATO floppt bei Usern

Der Schuss ging nach hinten los: Facebook-Spiel der NATO floppt bei Usern
Eine vermeintlich sichere Sache. Sei hip und entwickle ein Facebook-Spiel dachte sich die NATO wohl, um auf diese Weise die Jugend für den "Kampf gegen Desinformation" zu gewinnen. Doch der Schuss ging schon nach einer Woche nach hinten los.

Dass "russische Desinformation" die Welt und nicht zuletzt die transatlantische Wertegemeinschaft bedroht, ist für die NATO-Granden ausgemachte Sache. Dies wurde zuletzt auch auf dem Gipfel der NATO-Außenminister in Brüssel deutlich. Beim selbstreferenziellen Beisammensein wurde ein weiteres Mal das Zerrbild der "hybriden Bedrohung" durch Moskau bemüht. In einem entsprechenden Strategiepapier des Atlantic Council wurden schwere Geschütze aufgefahren. Demnach gehe es der russischen Regierung unter anderem darum, "(…) westliche Demokratien und liberale Werte zu diskreditieren und eine postfaktische Welt zu kreieren".

NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg auf dem Treffen des transatlantischen Militärbündnisses in Brüssel, Belgien

Neben einem Sammelsurium Gemeinschaft stiftender Maßnahmen der NATO-Mitglieder erstreckte sich das aufklärerische Sendungsbewusstsein offensichtlich auch auf die Welt des größten sozialen Netzwerks – Facebook. Was liegt schließlich näher, als dieses Vehikel zu nutzen, um ganz unverfänglich die Hunderte von Millionen User von der NATO-Definition der Wahrheit zu überzeugen? Die passende "Waffe auf dem Schlachtfeld der Desinformation": ein Online-Spiel mit dem Ziel der Bewusstseinsschärfung. Am 14. Juli hieß es dazu:

Wissenschaftler der Verteidigungsallianz haben ein Facebook-Spiel entwickelt, von dem sie glauben, dass es den Leuten hilft, sorgfältiger zu sein, wenn sie online Nachrichten teilen.

Da darf ein knackiger Name nicht fehlen. Die NATO-Entwickler entschieden sich am Ende für "The News Hero". Ein Held im Kampf für die gerechte Sache, das zieht immer.

Die Zeit wird zeigen, ob es erfolgreich sein wird", erklärte Nika Alexejewa vom NATO Strategic Communications Centre of Excellence mit Sitz in Lettland zum Start des Online-Spiels.

Bei dem Spiel handelt es sich jedoch nicht um eines der angesagten Action- oder Strategiespiele. Vielmehr nimmt der Spieler den Platz eines Nachrichtenverlegers in seinem Redaktionsbüro ein. Die vermeintlich spannende Aufgabe der Gamer besteht dann darin, die über ihren Schreibtisch gehenden Nachrichten als "echt", "fake" oder im schlimmsten aller Fälle als russische Desinformationskampagne zu identifizieren. Das jedoch nicht durch eigenständige Recherche, sondern unter Zuhilfenahme eines Faktencheckers.

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Auf der Facebook-Seite von "The News Hero" heißt es zu den vermeintlich kniffligen Regeln und dem fesselnden Ziel des Spiels:

Um Ihr Unternehmen bekannt zu machen und ein Publikum zu gewinnen, müssen Sie akkurate Nachrichten veröffentlichen. Beachten Sie die Hinweise auf dem Bildschirm "Fact Checker" und überprüfen Sie die eingehenden Meldungen. Mit jedem Level, das immer schwieriger wird, können Sie neue Assistenten einstellen und Dinge erhalten, um Ihr Büro anzupassen. Das steigert die Leistungsfähigkeit Ihrer Mitarbeiter und hilft Ihnen, mehr zu verdienen. Das Spiel ist in drei Ebenen unterteilt, die den Spieler darüber informieren, wie er zwischen der Tatsache und der Fiktion unterscheiden kann. Sind Sie bereit für die Herausforderung? Laden Sie Ihre Freunde ein und klettern Sie in der Rangliste nach oben!

Über mehrere Monate feilten acht Entwickler des NATO-Zentrums in Lettland, das sich in seinem Selbstverständnis als "fokussiert auf das Kontern von Desinformation" begreift, an ihrem Produkt. Wie viele Steuergelder in die Entwicklung des Spiels flossen, mochten die Entwickler derweil nicht verraten.

Wie dem auch sei, der gesamte Einsatz von Ressourcen scheint sich ohnehin alles andere als gelohnt zu haben. So verzeichnet das Facebook-Spiel nach einer Woche über ganze vierzehn Likes und wurde fünfmal geteilt. Wie viele der Likes oder Shares von den Entwicklern selbst stammen, bleibt Spekulation. Unter folgendem Link werden die User gebeten, den Entwicklern ihr Feedback zum Spiel zu senden.

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