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"Russland unfähig, bösartigen Aktivitäten zu widerstehen": Johnson fällt auf Telefonstreich herein

"Russland unfähig, bösartigen Aktivitäten zu widerstehen": Johnson fällt auf Telefonstreich herein
Boris Johnson (hier beim Treffen der G20-Außenminister in Argentinien)
Der britische Außenminister Boris Johnson ist auf einen Scherzanruf hereingefallen. Im Gespräch mit dem vermeintlichen armenischen Premier gab er tiefe Einblicke in sein einseitiges Bild von Russland und Putin. Das Foreign Office möchte dennoch zuletzt lachen.

Die Aufnahme des entsprechenden Telefongesprächs wurde am Donnerstag auf der Video-Plattform Youtube im Internet veröffentlicht. Das britische Außenministerium bestätigte den Vorfall auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur und behauptet: "Wir haben das geprüft und wussten sofort, dass es ein Scherzanruf war."

Trotzdem dauerte die Unterhaltung rund 18 Minuten. An seinem eigentlich freien Tag bemüht sich der Brite sehr um die Nation im Südkaukasus. Erst am 14. Mai hatten sich der neue armenische Regierungschef Nikol Paschinjan mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin bei einem Gipfel der Eurasischen Wirtschaftsunion im Schwarzmeerort Sotschi getroffen, wobei beide Seiten das Interesse an engerer Zusammenarbeit im wirtschaftlichen sowie militärisch-technischen Bereich betonten.

Zunächst beginnt Johnson den scheinbar überraschenden Anruf mit einem Monolog über seinen Respekt für den vermeintlichen armenischen Premierminister, der es geschafft habe, das Land trotz des Aufruhrs friedlich zu halten. Das Vereinigte Königreich biete angesichts des großen, bösen nördlichen Nachbarn seine Hilfe an.

Wir verstehen den Balanceakt, den Sie zwischen Russland und dem Westen machen müssen, und möchten Ihnen allen Rat und Unterstützung bieten.

Daraufhin versucht der vermeintliche armenische Premier, zu Wort zu kommen, doch erneut betont der britische Außenminister, dass Armenien ein

bemerkenswertes Beispiel für einen friedlichen demokratischen Prozess" geboten habe.

Johnson spricht weiterhin seine "Bewunderung" sowie sein Bedauern über die eigenen Beziehungen zu Russland aus, von denen man gehofft habe, sie wären besser.

Russland scheint unfähig, bösartigen Aktivitäten jeglicher Art zu widerstehen, und wir müssen uns dagegen behaupten.

Johnson wirbt also um das südkaukasische Land und scheut nicht davor zurück, auf der Basis einer scheinbar beiden gemeinsamen Bedrohung durch Russland um Sympathiepunkte zu werben.

Weiter beteuert Johnson, er sei sich "beinahe zu hundert Prozent sicher", dass der russische Präsident Wladimir Putin selbst den Auftrag für das Giftattentat auf den russischen Ex-Spion Sergej Skripal gegeben habe. Johnson lacht, als der falsche armenische Regierungschef äußert, er hoffe, bei einem anstehenden Treffen mit Putin nicht ebenfalls mit dem Nervengift Nowitschok vergiftet zu werden.

Mit einem Lachen quittiert Johnson auch die Bemerkung des angeblichen armenischen Regierungschefs, US-Präsident Donald Trump höre auf niemanden außer auf Putin. Außerdem freut er sich über das Lob für ein unflätiges Gedicht, das er einst über den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan geschrieben hat.

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Hinter dem Anruf steckt offenbar das Komiker-Duo Wowan und Lenux. Die beiden machten schon mehrfach Schlagzeilen mit Anrufen unter falschem Namen. Im Jahr 2015 riefen sie den britischen Pop-Star Elton John an und gaben sich als Putin aus, der angeblich mit dem Sänger über die Rechte von Homosexuellen diskutieren wollte. Seither heißt es, sie stünden mit dem Kreml oder gar dem russischen Geheimdienst im Bunde.

Britisches Außenamt versucht sich in Schadensbegrenzung

Während das Netz lacht, versucht das britische Außenamt, die Anrufer und die mit ihnen angeblich verbundenen russischen Regierungsstellen als die Verlierer der Aktion darzustellen und anzuprangern. Die Scherzanrufer selbst müssten sich schämen, sei ihr Verhalten doch noch schamloser, als der Kreml es je wagen würde - gleichzeitig unterstellt auch die britischen Regierung, dass der Kreml dahinter stecke.

Außenminister Sir Alan Duncan zufolge sind es aber nicht die Opfer des Streiches, sondern die Täter, die am Ende dumm dastehen.

Wenn das ein Versuch war, uns lächerlich zu machen, dann ist dieser völlig nach hinten losgegangen", sagte Duncan zu Bloomberg News, nachdem die achtzehnminütige Aufzeichnung des Gesprächs veröffentlicht wurde. "Es hat die Russen nur noch alberner aussehen lassen als ohnehin schon."

Der russische Botschafter Alexander Jakowenko während einer Pressekonferenz.

Zudem wurde Johnson dafür gelobt, dass er es geschafft habe, während des achtzehnminütigen Gesprächs mit den Komikern keine Staatsgeheimnisse preisgegeben zu haben. In der Tat ist es wohl kein Staatsgeheimnis, dass die britische Regierung Russland gern als Bösewicht darstellt. Dass sie insbesondere dann zu diesem Mittel greift, wenn es darum geht, die Gunst von Ländern in geografischer oder geschichtlich-kultureller Nähe zu Russland gewinnen, haben auch die Erfahrungen der Ukraine gezeigt.

Moskau bietet Zusammenarbeit im Fall Skripal an - London lehnt ab

Boris Johnson erwähnte in dem Telefonat auch seine Ansicht, Russland habe einen Fehler gemacht mit dem vermeintlichen Mordversuch in Salisbury. Damit wies er erneut klar dem Kreml die Schuld zu.

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Am Freitag forderte der russische Präsident Wladimir Putin eine gemeinsame britisch-russische Untersuchung des Giftanschlags auf den früheren Doppelagenten Sergej Skripal. Nur dann sei eine objektive Aufklärung möglich, aber London lehne diese Moskauer Forderung bislang ab, sagte Putin laut Deutscher Presse-Agentur.

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