Die Kindersoldaten des IS und der schwere Weg zurück ins Leben

Die Kindersoldaten des IS und der schwere Weg zurück ins Leben
Kinder von Frauen, die behaupten, ihre Männer hätten dem Islamischen Staat angehört, Flüchtlingslager Jada, Irak, 27. Juli 2017.
Im Flüchtlingslager Rawanga im Irak versuchen einstige Kindersoldaten des "Islamischen Staat" (IS), ihre Vergangenheit zu bewältigen. Experten warnen vor radikalisierten Kindern und fordern ihre Rehabilitierung. Die europäische Gesellschaft ist hierauf kaum vorbereitet.

Schätzungsweise 300.000 Kinder gehörten dem IS an. Sie wurden zu menschlichen Schutzschildern, zu Selbstmordattentätern und zu Mördern ausgebildet. Die einstigen Kindersoldaten des IS werden auch als "Löwenjungen des Kalifats" bezeichnet. Im Laufe ihres Heranwachsens könnten sie zu einer Gefahr werden, wenn ihnen die Möglichkeit verwehrt bleibt, menschliches Miteinander und emphatisches Empfinden wieder zu erlernen. 

Ein Mitglied des Islamischen Staates mit britischem Pass wurde nun in London für schuldig befunden, Kinder für den IS rekrutiert zu haben. Umar Haque zeigte den Kindern, wie Menschen geköpft wurden, er zwang sie, tödliche Angriffe auf London nachzuahmen, und in Rollenspielen wurde geübt, Polizisten anzugreifen. Für die Dschihadisten sind die Kinder der Garant für das Fortbestehen ihrer Ideologie. 

Zwei Niqab-tragende Frauen im Gebäude des Hamburger Gerichts am 16. Oktober 2017. An dem Tag verhandelte das Gericht über die Anklage gegen sechs mutmaßliche IS-Mitglieder, die in Syrien gekämpft haben.

Dies geschah unter dem Deckmantel islamischen Religionsunterrichts. Allerdings nicht in Rakka, sondern in London. Die 110 Kinder, die bei ihm lernten, waren zwischen 11 und 14 Jahren alt. Bei 35 von ihnen sahen sich die Behörden gezwungen, therapeutische maßnahmen durchzuführen, damit sie keine Gefahr für die Gesellschaft darstellen. Angesichts der Bedrohung, die von radikalisierten Eltern ausgeht, die ihre Kinder indoktrinieren, forderte ein britischer Anti-Terror-Polizist, diese Erwachsenen wie Polizisten zu behandeln, um ihnen die Kinder zu entziehen. 

Die doppelte Bestrafung der Kindersoldaten 

Reuters  schildert in einem Bericht die Beobachtungen im Flüchtlingslager Rawanga im irakischen Duhok. Hier soll Kindern mit IS-Vergangenheit der Weg zurück ins Leben bereitet werden. Ein 14-Jähriger Junge zeichnet Sprengstoffgürtel, Autobomben und Explosionen. Szenen, die er nicht in einem Film erlebte, sondern die in den letzten Jahren sein Leben prägten. In dieser Zeit lernte er auch, selbst Bomben zu bauen. Auf einem Bild ist zu sehen, wie er einen Mann tötet. Drei Jahre verbrachte er als Kindersoldat beim Islamischen Staat. Er ist Jeside und wurde gekidnappt, um zu töten. An die Geräusche herabfallender Bomben auf die Stadt Rakka in Syrien, in die er gebracht wurde, gewöhnte er sich mit der Zeit. 

Zwei Niqab-tragende Frauen im Gebäude des Hamburger Gerichts am 16. Oktober 2017. An dem Tag verhandelte das Gericht über die Anklage gegen sechs mutmaßliche IS-Mitglieder, die in Syrien gekämpft haben.

Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch kritisiert, Dutzende Kinder seien im Irak wegen ihrer Verbindung zum IS verhaftet worden. Wie viele Kinder in irakischen Gefängnissen einsitzen, ist nicht bekannt. Therapeutische maßnahmen sind hier nicht vorgesehen. Menschenrechtsgruppen, die die inhaftierten Kinder interviewen durften, Berichten von Folter durch irakische Sicherheitskräfte. 

Das Strafmündigkeit im Irak bei neun Jahren. Dies führt dazu, dass jesidische Kinder gleich doppelt zu Opfern werden: Sie wurden ihren Eltern entrissen und zum Töten gezwungen, und nach dem Sieg gegen den IS bestraft sie die irakische Regierung.

2014 nahm der IS mehr als 9.000 Erwachsene und Kinder gefangen. Frauen und Mädchen wurden versklavt und zwangsverheiratet, Jungen zu Kämpfern ausgebildet. Jetzt bleibt ihnen nur das Flüchtlingscamp. Die Eltern wurden getötet oder sind nicht wiederzufinden. Viele erinnern sich auch nicht mehr an das friedliche Leben, das sie früher im Schoße ihrer Familien hatten. Helfer aus dem Camp berichten, dass die Kinder erst mal lernen müssten, wieder Kind zu sein und zu spielen.

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