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Wie kamen Waffen aus Bosnien und Serbien zu den al-Kaida-Terroristen in Syrien?

Wie kamen Waffen aus Bosnien und Serbien zu den al-Kaida-Terroristen in Syrien?
Mitglieder der al-Nusra-Front, einem Ableger der al-Kaida-Terrororganisation, bereiten sich hier 2015 darauf vor, eine Mörsergranate auf Streitkräfte der syrischen Armee zu feuern. Laut einem Bericht bekam die Terrorgruppe Waffen aus mehreren Balkanländern.
Granatwerfer aus Bosnien-Herzegowina und Maschinengewehre aus Serbien bei al-Kaida-Terroristen in Syrien? Das belegen Unterlagen, die ein britischer Journalist in Ost-Aleppo fand. Jetzt stellt sich aber die Frage, wie sie dahin gelangen konnten.

In den letzten Monaten tauchten vermehrt Meldungen auf, dass Waffen aus der Balkan-Region auf Umwegen über verschiedene Länder des Nahen Ostens in die Hände der Terroristen in Syrien gelangten, zum Beispiel in Bosnien-Herzegowina produzierte Rüstungsgüter. So meldete die im serbischen Teil von Bosnien-Herzegowina angesiedelte Nachrichtenagentur Srna erst im April dieses Jahres, dass rund 80 Prozent der im Land hergestellten Waffen und Munition an islamische Länder wie Saudi-Arabien verkauft würden, aber am Ende bei den IS-Kämpfern, den al-Kaida-Terroristen oder bei Kämpfern der mit ihr verbündeten Terrorgruppe al-Nusra-Front landen würden.

In ihrem Bericht berief sich die serbisch-bosnische Nachrichtenagentur auf sehr gut informierte Sicherheitskreise Bosnien-Herzegowinas. Einige Politiker aber taten dies als bloße Spekulation ohne jegliche Beweise ab. Nun erschien aber vor ein paar Tagen in der britischen Internet-Zeitung The Independent ein Bericht, der die angeblich fehlenden Beweise für solche Behauptungen liefern könnte. Zudem werden noch weitere Balkan-Länder genannt, deren Produkte ebenfalls bei den Terroristen im Umlauf seien.

In Ost-Aleppo fand ein Journalist Dokumente über Waffenlieferungen nach Saudi-Arabien

Die brisanten Unterlagen fand der britische Journalist Robert Fisk laut Bericht 2017 im Keller eines zerbombten Waffenlagers der al-Kaida-Kämpfer in Ost-Aleppo. Zwischen Schutt und Eisenteilen entdeckte der Reporter einen Stapel weggeworfener Dokumente mit Schießanweisungen für Maschinengewehre und Mörser, alle in englischer Sprache. In den Unterlagen stieß er demnach auf mehrere Namen, Hersteller der Waffen, sogar auch Garantiescheine für gelieferte Waren. Bei den Zulieferern handelte es sich um Fabriken aus Bosnien-Herzegowina und Serbien. In einem anderen Gebäude fand er bulgarische Waffen-Lieferpapiere für Artilleriegeschosse und leere Kisten für Panzerabwehrwaffen, die alle mit ihrem Herstellernamen - einer Firma aus den USA - gekennzeichnet waren. 

Der Journalist besuchte daraufhin die in den Dokumenten aufgeführte Mörser-Fabrik BNT-TMiH aus Novi Travnik in Zentral-Bosnien und fand auch den Mann, dessen Name in den Garantiescheinen auftauchte. Ifet Krnjic war bis kurz vor dem Besuch des Reporters Leiter der Waffenkontrolle des bosnischen Rüstungsunternehmens. Der nun frisch pensionierte 64-Jährige bestätigte gegenüber The Independent die Echtheit der Papiere.

Ehemaliger Mitarbeiter der Waffenfabrik in Bosnien-Herzegowina bestätigt Lieferung nach Saudi-Arabien

"Das ist meine Unterschrift! Ja, das bin ich!" Beim Dokument handele es sich um den Garantieschein für einen 120mm-Mörser, so der 64-Jährige. Krnjic erklärte auch ganz genau, wohin die Bestellung ging: "Das ging nach Saudi-Arabien. Es war Teil einer Lieferung von 500 Mörsern. Ich erinnere mich gut an die Bestellung der Saudis. Sie (die Saudis) kamen Anfang 2016 in unsere Fabrik, um die Waffen zu inspizieren." Laut Krnjic seien diese Verkäufe strikt für Riad bestimmt gewesen. Auch die Endbenutzer-Zertifikate lagen vor, die besagten, dass die Waffen nur von den Streitkräften der Nation verwendet werden sollten, die sie auch kauften.

Laut Papieren verließen die Mörser Bosnien im Januar 2016 und mussten laut Bericht spätestens im Juli des gleichen Jahres in Ost-Aleppo angekommen sein, denn die syrische Armee hatte bis Ende Juli diesen Teil der Stadt, in dem sich bewaffnete Gruppen wie al-Nusra, IS-Kämpfer und andere islamistische Gruppen aufhielten, vollständig eingekesselt.

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Zu den entdeckten Dokumenten reagierte die Botschaft Saudi-Arabiens in London gegenüber der Zeitung lediglich mit den Worten, dass das Königreich keine "praktische oder andere Art der Unterstützung irgendeiner terroristischen Organisation in Syrien oder in einem anderen Land" geleistet habe und beschrieb laut Bericht die von The Independent erhobenen Anschuldigungen als "vage und unbegründet". Saudi-Arabien sei demnach "eine führende Stimme innerhalb der internationalen Gemeinschaft zur Unterstützung einer diplomatischen Lösung des Konflikts in Syrien gewesen", während es gleichzeitig mit seinen Nachbarn und Verbündeten zusammenarbeitete, um dem Wachstum der Kräfte des Extremismus entgegenzuwirken. Die in Syrien vorgefundenen Lieferscheine kommentierte die saudische Botschaft nicht.

Waffenproduktion steht unter strikter Kontrolle der EU und NATO

Bei den Waffenlieferungen aus Bosnien-Herzegowina muss man auch vor Augen haben, dass von diesen Sendungen nach Riad, die nun aber offenbar in Syrien gelandet sein sollen, auch die NATO gewusst haben muss. Dies bestätigte auch der Geschäftsführer des Werks in Novi Travnik, Adis Ikanovic. Alle Waffenlieferungen, auch nach Saudi-Arabien, seien von der multinationalen EU-Militärmission EUFOR, dem Nachfolger der NATO-Schutztruppe SFOR, kontrolliert und im Rahmen des Dayton-Abkommens von 1995, mit dem der Bosnien-Krieg beendet wurde, durchgeführt worden.

Auch Ifet Krnjic sagte dem britischen Reporter, dass die gesamte Produktion nach dem bosnischen Krieg unter der Kontrolle der Amerikaner und der NATO stehe, "die immer wieder hierher kommen... und sie kennen jede einzelne unserer Waffen, die unsere Fabrik verlassen."

In den ehemaligen Einzelstaaten Jugoslawiens unterstützten noch viele Menschen die Ideen des sozialistischen Republikgründers Josip Broz Tito:

Robert Fisk besuchte auch ein anderes Land, das ebenfalls an Riad Waffen geliefert haben sollte - Serbien. Die Fabrik Zastava aus Kragujevac hatte laut Unterlagen, die ebenfalls in Ost-Aleppo entdeckt wurden, Maschinengewehre nach Saudi-Arabien verkauft. Milojko Brzakovic, Geschäftsführer der serbischen Waffenfabrik sagte gegenüber der Zeitung: "Es gibt kein einziges Land im Nahen Osten, das in den letzten 15 Jahren keine Waffen von Zastava gekauft hat." So bestätigte er auch, dass die Papiere tatsächlich von seinem Unternehmen ausgestellt worden seien, und dass Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate zu seinen Kunden gehörten.

Beide Geschäftsführer betonten laut Bericht, dass die Waffenfirma für jeden Export ein international anerkanntes Endverwender-Zertifikat erhalten müsse. Doch sie als Exporteure hätten weder eine Verpflichtung noch überhaupt eine Möglichkeit, die weitere Lieferung ihrer Waffen an Dritte zu verhindern, nachdem sie am vertraglich vereinbarten Bestimmungsort angekommen seien.

Waffenverkäufe aus Bosnien-Herzegowina und Serbien nehmen stetig zu

Trotz eines verheerenden Bürgerkriegs (1992-1995) mit rund 100.000 Opfern läuft in Bosnien-Herzegowina in den letzten Jahren die Waffenproduktion auf Hochtouren. Nach offiziellen Angaben gibt es insgesamt zwölf Firmen, allesamt in der Moslemisch-Kroatischen Föderation, in denen unter anderem Haubitzen, Raketenwerfer und Gewehre hergestellt werden. Bei fünf davon handelt es sich um private Unternehmen. Allein 2017 exportierte Bosnien Waffen in Wert von rund 195 Millionen Konvertibler Mark (KM, rund 96 Millionen Euro). Im Jahr 2015 waren es noch 136 Millionen KM (rund 68 Millionen Euro), was wiederum um 47 Prozent mehr war als 2014. 

2013 unterzeichnete die Regierung der moslemisch-kroatischen Entität eine Absichtserklärung mit dem US-Unternehmen Howell Machine über die Produktion, Entwicklung und den Handel mit Waffen und militärischer Ausrüstung.

Auch die serbische Rüstungsindustrie produziert und exportiert in den letzten Jahren immer mehr. 2016 exportierte Serbien Waffen im Wert von rund 800 Millionen Dollar, vor allem nach Saudi-Arabien, Zypern und Vietnam. 2017 sollen Liefer-Verträge im Wert von rund 890 Millionen Dollar unterzeichnet worden sein.

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