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Umfrage: Deutliche Meinungsdifferenzen zwischen Juden in Israel und den USA

Umfrage: Deutliche Meinungsdifferenzen zwischen Juden in Israel und den USA
Bild: Ronen Zvulun/Reuters
Eine Umfrage unter jeweils etwa 1.000 Angehörigen jüdischer Gemeinschaften in Israel und den USA hat erhebliche Auffassungsunterschiede zu wichtigen politischen Fragen erkennen lassen. Insbesondere zu Donald Trump gehen die Meinungen auseinander.

Im November des Vorjahres hatte die stellvertretende israelische Außenministerin Tzipi Hotovely mit einigen Äußerungen über die jüdische Diaspora in den USA für diplomatische Unwägbarkeiten gesorgt. Sie warf weiten Teilen der jüdischen Community in den USA ein fehlendes Verständnis für die geopolitische Situation Israels vor, diese würden in den Vereinigten Staaten ein "bequemes Leben" führen - ohne Wehrpflicht und ohne stetige Bedrohung durch den Terrorismus.

Dies wurde in Regierung und Opposition als Form der pauschalen Herabwürdigung der jüdischen Community in den USA aufgefasst, sogar Premierminister Benjamin Netanjahu fühlte sich damals genötigt, sein Kabinettsmitglied öffentlich zurechtzuweisen. Hotovely relativierte daraufhin ihre Aussagen.

Eine jüngst innerhalb der jüdischen Gemeinschaften beider Staaten durchgeführte Umfrage zeigt jedoch, dass es in der Wahrnehmung bedeutender politischer Fragen, die das Judentum als solches als auch die politische Situation in und um Israel betreffen, zum Teil sehr gravierende Unterschiede zwischen in den USA lebenden Juden und jenen in Israel gibt. Dabei zeichnen sich in der Tendenz deutlich liberalere Einstellungsmuster innerhalb der Diaspora ab. Über die Ergebnisse der Studie berichtet die nationalkonservative Nachrichtenplattform Arutz Sheva.

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In den USA befragte Geocatography in der Zeit vom 18. April bis zum 10. Mai per Telefon 1.000 dortige Mitglieder der jüdischen Community über 18 Jahren bei einer Fehlertoleranz von 3,1 Prozent. In Israel übernahm SSRS diese Aufgabe und sprach mit 1.001 jüdischen Einwohnern des Landes bei einer Fehlertoleranz von 3,9 Prozent. Auftraggeber beider Erhebungen war das Amerikanische Jüdische Komitee (AJC).

Juden in Israel von Donald Trump begeistert

Die Antworten, die die beteiligten Institute erlangten, lassen zum Teil deutliche Unterschiede in den Positionen zu Themenkomplexen wie den jüdischen Gemeinschaften in den umstrittenen Gebieten westlich des Jordans, dem religiösen Pluralismus und sogar zu der Frage erkennen, in welchem Umfang man sich selbst als eine "Familie" begreift. Insbesondere aber die Einschätzung des US-Präsidenten Donald Trump und dessen Politik spaltet die jüdischen Gemeinschaften dies- und jenseits des Atlantiks.

Insgesamt begrüßen 77 Prozent der Juden in Israel die Art und Weise, in der Trump das bilaterale Verhältnis zwischen den beiden engen Verbündeten pflegt, während nur zehn diese missbilligen. Innerhalb der Diaspora in den USA war das Verhältnis mit 34 zu 57 Prozent gegenläufig. Die Diskrepanz zeigt sich auch beim bis dato meistbeachteten Schritt der US-Regierung im bilateralen Verhältnis, der Verlegung der US-Botschaft von Tel Aviv-Jaffa nach Jerusalem. Während Juden in Israel diese Entscheidung mit 85 gegen sieben Prozent fast einhellig begrüßen, ist die US-Diaspora mit 46 Prozent Pro und 47 Prozent Contra gespalten.

In den USA lebende Juden haben von Donald Trump insgesamt zu 71 Prozent ein negatives Bild. Das sind allerdings bereits um sechs Prozent weniger als beim letzten Mal, da das AJC solche Umfrage durchführen ließ. Demgegenüber wuchs der Anteil derer, die eine positive Meinung von Trump haben, unter US-amerikanischen Juden, im gleichen Zeitraum um fünf auf 26 Prozent. Das ist zwar immer noch deutlich unterdurchschnittlich im Vergleich zur Gesamtbevölkerung, illustriert jedoch den Trend der letzten Monate, wonach Trump auch in Bevölkerungssegmenten an Boden gutmachen kann, die ihm bislang überwiegend kritisch gegenüberstanden.

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Diaspora eher zu nachgiebiger Position in der Siedlungsfrage bereit

Was die Frage anbelangt, ob Israel einige Siedlungen in den umstrittenen Gebieten räumen soll, um so möglicherweise die Chance auf einen Friedensvertrag mit der Palästinensischen Autonomiebehörde zu erhöhen, befürworten vier Prozent der israelischen Juden einen Rückzug aus allen Gemeinschaften dieser Art, 35 Prozent sind dafür, einige zu räumen, wohingegen 54 Prozent gegen jedwedes Auflassen von Siedlungen sind. Unter US-amerikanischen Juden wollen 15 Prozent ein Ende aller jüdischen Siedlungen in den von der PA beanspruchten Gebieten, 44 Prozent wollen einige geräumt sehen und 35 Prozent keine.

Unterschiedlich fallen auch die Positionen hinsichtlich der Zivilehe und der Berechtigung zur Durchführung von jüdischen Hochzeitszeremonien aus. Während 80 Prozent der US-amerikanischen Juden auch nicht-orthodoxen Rabbinern die Möglichkeit zugestehen wollen, diese zu leiten (bei 17 Prozent, die dagegen sind), ist das entsprechende Verhältnis unter israelischen Juden nur 49 zu 45. Auch für die Zivilehe gibt es auf beiden Seiten des Atlantiks Mehrheiten, unter US-Juden mit 81 zu 13 Prozent allerdings ebenfalls eine deutlichere als in Israel, wo das Verhältnis 55 zu 40 beträgt.

Was die Verbundenheit untereinander anbelangt, fühlen sich israelische Juden den US-amerikanischen stärker verbunden als umgekehrt. Während 28 Prozent der Juden in Israel die Diaspora in den USA als "Geschwister" betrachten, zehn Prozent als "Cousins ersten Grades" und immerhin noch 40 Prozent als "entfernte Verwandte", sehen nur 22 Prozent sie als "nicht Teil meiner Familie". In der Gegenrichtung beträgt die Relation 12 zu 15, 39 und 31.

Mehr Einigkeit in Fragen des Identitätsverständnisses

Andererseits gibt es auch Bereiche, in denen es zwischen beiden Gruppen Konsens gibt. Diese betreffen zum einen die Wichtigkeit einer florierenden Diaspora für die Zukunft des jüdischen Volkes, zum anderen das jüdische Identitätsverständnis.

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Unter den Juden in Israel finden 78 Prozent, dass eine "blühende" Diaspora entscheidend ist für die Zukunft des Judentums insgesamt, während 15 Prozent diese für wenig relevant halten. Unter den US-amerikanischen Juden ist das Verhältnis 69 zu 17. Dass ein starkes und gut gedeihendes Israel für den Bestand des jüdischen Volkes insgesamt eine entsprechende Rolle spielt, bejahen 87 zu 6 Prozent der israelischen Juden und 79 zu 17 der US-amerikanischen.

Zuletzt warf das AJC gegenüber den Studienteilnehmern die Frage auf, was es eigentlich sei, dass die jüdische Identität ausmache. Diesbezüglich waren 56 Prozent der US-amerikanischen und 40 Prozent der israelischen Juden der Auffassung, dass dies vor allem eine Sache von Ethnizität und Kultur sei. Dass die Religion dafür entscheidend sei, finden 24 Prozent der Juden in den USA und 19 Prozent derer in Israel. Dass beides in gleicher Weise eine Rolle spielt, meinen demgegenüber 17 Prozent in der US-Diaspora und 37 Prozent der Juden in Israel.

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