Erdoğan will nach den Wahlen Beziehungen zu Israel überdenken

Erdoğan will nach den Wahlen Beziehungen zu Israel überdenken
Erdoğan mit Netanjahu auf einem Wahlplakat in Ankara mit dem Spruch "Israel hat sich bei der Türkei entschuldigt". Dabei ging es um eine Entschuldigung für den Tod von neun türkischen pro-palästinensischen Aktivisten im Jahr 2010. Türkei, 25. März 2013.
Das türkische und das israelische Staatsoberhaupt hatten sich im Zuge der Proteste in Gaza und dem Tod von Demonstranten einen verbalen Schlagabtausch geliefert, dem eine diplomatische Krise folgte. Am Sonntag rief Erdoğan zum Boykott israelischer Waren auf.

Der israelische Botschafter in Ankara wurde des Landes verwiesen. Damit protestierte Ankara gegen den Tod von Palästinensern im Gazastreifen, nachdem die Proteste eskalierten. Die Türkei zog seinen Botschafter "zu Konsultationszwecken" vorübergehend aus Israel und den USA ab. 

Am 18. Mai hielt die Organisation der Islamischen Kooperation (OIC) in Istanbul angesichts der Gewalteskalation zwischen Israelis und Palästinensern am Grenzstreifen zu Gaza eine Sondersitzung ab. Die OIC hatte sich für einen Boykott israelischer Produkte ausgesprochen. Auch Schutztruppen der Vereinten Nationen wie im Kosovo wurden diskutiert. 

Benjamin Netanjahu mit seinem Sohn Yair

Die Türkei war das erste mehrheitlich muslimische Land, das den Staat Israel 1949 anerkannte. Seit Erdoğan türkischer Ministerpräsident wurde, verschlechterten sich die Beziehungen zwischen den beiden Ländern. Im Dezember 2017 drohte Erdoğan damit, die diplomatischen Beziehungen zu Israel abzubrechen, falls die USA Jerusalem offiziell als die Hauptstadt Israels anerkennen. Der türkische Präsident wurde am Sonntag von der Zeitung Hürriyet Dailyzitiert:

Ich hoffe, die OIC wird die Entscheidung bezüglich des Embargos in die Praxis umsetzen. Schließlich wird es keine Möglichkeit mehr geben, Produkte von ihnen zu erwerben. Natürlich werden auch wir die Situation beurteilen. Wir als Türkei werden alle Beziehungen zu Israel überdenken, besonders die wirtschaftlichen und Handelsbeziehungen. Es wird bald Wahlen geben, wir werden unsere Schritte in dieser Richtung nach den Wahlen vornehmen.

Nimrata „Nikki“ Haley, die derzeitige US-Botschafterin bei den Vereinten Nationen

Die vorgezogenen Präsidentschafts- und Parlamentswahlen in der Türkei sind für den 24. Juni angesetzt. Erdoğan hatte mit Verweis auf den Syrienkonflikt und die schlechte Sicherheitslage im Irak vorgezogene Neuwahlen ausgerufen. Mit den Wahlen tritt auch die Änderung der Verfassung nach dem Referendum vom letzten Jahr in Kraft. Das Amt des Ministerpräsidenten entfällt, der Wahlsieger wird Staatsoberhaupt und Regierungschef. Besonders wirtschaftliche Themen wie die hohe Inflationsrate und die hohe Jugendarbeitslosigkeit beschäftigen die türkischen Staatsbürger. Nachdem Erdoğan am 14. Mai angekündigt hatte, dass er sich der hohen Inflation und dem schlechten Kurs der Lira annehmen wolle, fiel die Währung noch weiter.

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