Experte: Sand wird wegen Knappheit zum begehrten Gut auf dem Schwarzmarkt

Experte: Sand wird wegen Knappheit zum begehrten Gut auf dem Schwarzmarkt
Ein weltweiter Mangel an Sand veranlasst Schwarzmarktbanden, große Mengen des Sediments aus Flüssen und von Stränden zu stehlen. Wissenschaftler warnen davor, dass uns der weltweite Vorrat an Sand „durch die Finger rinnt“.

Statistiken zeigen, dass die Menschheit weltweit jährlich 50 Milliarden Tonnen Sand verbraucht, was doppelt so viel ist, wie jeder Fluss der Welt im gleichen Zeitraum produziert.

Der Schriftsteller und Journalist Vince Beiser, der ein Buch zu genau diesem Thema geschrieben hat, zeigt sich daher alarmiert:

Sand ist der wesentliche Bestandteil, der das moderne Leben möglich macht. Und er wird langsam knapp."

Das liege vor allem daran, dass die Zahl und Größe der Städte explodiere, was besonders auf die Entwicklungsländer zutreffe, erklärte Beiser dem Medium Business Insider.

Jedes Jahr gibt es mehr Menschen auf dem Planeten, und jedes Jahr ziehen mehr von ihnen in die Städte. Seit 1950 hat sich die Weltbevölkerung von 746 Millionen auf über 3,9 Milliarden erhöht."

Die Nachfrage nach Bauschotter wird nach Angaben der Forscher der Freedonia Group im Jahr 2019 um 5,2 Prozent auf 51,7 Milliarden Tonnen steigen. Einige schätzen, dass der Anteil von Sand am gesamten Schottergeschäft bereits 70 Milliarden US-Dollar Jahresumsatz beträgt.

Bis zu 90 Prozent der weltweiten Strände sind seit 2008 um durchschnittlich 40 Meter geschrumpft. Populäre Küstenorte haben ihre sterbenden Strände mit noch mehr Sand aufgefüllt, der aus anderen Ländern importiert wurde. Bis zu 70 Prozent der Strände Südkaliforniens könnten bis zum Jahr 2100 vollständig erodiert sein.

China hat in den letzten Jahren mehr Sand verbraucht als die Vereinigten Staaten im Laufe des 20. Jahrhunderts. In Indien ist das Geschäft mit dem Sand so heiß geworden, dass er von der organisierten Kriminalität übernommen wurde, die ihn illegal abbaut und auf dem Schwarzmarkt verkauft. Die Sandmafia, Indiens stärkste kriminelle Organisation, beschäftigt 75.000 Menschen, um in Flüssen nach Sand zu tauchen. Taucher arbeiten Zwölfstundenschichten, in denen sie bis zu 200 Mal pro Schicht tauchen und dabei nur 15 US-Dollar pro Bootsladung verdienen.

Das UN-Umweltprogramm hat bereits eine bessere Preisgestaltung und Besteuerung des Sandabbaus vorgeschlagen. Die sofortige Notwendigkeit, Regelungen in allen Ländern sowie in internationalen Gewässern zu schaffen, wird auch empfohlen.

Wir sind auf dem besten Weg, in den nächsten 20 Jahren ein Planet mit mindestens neun Milliarden Menschen zu sein. Die meisten von ihnen werden Ressourcen so verbrauchen wollen, wie wir es in der westlichen Welt tun, und das ist einfach physisch unmöglich", betonte Beiser.

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