Daten-Skandal: Facebook versucht sich in Schadensbegrenzung

Daten-Skandal: Facebook versucht sich in Schadensbegrenzung
Facebook wurde von dem Datenskandal kalt erwischt - so scheint es.
Facebook hat sich bei deutschen Nutzern für die Veruntreuung von Daten entschuldigt. Zudem erklärte sich Firmenchef Mark Zuckerberg bereit, vor dem US-Kongress zu erscheinen, verweigerte das aber einem britischen Ausschuss. Die EU pocht auf Aufklärung.

EU-Kommissarin Vera Jourová hat in einem Brief an Facebook vor negativen Auswirkungen durch Datenmissbrauch auf demokratische Wahlen gewarnt. Das soziale Netzwerk sei seit vielen Jahren eine Plattform für Politmarketing, erklärt Jourová in einem Schreiben an Geschäftsführerin Sheryl Sandberg.

Die jüngsten Nachrichten deuten jedoch darauf hin, dass ein Mangel an Transparenz und der Missbrauch persönlicher Daten auch negative Auswirkungen auf die Qualität dieser Debatte und sogar auf unseren Wahlprozess haben könnte.

Die offiziellen Äußerungen des Konzerns und des Chefs Mark Zuckerberg hätten ihre Bedenken nicht ausräumen können.

Derweil entschuldigte sich Zuckerberg bei den deutschen Nutzern per Zeitungsanzeige. Unter anderem in der BILD oder der Frankfurter Allgemeinen Zeitung war am Dienstag in ganzseitige Anzeigen zu lesen, es sei Facebooks Verantwortung, die Informationen der Nutzer zu schützen. In etwas ungewöhnlichem Deutsch fährt Facebook in der Anzeige fort und benennt nicht das "Vertrauen", das sie nicht verdient hätten, sondern schreibt: "Wenn wir das nicht können, haben wir diese Verantwortung nicht verdient." Der Facebook-Chef entschuldigte sich für den "Vertrauensbruch" und versprach, "dass wir unsere Arbeit in Zukunft besser machen". Zuckerberg hatte sich am Sonntag bereits in mehreren britischen Zeitungen für den Datenskandal entschuldigt.

EU: Verhältnis zu Facebook beschädigt

Der Konzern ist seit Bekanntwerden des Skandals unter Druck geraten. Vor gut einer Woche war bekannt geworden, dass die Datenanalyse-Firma Cambridge Analytica unrechtsmäßig an Informationen von Millionen Facebook-Usern gekommen war, ohne dem Wissen der Nutzer. Sie hatte die Daten von einem Wissenschaftler bekommen, der eine App mit einer Psychologie-Umfrage auf Facebook installiert hatte. Nach der damaligen Datenschutz-Ordnung des Netzwerks hatte die App des Professors auch Zugang zu einigen Informationen der Freunde der rund 300.000 Umfrage-Teilnehmer bekommen, etwa deren Likes und Interessen. So sammelten sich Daten von rund 50 Millionen Facebook-Nutzern an.

Im medialen Rampenlicht: Die Zentrale von Cambridge Analytica in London

In ihrem Brief an Facebook, der am Montag versandt wurde, wirft Jourová dem sozialen Netzwerk zudem vor, das Verhältnis zur EU beschädigt zu haben. Man habe sich um ein vertrauensvolles Verhältnis bemüht und mehrfach gut zusammengearbeitet, heißt es. "Das Vertrauen ist jetzt geringer." Die EU-Kommissarin pocht auf Aufklärung. So wolle sie etwa besser verstehen, wie Daten von Facebook-Nutzern ohne ihr Wissen in die Hände von Dritten geraten konnten. Für eine Antwort innerhalb von zwei Wochen sei sie dankbar, heißt es weiter.

Zuckerberg beehrt US-Kongress und verprellt britischen Ausschuss

Der britische Parlamentsausschuss für Digitales und Medien hatte Zuckerberg vergangene Woche persönlich vorgeladen, um mehr über den Umgang der Plattform mit Nutzerdaten zu erfahren. Facebook erteilte dem jetzt aber eine Absage. Zuckerberg werde selbst nicht kommen. Stattdessen könnten seine erfahrenen Vertreter dem Gremium Rede und Antwort stehen, hieß es.

Dagegen plant Zuckerberg laut Medienberichten eine Aussage im US-Kongress. Der Sender CNN berichtete am Dienstag, das Unternehmen arbeite derzeit an einer Strategie für die Aussage des 33-Jährigen. Die Nachrichtenagentur Bloomberg schrieb, Zuckerberg werde voraussichtlich vor dem Energie- und Handelsausschuss des Repräsentantenhauses erscheinen. Eine Sprecherin erklärte, der Ausschuss arbeite mit Facebook daran, einen Termin für die Aussage festzulegen. Mehrere Senatoren und Abgeordnete des US-Kongresses hatten Zuckerberg in den vergangenen Tagen aufgefordert, in der Angelegenheit auszusagen. 

Nicht der Moment für neue Facebook-Produkte

Facebook verschiebt laut einem Medienbericht die Vorstellung seines eigenen vernetzten Lautsprechers mit einem digitalen Assistenten wegen des aktuellen Datenskandals. Bloomberg hatte am Wochenende geschrieben, Facebook stelle jetzt den Datenschutz bei den Lautsprechern noch einmal besonders auf den Prüfstand.

In der aktuellen Situation könnten Verbraucher schwer zu überzeugen sein, sich einen auf Kommando zuhörenden Facebook-Lautsprecher mit einer Kamera ins Haus zu holen.

Weitere Firmen haben von den Daten profitiert

Laut einem Bericht des Handelsblatts ist auch der prominente US-Investor Peter Thiel in den Skandal verwickelt. Dem Medium zufolge hat der ehemalige Mitarbeiter von Cambridge Analytica Christopher Wylie, der den Skandal mit seinen Enthüllungen bekannt gemacht hat, vor einem britischen Parlamentsausschuss ausgesagt, dass auch die Firma Palantir Zugang zu Nutzerdaten von Facebook hatte. Zu den frühen und größten Investoren des Unternehmens gehört Peter Thiel, der auch schon sehr früh in Facebook investiert hatte. 

Laut Wylie soll Palantir mit Cambridge Analytica zusammengearbeitet haben. Den Kontakt zwischen dem damaligen Cambridge-Analytica-Chef Alexander Nix und Palantir soll Sophie Schmidt, die Tochter des ehemaligen Google-Chefs Eric Schmidt, angebahnt haben, wie das Handelsblatt weiter berichtet. Demnach soll es mehrere Treffen zwischen Nix und Palantir gegeben haben. Zudem sollen hohe Palantir-Mitarbeiter mit Nutzerprofilen von Facebook gearbeitet haben, die Cambridge Analytica erworben hatte.

(rt deutsch/dpa)

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