Göttliches Beben im Vatikan: "Lettergate" erschüttert die katholische Kirche

Göttliches Beben im Vatikan: "Lettergate" erschüttert die katholische Kirche
Elf Bücher zur Theologie von Papst Franziskus und ein Brief seines Vorgängers Benedikt, Vatikanstadt, 15. März 2018.
Anlässlich der Präsentation des theologischen Werkes von Papst Franziskus wurde ein Brief seines Vorgängers verlesen. Benedikt spricht sich darin gegen die Behauptung aus, Franziskus würde die Kirche zerstören. Der Vatikan hat ein Foto dazu aber manipuliert.

Im Jahr 2012 schockten die "Vatileaks"-Enthüllungen den Vatikan. Ein ehemaliger Diener des damaligen Papstes Benedikt XVI. hatte diesem persönliche Briefe entwendet und diese öffentlich gemacht. Nun zeigt ein neuer Vorfall, der als "Lettergate" bezeichnet wird, wie gespalten die Römisch-Katholische Kirche ist. 

Benedikt: "Keine Einführung, [...] keine Zeit zum Lesen"

Monsignore Dario Vigano, der Präfekt des Kommunikationssekretariats der römischen Kurie, moderierte die Veröffentlichung des Grundlagenwerkes "Theologie des Papstes Franziskus" in elf Bänden. Dabei verlas er auch einen Brief des ehemaligen Papstes Benedikt, der scheinbar mit Vorwürfen aufräumen wollte, Papst Franziskus zerstöre mit seiner liberalen Haltung die katholische Kirche.

Vielmehr lobte Benedikt seinen Nachfolger als "Mann der tiefen philosophischen und theologischen Bildung". Eine Einführung zu dem Werk, so Benedikt, könne er jedoch nicht schreiben, denn er habe keine Zeit gehabt, alles zu lesen, so die Entschuldigung. Dieser Passus des Briefes fehlte jedoch auf einem Pressefoto ebenso wie in einer Presseerklärung, die Journalisten ausgehändigt bekamen. Der letzte Satz der ersten Seite des Briefes, auf dem Pressebild erkennbar, wurde unscharf gemacht. 

Papst ruft zum Kampf gegen

"Fake-News aus der Kurie"

Konservative Kritiker der Reformvorhaben von Papst Franziskus sehen in dem nunmehrigen "Lettergate"-Skandal keine verfehlte Kommunikation, sondern Vertuschungsversuche. Man wolle damit das Erbe der kirchlichen Führung Benedikts vernichten. Edward Pentin, Rom-Korrespondent der ältesten katholischen Publikation der USA, National Catholic Register, meint:

Immer mehr treue Katholiken sind alarmiert und zunehmend verstört von dem, was sie als ständigen Strom an Täuschungen, Manipulationen und Skandalen aus dem Vatikan unter Papst Franziskus erleben.

Ende 2017 sagte Papst Franziskus, dass ihm "Verräter" bei der Erneuerung der Kirche im Wege stünden. Reformen in der Kirche seien so schwierig, wie die Sphinx mit einer Zahnbürste zu säubern. Konservative kritisieren hingegen, der Papst zeige in Fragen wie dem Umgang mit der Homosexualität und Geschiedenen in der Kirche zu wenig theologische Tiefe und biedere sich weltlichen Stimmungen an.

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