Medien übernehmen Giftgas-Vorwürfe der "Weißhelme"

Medien übernehmen Giftgas-Vorwürfe der "Weißhelme"
Auf zahllosen Bildern laufen Mitglieder der "Weißhelme" mit angeblich geretteten Kleinkindern auf Kameras zu. Die Informationen der Gruppe sind mit extremer Vorsicht zu genießen.
In der syrischen Stadt Ost-Ghouta sind angeblich Dutzende Menschen bei einem Angriff mit Giftgas getötet worden. Dass die Quelle für die unbestätigte Meldung die umstrittenen und mutmaßlich mit Dschihadisten verbundenen "Weißhelme" sind, stört viele Kommentatoren nicht.

Es ist eine bei westlichen Medien beliebte Kombination: "Assads Fassbomben" und Tote durch Giftgas, beides "bestätigt" durch eine "Hilfsorganisation", genannt "Weißhelme": Bei angeblichen Angriffen der syrischen Armee in Ost-Ghuta sind laut der umstrittenen "Rebellen"-Sanitäter Dutzende Menschen durch Giftgas getötet worden, wie Nachrichtenagenturen und Medien berichten.

Weißhelme und Kleinkinder im syrischen Ost-Ghuta - die Lieblingsmischung großer deutscher Medien.

Nach Angaben der "Weißhelme" hatte demnach ein Hubschrauber am Samstagabend eine Fassbombe mit Chemikalien über der Stadt Duma abgeworfen. Dabei seien mindestens 150 Menschen getötet und mehr als 1000 verletzt worden. Auf ihrem Twitter-Konto veröffentlichte die von westlichen Medien "Hilfsorganisation" genannte Gruppe schockierende Fotos der mutmaßlichen Opfer.

Immer wieder unbelegte Giftgas-Vorwürfe

Der syrischen Armee werden von westlichen Medien und Politikern und von mit ihnen verbundenen "Nichtregierungsorganisationen" in Syrien immer wieder Angriffe mit Giftgas vorgeworfen. Für diese Urheberschaften gibt es aber bislang keine seriösen Beweise. Oft sind dubiose Organisationen wie die genannten "Weißhelme" oder die "Syrische Stelle Für Menschenrechte" die einzigen Quellen. Auch die umstrittenen Berichte der UNO und der Organisation für das Verbot von Chemiewaffen (OPCW) zu den Vorwürfen stützen sich zu weiten Teilen auf Informationen von Dschihadisten. Beobachter vermuten, dass mit den Giftgas-Vorwürfen militärische Interventionen in Syrien gerechtfertigt werden sollen.

Folgerichtig sieht die US-Regierung laut dpa nun "möglicherweise Handlungsbedarf". Man folge den beunruhigenden Nachrichten über einen "weiteren" mutmaßlichen Einsatz von Chemiewaffen in Syrien genau, teilte Außenministeriumssprecherin Heather Nauert in der Nacht zum Sonntag in Washington mit. Sollten sich die Berichte bestätigen, sei eine sofortige Antwort der "internationalen Gemeinschaft" gefordert. 

So stellen sie sich gerne selber dar: als neutrale Retter. Laut den syrischen

"Medien unterstützen Terroristen"

Die syrische Nachrichtenagentur Sana wies die Berichte unterdessen als unwahr zurück. "Einige Medien, die für ihre Unterstützung der Terroristen bekannt sind, haben behauptet, dass die Armee chemische Waffen in der Stadt Duma benutzt habe", hieß es. Derartige Berichte dienten nur dazu, das Vorrücken der syrischen Armee zu behindern. 

Die syrische Armee hat in den vergangenen Wochen einen Militäreinsatz in dem Dschihadisten-Gebiet Ost-Ghuta durchgeführt. Die Stadt Duma wird noch von Kämpfern der Gruppe Dschaisch al-Islam gehalten.

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