Moskau erläutert ausländischen Botschaftern seinen Standpunkt zu Skripal-Affäre

Moskau erläutert ausländischen Botschaftern seinen Standpunkt zu Skripal-Affäre
Russlands Außenministerium erläutert ausländischen Botschaftern Moskaus Standpunkt zu Skripal-Affäre
Russlands Außenministerium hat alle ausländischen Botschafter zu einem Treffen über den Vorfall in Salisbury eingeladen. Die Behörde will bei der Konferenz den Standpunkt Moskaus zur sogenannten Skripal-Affäre erläutern. RT Deutsch berichtet im Live-Stream

Das Briefing führte der Leiter der Abteilung für Nichtverbreitung von ABC-Waffen und Rüstungskontrolle, Wladimir Jermakow, durch.

Russlands Verteidigungsministerium warf auf dem Briefing dem in die Vereinigten Staaten ausgereisten Chemiker Wil Mirsajanow vor, den Terrorismus gefördert zu haben. Der ehemalige sowjetische und russische Wissenschaftler arbeite nun für die US-Regierung.

Im Jahr 2008 ließ Mirsajanow ein Buch drucken, in dem die Formel der Substanz veröffentlicht wurde, die Großbritannien als "Nowitschok" bezeichnet. Darüber hinaus wurden dort detailliert Verfahren zum Synthetisieren dieser Substanz beschrieben… Wenn man die Formel aus diesem Buch hat, wenn man eine Uni im Fach Chemie absolviert hat, braucht man nur notwendige Anlagen und chemische Komponenten, um ohne große Mühe diesen Giftkampfstoff zu gewinnen", sagte der Befehlshaber der ABC-Abwehrtruppen Russlands Igor Kirilow.

Außerdem wies der hochrangige russische Militär darauf hin, dass Großbritannien weiterhin mit Chemie-Waffen experimentiere. Ihm zufolge befinde sich nur wenige Kilometer von Salisbury entfernt ein Forschungslabor, dessen Arbeit strenger Geheimhaltung unterliege.       

Es ist ein allgemein bekannter und im Jahr 2006 von der Regierung Großbritanniens anerkannter Fakt, dass das Land an Ronald Maddison und 360 weiteren Bürgern experimentiert hat, um die Wirkung des Giftkampfstoffes Sarin auf Menschen zu untersuchen", so Igor Kirilow.

Der Befehlshaber der ABC-Abwehrtruppen Russlands zeigte auch Satellitenbilder des Labors in Porton Down, auf denen zu sehen war, wie stark die britischen Behörden die Forschungsanlage seit dem Jahr 2012 ausgebaut hatten – unter dem Vorwand, nach besseren Schutzmitteln gegen Chemie- und Biologie-Waffen zu suchen.

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"Das Hauptthema des Treffens ist die Situation um die Behauptungen Großbritanniens, wonach auf seinem Boden Giftstoffe eingesetzt worden sein sollen", hatte die Außenamtssprecherin Marija Sacharowa im Vorfeld der Konferenz mitgeteilt. Das russische Außenministerium wolle nun den ausländischen Botschaftern seinen Standpunkt kundtun, auf mögliche Fragen antworten und selbst die Fragen stellen, die die russische Seite habe.

Die Diplomatin wies darauf hin, dass man zurzeit in Medien viele Meinungen, Einschätzungen und sogar "Erinnerungen" von Experten rund um das Thema veröffentliche.

Alle diesbezüglichen Spekulationen lenken aber nur von dem Hauptthema ab – und zwar, dass Großbritannien Russland keine evidenten Unterlagen außer den brüsk artikulierten Beschuldigungen vorgelegt hat", sagte Marija Sacharowa.

Die britische Auslandsvertretung in Moskau teilte im Vorfeld des Treffens mit, dass der Botschafter Laurie Bristow der Konferenz fernbleiben werde. Man werde aber eine andere Form von Beteiligung erörtern. Weitere Details wurden nicht bekanntgegeben. Auch der US-Botschafter verzichtete auf die Teilnahme an dem Treffen.

Der Vorfall in Salisbury 

Am 4. März wurden im britischen Salisbury der ehemalige russische Geheimagent Sergei Skripal und seine Tochter Julia bewusstlos aufgefunden. London warf Moskau vor, den Doppelagenten mit dem Kampfstoff "Nowitschok" vergiftet zu haben. Großbritannien verwies 23 russische Diplomaten des Landes und legte das bilaterale Verhältnis auf höchster Ebene auf Eis. Als Gegenreaktion darauf erklärte Russland ebenfalls 23 britische Diplomaten zu "unerwünschten" Personen, zog seine Zustimmung für die Eröffnung des britischen Generalkonsulats in Sankt Petersburg zurück und ließ den British Council schließen.

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Der russische Präsident Wladimir Putin gab bekannt, dass sein Land über keine C-Waffen verfüge, weil sie unter Kontrolle internationalen Beobachter vernichtet worden sei. Niemand hätte sich im Vorfeld der Präsidentschaftswahlen und der Fußball-WM so etwas erlaubt. Russland erklärte sich bereit, Großbritannien bei der Untersuchung der sogenannten Skripal-Affäre zu helfen, und wies alle Anschuldigungen an seine Adresse entschieden zurück.

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