Kaspersky Lab unter Druck: Umzug in die Schweiz soll Vertrauen zurückbringen

Kaspersky Lab unter Druck: Umzug in die Schweiz soll Vertrauen zurückbringen
Der russische Softwarehersteller verliert erneut einen Großkunden aufgrund von haltlosen Verdächtigungen. Jetzt ergreift Kasperky Lab Schritte, um das Vertrauen in seine Produkte wiederherzustellen. Ein Umzug nach Zürich soll Transparenz herstellen.

Der Softwarehersteller Kaspersky Lab hat einen weiteren Großkunden verloren. Die Regierung der Niederlande will die Programme der russischen Firma nicht weiter verwenden. Die Begründung klingt auf den ersten Blick paranoid: Kaspersky Lab kooperiere mit russischen Geheimdiensten und fördere so die Spionage.

Allein: Bewiesen ist das nicht. Es gibt auch keine konkreten Vorfälle oder auch nur Anhaltspunkte für die Richtigkeit dieser Hypothese in den Niederlanden. Dennoch sprach Justizminister Ferdinand Grapperhaus von einer Vorsorgemaßnahme. Die Nutzung werde schrittweise beendet. Nach russischem Recht müsse Kasperky Lab die Geheimdienste bei ihrer Arbeit unterstützen. Deshalb sehe man ein Risiko bezüglich möglicher digitaler Spionage und Sabotage, so Grapperhaus in einem Brief an das Parlament.

Niederlande folgen US-amerikanischem und britischem Beispiel

Allerdings bezieht sich die gesetzliche Kooperationspflicht des Unternehmens mit den russischen Geheimdiensten nur auf den territorialen Geltungsbereich des entsprechenden Gesetzes - und das ist die Russische Föderation. Niederlassungen im Ausland sind den dortigen Gesetzen unterworfen. Die Anwendungsfälle sind überdies erschöpfend im Gesetz aufgezählt und betreffen Fragen wie Terrorismusverdacht, Hackerangriffe oder die Gefährdung der nationalen Sicherheit.

Bereits im September untersagte die US-amerikanische Regierung die Nutzung der Antivirensoftware auf staatlichen Computern. Das britische National Cyber Security Center warnte seine Beamten vor der Installation der Programme. Ein Sprecher des Unternehmens hat die Vorwürfe der Kooperation stets dementiert.

Unabhängige Aufsicht in der Schweiz soll Gerüchte zerstreuen

Kaspersky wird in Zürich ein Transparency Center einrichten und Serverstrukturen und Benutzerdaten bis Ende 2019 dorthin verlegen. Dadurch soll Vertrauen zurückgewonnen werden. Regierungen und private Kunden sollen auf diese Weise zurückgewonnen werden. Die Datenspeicherung in der Schweiz unterliegt der Aufsicht durch einer unabhängige Organisation. Jeder Zugriff wird dort unabhängig überwacht.

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