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Exklusiv-Interview: MH17-Ermittler lassen wesentliche Fragen zu Ursache und Grenzübertritt offen

Exklusiv-Interview: MH17-Ermittler lassen wesentliche Fragen zu Ursache und Grenzübertritt offen
Im jüngsten Untersuchungsbericht zum tragischen MH17-Absturz heißt es, die Ursache sei eine vom russischen Militär stammende Rakete gewesen. Dieser Version widersprechen viele Experten und Beobachter. RT Deutsch sprach mit dem Politikwissenschaftler Kees van der Pijl.

Das von den Niederlanden geleitete Gemeinsame Ermittlerteam (engl.: Joint Investigation Team JIT) hat am Donnerstag auf einer Pressekonferenz verkündet, dass die Maschine der Malaysia Airlines auf dem Flug MH17 über der Ukraine von einer Rakete getroffen wurde, die von einer militärischen Einheit aus dem Westen Russlands stammen würde.

Was ist neu an den vom JIT am Donnerstag vorgestellten Ergebnissen?

Nicht viel daran ist neu - es ist eigentlich nur das, was Bellingcat bereits vor zwei Jahren behauptet hat. Der Hauptgegenstand war ein gefilmter Bericht über eine Buk-TELAR-Kolonne aus Kursk bis irgendwo nahe der ukrainischen Grenze, also auf russischem Territorium.

Das in den Niederlanden ansässige JIT präsentierte am Donnerstag seinen neuen Bericht zum Absturz der Boeing MH17 in ukrainischem Luftraum am 17. Juli 2014. Das JIT sieht nach wie vor die Verantwortung bei russischem Militär. Russland kritisiert die Ermittlung als einseitig und mangelhaft.

Dann wurde einer von sechs TELARs [Raketen-Abschussfahrzeuge mit integriertem Radarsystem, Anm. der Redaktion] mit einem innerhalb der Ukraine gefilmten verglichen, wobei Angaben zu bestimmten Markierungen nahe legen, dass es tatsächlich das selbe System gewesen sei, aber die Identifikationsnummer (3....2) entfernt worden war. Auch zwei Teile einer Buk-Rakete wurden mit Markierungen gezeigt.

In der Fragerunde gab es keine wirklich kritischen Stimmen mit der Ausnahme eines australischen Fernsehreporters, der bemerkte, dass der Ruf nach Zeugen in beiden Fällen (der Buk aus Kursk und der Rakete) nach vier Jahren etwas verzweifelt klingt.

Gibt es Elemente der JIT-Darlegung, die Sie fragwürdig finden und wenn ja, warum?

In meinem Buch (welches demnächst bei PapyRossa, Manchester Univ. Press erscheint und bei  Fino Traco in Brasilien) vergleiche ich ausführlich das Buk- und das Jet-Szenario miteinander (wobei es in dem Buch hauptsächlich um den geopolitischen Kontext der US-Sanktionspolitik u.a. geht).

Ich stellte dabei fest, dass es bedeutende Argumente gegen einen Buk-Treffer gibt, ebenso wie die Jet-Theorie gewisse Mängel aufweist. Daher würde man erwarten, dass das JIT mehr Beweise für den Abschuss einer Rakete liefert.

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Es gibt nur noch das eine Foto der weißen Rauchfahne, die in einen klaren blauen Himmel aufsteigt. Sie benötigen anscheinend keine weitere Bestätigung. So bleiben alle Fragen dazu, wie ein Passagierflugzeug allein durch einen Buk-Treffer zerbrechen kann, anstatt am Himmel zu explodieren, was in allen bekannten Fällen geschah, offen.

Können Sie die Glaubwürdigkeit der vom JIT präsentierten Beweise dafür bestätigen, dass es über die ukrainische Grenze transportiert wurde?

Ich kann das nicht bestätigen und insbesondere der Grenzübertritt ist in den Materialien des Fortschrittsberichts nicht enthalten. Der am besten dokumentierte Teil ist die Transportkolonne mit sechs Buk TELARS auf russischem Territorium, aber daran ist an sich nichts auszusetzen. Die Probleme beginnen mit dem Vergleich des TELAR, von dem das JIT behauptet, es sei in der Ukraine herumgefahren.

Kees van der Pijl ist Fellow am Zentrum für globale politische Ökonomie und Professor Emeritus, School of Global Studies, an der University of Sussex. Unter anderem wurde er für sein Werk Nomads, Empires, States mit dem Deutscher Memorial Prize im Jahr 2008 ausgezeichnet.

 

 

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