US-Autor warnt vor britischer Eskalationstaktik: "Europas Kriegsgeilheit ist nicht unser Problem"

US-Autor warnt vor britischer Eskalationstaktik: "Europas Kriegsgeilheit ist nicht unser Problem"
Britischer Verteidigungsminister Gavin Williamson besucht britische Truppen in Tapa, Estland, 25 März 2018
In einem Kommentar für Arutz Sheva hat US-Autor Jack Engelhard scharfe Kritik an der eskalierenden Rhetorik Großbritanniens in der Skripal-Affäre und an der voreiligen Solidarität vieler EU-Partner geübt. Die USA, so Engelhard, sollten außen vor bleiben.

Der in New York lebende US-amerikanische Autor Jack Engelhard, auf dessen Novelle "Indecent Proposal" der 1993 erschienene Hollywood-Film "Ein unmoralisches Angebot" beruht, hat sich in einem Kommentar für das israelische Nachrichtenportal Arutz Sheva kritisch über die Konfrontationspolitik der Regierung in Großbritannien und ihrer Partner gegen Russland vor dem Hintergrund der Skripal-Affäre geäußert.

Im Besonderen spricht sich der bekennende Anhänger des US-Präsidenten Donald Trump dagegen aus, dass die USA sich von der immer aggressiveren Rhetorik in Politik und Medien mitziehen lassen. "Die Europäer lieben den Krieg – müssen wir das auch?" lautet die Überschrift seines Textes, der wenig an Deutlichkeit vermissen lässt.

Die britische Premierministerin Theresa May, so Engelhard, mache auf ihn den Eindruck, "ein Stück weit hysterisch" zu klingen – "oder vielleicht finde auch bloß ich, dass das langsam aus dem Ruder läuft".

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Die USA hatten 60 russische Diplomaten als Teil einer Einheitsfront ausgewiesen, die auch 14 europäische Staaten umfasste und unter dem Beifall der Medienkommentatoren das Signal aussendete, es wäre Zeit, etwas gegen Russland zu unternehmen oder "Putin seine Grenzen aufzuzeigen".

"Israel zur Zurückhaltung mahnen - selbst aber keine Grenzen der Hysterie kennen"

Arutz-Sheva-Kommentator Engelhard verwahrt sich hingegen gegen weitergehende Solidarität mit Großbritannien und den Europäern und mahnt dazu, die Kirche im Dorf zu lassen. Von der Rhetorik des "Genug ist genug", die Theresa May und ihre europäischen Verbündeten pflegen, hält er nichts:

Genug wovon? Gut möglich, dass die Russen ein Dissidentenpaar irgendwo in England, genauer gesagt in Salisbury, vergiftet haben, was heißt das also? Das bedeutet, wenn man alles liest, Krieg. Ganz so weit sind wir zwar noch nicht, aber es hört sich ganz so an, als würden einige denken, ein Kalter Krieg wäre fein, ein Heißer aber noch besser.

Angesichts der Klagen Theresa Mays über vermeintliche "Muster eines zunehmend aggressiven russischen Verhaltens" rät Engelhard der Premierministerin, sich in Relation dazu das aggressive Verhalten von den Palästinenserorganisationen angestachelter Araber gegen Israelis etwa an diversen "Tagen des Zorns" zu vergegenwärtigen – "oft mit Billigung durch Großbritannien und die EU".

Mir ist klar, dass Putin Vorhaben verfolgt, die nicht unbedingt in unserem Sinne sind, aber was alarmierend ist, ist die Eile, mit der Positionen eingenommen werden, die Putin nur zum Äußersten treiben könnten… ohne dass es überhaupt klar ist, wofür.

Einfach wieder Zeit für einen Krieg?

Der amerikanisch-jüdische Autor wirft den Europäern vor, wieder einmal aus reiner Unbesonnenheit heraus die Dinge auf die Spitze zu treiben:

Von einem klaren Regelbruch spricht May weiter, als Aufforderung an die Welt, Härte zu zeigen. Und das, obwohl es, was beiläufig erwähnt sei, gar keinen Beweis dafür gibt, dass die Russen überhaupt irgendwas getan haben. Also ist es vielleicht einfach nur wieder einmal Zeit für einen Krieg. Die Europäer brauchen das ja von Zeit zu Zeit – tatsächlich recht oft.

Meistens, wenn die Europäer in einen Krieg ziehen, und selten würde dieser sich auf eine Eins-zu-Eins-Situation beschränken, sei der Anlass kein großer. Engelhard verweist auf den Mord am österreichischen Thronfolger Franz Ferdinand [tragischer Weise ein Politiker, der eigentlich eher einen Ausgleich mit Serbien und Russland suchte] in Sarajevo im Vorfeld des Ersten Weltkrieges. Statt den Attentäter zur Rechenschaft zu ziehen, nach Hause zu gehen und es gut sein zu lassen, kämpften vier Jahre und drei Monate später 32 Länder miteinander und hinterließen 41 Millionen Tote.

US-Autor warnt vor britischer Eskalationstaktik: "Europas Kriegsgeilheit ist nicht unser Problem"
Bild: Raum im Gedenkmuseum des am 28. Juni 1914 in Sarajevo ermordeten österreichisch-ungarischen Thronfolgers Franz Ferdinand im Schloss Artstetten-Pöbring.

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Das alles, so Engelhard, wäre ein Erzherzog nicht wert gewesen. Und am Ende sei es immer das Versagen der Europäer, das die Amerikaner in Kriege hineinzieht:

Hier in Amerika mögen wir den Krieg nicht, aber wir sind immer wieder reingezogen worden, meistens um die Europäer vor sich selbst zu retten, Generation um Generation. Und jetzt gibt es eine neue Generation und eine Gewohnheit, die nicht vergehen mag.

Trump "die ruhige Hand in einem Raum voller Hitzköpfe"

Diesmal sollten die Amerikaner aber eine klare Ansage machen:

Nur weil die Europäer dazu neigen, sich selbst immer wieder mal in die Sch***e zu reiten, sehe ich nicht, wo wir diesbezüglich einen Auftrag hätten. Außer Russland marschiert tatsächlich ein. Dann, ok, werden wir wie üblich zu Hilfe kommen. [...] Das ist nicht Churchill, der vor Hitler und der Wehrmacht warnt. Das ist May, die über eine angebliche Vergiftung von zwei Menschen in Salisbury spricht. Zwei Menschen und die sind nicht mal Erzherzöge.

Engelhard deutet in diesem Zusammenhang an, Donald Trump wäre hinsichtlich der Reaktion bereits überrumpelt worden. Die seit seiner Wahl von den Demokraten und dem US-Establishment lancierte Propaganda, der US-Präsident müsse durch eine aggressive antirussische Politik erst beweisen, dass er keine "Marionette Putins" sei, und die Forderung, den eigenen Verbündeten beizustehen, hätten ihm keinen Raum für Reaktionen unterhalb dieser Massenausweisung gelassen.

Er musste handeln, aber er tat es in zurückhaltender Weise, denn, wie wir schon des Öfteren gesagt hatten, war Trump immer die ruhige Hand in einem Raum voller Hitzköpfe.

Dass Trump dabei zahlreiche bei der UNO tätige Diplomaten aus dem Land geworfen hat und damit einen weiteren Schritt zum generellen Rückbau der Vereinten Nationen im politischen Leben der USA gesetzt hat, war dabei möglicherweise auch ein Signal an die eigenen Wähler.

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Engelhard, der sich mit seiner unaufgeregten Haltung im Skripal-Konflikt nicht nur auf der Linie neutraler EU-Staaten wie Österreich, sondern etwa auch jener der israelischen Regierung bewegt, die es unterlassen hat, in ihrem Statement eine eindeutige Schuldzuweisung an Russland zu richten, schließt seinen Kommentar mit einer eindeutigen Mahnung:

Eins kann hier zum anderen führen mit 4.000 Nuklearsprengköpfen, die auf jeder Seite warten… und die Kubakrise war ein Albtraum, den wir uns merken sollten… nur wenige begreifen, dass sie selbst es sind, denen die Stunde schlägt.  

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