Fehlendes Dokument? Türkische Behörden schließen Schule der deutschen Botschaft in Izmir

Fehlendes Dokument? Türkische Behörden schließen Schule der deutschen Botschaft in Izmir
Wurde jüngst geschlossen: Die deutsche Botschaftsschule in Izmir.
Am Samstag sollen Beamte des türkischen Bildungsministeriums und lokale Behördenvertreter die deutsche Botschaftsschule in Izmir betreten und für geschlossen erklärt haben. Der Vorfall könnte neue Spannungen im deutsch-türkischen Verhältnis bewirken.

Die jüngste Schließung der deutschen Botschaftsschule in Izmir könnte für eine neue Runde diplomatischer Verwicklungen zwischen Deutschland und der Türkei sorgen. Die deutsche Botschaft in Ankara hat am 30. Juni eine Erklärung von der türkischen Regierung gefordert, nachdem diese die deutsche Privatschule in der westtürkischen Stadt "ohne Begründung" geschlossen habe.

In einer Erklärung der Botschaft heißt es:

Ein Zweig der deutschen Botschaftsschule wurde am 28. Juni von der örtlichen Abteilung des türkischen Bildungsministeriums geschlossen.

Man fordere die türkische Regierung dazu auf, "unverzüglich die Gründe für die Schließung der Schule mitzuteilen" und betonte, diese seien ein "essenzielles" Element kultureller und bildungspolitischer Beziehungen zwischen beiden Ländern.

Die Deutsche Welle berichtete unterdessen unter Berufung auf die dpa, die Behörden hätten die Schule wegen einer fehlenden Lizenz geschlossen. Dies sei demnach auch dem Schulleiter Dirk Philippi mitgeteilt worden.  

"Könnte auch nur an einem fehlenden Dokument liegen"

Philippi erklärte, eine Gruppe von Amtsträgern sowohl aus lokalen Behörden als auch aus dem Bildungsministerium habe am Samstag, einen Tag nach Ferienbeginn für die dortigen Schüler, das Gebäude betreten und ihm "schriftlich und mündlich" mitgeteilt, dass die Schule geschlossen würde. Der Bildungskomplex, der aus einem Kindergarten und einer Schule besteht, betreut etwa 180 Kinder und junge Menschen zwischen 2 und 20 Jahren.

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Die Einrichtung in Izmir stellt nach einen Angaben eine "Abteilung der Privatschule der deutschen Botschaft in Ankara" dar. Strukturell jedoch, so Philippi, sei die Einrichtung dem Generalkonsulat in Izmir zugeordnet.

Ich bin mir sicher, das ist nur eine temporäre Schließung", fügte Philippi hinzu. Der Vorfall könne auf einem so schlichten Umstand wie einem fehlenden Dokument beruhen.

Merkel unter ersten Gratulanten nach Erdogan-Wiederwahl

Der Vorfall fällt in eine Zeit, in der das deutsch-türkische Verhältnis wieder als relativ entspannt galt gemessen an der Situation in den Jahren zuvor. Faktoren wie die Bundestagsentscheidung zum von mehreren Staaten so eingestuften, von der Türkei jedoch bestrittenen sogenannten Armenier-Genozid von 1915/16 im Juni 2016, Kritik am Vorgehen der türkischen Regierung nach dem gescheiterten Putschversuch vom Juli des gleichen Jahres oder Auftrittsverbote für türkische Politiker in Deutschland vor dem Verfassungsreferendum 2017 hatten vielfach für harsche Worte aus Ankara gesorgt.

Nach der Wiederwahl des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan bei den vorgezogenen Wahlen in der Türkei am 24. Juni gehörte Deutschlands Bundeskanzlerin Angela Merkel jedoch zu den ersten Gratulanten und erklärte, sie freue sich auf eine Zusammenarbeit mit der Türkei, insbesondere

mit einer stabilen und pluralistischen Türkei, wo demokratische Teilhabe und Rechte wieder gestärkt werden.

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