"Reporter ohne Grenzen" und Google verleihen Gütesiegel für genehmen Journalismus

"Reporter ohne Grenzen" und Google verleihen Gütesiegel für genehmen Journalismus
Welchem Medium kann man trauen, welchem nicht? Man sollte nicht nur die "Reporter Ohne Grenzen" fragen.
Die Organisation "Reporter ohne Grenzen" und Google wollen im Rahmen einer "Journalism Trust Initiative" mit einem "Gütesiegel für vertrauenswürdige Medien" gegen Fake News vorgehen. Doch sind ausgerechnet diese beiden Institutionen dafür geeignet?

Medien, die "vertrauenswürdig" seien, sollen künftig mit einem Siegel gekennzeichnet werden, teilte die Journalistenorganisation Reporter ohne Grenzen (RSF) mit, die diese Auszeichnung ab nächstem Jahr auch selber verleihen möchte. RSF-Chef Christophe Deloire erklärte am Dienstag in Paris, dass bisher durch die Überprüfung von veröffentlichten Inhalten gegen Fake News vorgegangen worden sei. Da sei die Fehlinformation aber schon verbreitet.

Ausschnitt aus der Putin-Seite im ROG-Paper

RSF schlägt nun ein System mit gemeinsamen Normen vor – wer sich daran halte, solle das Siegel als "vertrauenswürdiges Medium" erhalten, berichtet die Zeitung Der Standard. Die Regeln sollen sich laut RSF auf den Willen zur Transparenz der jeweiligen Medien beziehen, etwa bei der Finanzierung, bei der Anwendung journalistischer Prinzipien oder der Bereitschaft zur Richtigstellung von Fehlern.

Internet-Monopolisten sollen "ausgezeichnete" Medien bevorzugen

Eine Arbeitsgruppe will die Normen ab dem 23. Mai  ausarbeiten, diese Arbeit soll bis Mitte 2019 abgeschlossen sein. Das sei eine "kollektive und europäische Arbeit", sagte Deloire, doch das Ziel sei eine Ausweitung über Europa hinaus etwa in die USA.

Geplant ist eine problematische Arbeitsteilung: Denn wenn die Siegel vergeben sind, sollen sich Internet-Dienste wie Facebook oder Twitter daran orientieren, um diese von RSF "ausgezeichneten" Inhalte zu bevorzugen. Laut Deloire hat der US-Internetkonzern Google bereits zugesagt, sich an dem Prozess zu beteiligen.

Ein Gütesiegel mit schweren Mängeln

Das unter dem Namen "Journalism Trust Initiative" laufende Vorhaben hat mehrere Defizite. Da sind  zunächst die Initiatoren von den RSF: Es erscheint generell fragwürdig, wenn sich eine einzelne Nichtregierungsorganisation anmaßt, die gesamte Medienwelt zu beurteilen, und diese Urteile dann gemeinsam mit Internet-Monopolisten umzusetzen. Die RSF im Besonderen sind zusätzlich höchst umstritten und weit davon entfernt, als unabhängig oder neutral gelten zu dürfen. Im Gegenteil: Die Organisation wird von zahlreichen Beobachtern als befangenes und tendenziöses Instrument im Meinungskampf etwa zwischen Russland und "dem Westen" wahrgenommen. 

Der Schweizer Presseclub hielt eine Pressekonferenz in Genf ab, die sich kritisch mit den syrischen Weißhelmen auseinandersetzte. Sehr zum Missfallen der Reporter ohne Grenzen (aber mit Agenda).

Dazu kommen die Gründungspartner der RSF bei der "Journalism Trust Initiative": So wurde das Vorhaben zusammen mit der Nachrichtenagentur Agence France-Presse (AFP), der Europäischen Rundfunkunion (EBU) und dem globalen Netzwerk von Chefredakteuren (GEN) entwickelt. Dass diese den (westlich-)internationalen Medien-Mainstream repräsentierende Gruppe etwa eigenen Inhalten das "Gütesiegel" verwehren würde, ist schwer vorstellbar. Allein durch diese Beteiligung großer internationaler Medien-Player ist das Gütesiegel entwertet. 

Nicht zuletzt werden die Internet-Firmen Google, Twitter und Facebook durch das problematische und nur angeblich unabhängig verliehene "Gütesiegel" befähigt, ihre begrenzten Nachrichten-Räume mit Inhalten von den dann "ausgezeichneten" Medien zu füllen und andere (möglicherweise politisch nicht genehme) Inhalte dadurch zu verdrängen. Den Vorwurf der Zensur können sie dann mit dem Hinweis auf einen von ihnen "unabhängigen" Vorgang parieren.

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