Erdogan küsst schluchzendes Mädchen in Uniform: "Wenn Du Dich opferst, werden wir Dich ehren!"

Erdogan küsst schluchzendes Mädchen in Uniform: "Wenn Du Dich opferst, werden wir Dich ehren!"
Tayyip Erdogan gegenüber Mitgliedern des Parlaments, Ankara, Türkei, 9. Januar 2018.
Der türkische Präsident bereitet schon die Kleinsten auf den Armeedienst vor. Auf einer Bühne küsste er ein kleines Mädchen in Uniform und sagte, ihr gebühre Ehre, wenn sie zur Märtyrerin werde. Der Auftritt des Kindes sorgte für Kritik aus der Opposition.

Am Samstag richtete sich der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan an den Kongress der AKP-Parteigliederung in der türkischen Provinz Gaziantep. Erdogan nutzte seinen Auftritt, um für die öffentliche Unterstützung des Militäreinsatzes gegen die kurdischen Milizen in Syrien zu werben. Diejenigen, die den Dienst an der Waffe beendet haben, aber sich noch im Reservestand befinden, sollten sich für eine Rekrutierung bereithalten.

Auf Einladung Erdogans betrat auch ein kleines Mädchen die Bühne. Sie trug eine Militäruniform und ein Barett auf dem Kopf, welches nur türkische Spezialeinheiten, die so genannten Bordo Bereliler, haben. Das genaue Alter des Mädchens ist nicht bekannt. Sie wirkte jedoch wie gerade mal fünf Jahre alt. Das Spektakel trieb dem Kind die Tränen in den Augen.

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Erdogan empfing sie mit den Worten:

Seht hierher! Mädchen, was machst Du hier? Wir haben unsere bordeauxfarbenen Barette, aber diese bordeauxfarbenen Barette weinen nie. 

Erdogan wandte sich ans Publikum und umarmte das Kind: 

Sie hat aber auch eine türkische Flagge in ihrer Tasche. Wenn sie fällt, dann legen wir, so Gott will, eine Flagge auf sie. Sie ist für alles bereit, nicht wahr? 

Das Mädchen: 

Ja. 

Aus dem Publikum waren Rufe zu hören: 

Anführer! Bringt uns nach Afrin!

Unter dem Namen "Operation Olivenzweig" kämpfen türkische Streitkräfte im syrischen Afrin gegen kurdische Einheiten. Danach küsst das türkische Staatsoberhaupt sie ins Gesicht und lässt sie von der Bühne gehen. 

HDP: "Instrumentalisierung von Kindern"

Die pro-kurdische HDP-Partei, die gegen den Militäreinsatz in Afrin ist, kritisierte die Show und schrieb auf Twitter:

Diese Denkart, die Kinder missbraucht, indem sie ihnen den Tod verspricht, wird versagen. Wir aber werden den Kampf zum Schutz der Freiheit der Kinder und für ein glückliches Leben gewinnen. 

Auch das HDP-Mitglied Ertugrul Kurkcu sah die, wie er es nannte, Instrumentalisierung eines Kindes durch Erdogan kritisch:

Kinder werden missbraucht, um zu zeigen, dass der Krieg legitim ist. 

Das türkische Militär führt ihre jüngste Operation gegen die kurdischen "Volksverteidigungseinheiten" (YPG) seit etwa einem Monat durch. Die Kurden kontrollieren mehrere Enklaven in Nord-Syrien, darunter auch Afrin, welches sie von islamistischen Militanten und Terroristen im Zuge des syrischen Konflikts mit aktiver Unterstützung der US-Koalition eingenommen haben. Nach türkischen Angaben wurden im Zuge der Operation bislang "1.780 Terroristen neutralisiert". Die Türkei erklärt, die Einsätze dienten der nationalen Sicherheit. Vorwürfe, dass auch Zivilisten in die Zielscheibe des türkischen Militärs gerieten, weist die Regierung Ankaras von sich.

Erdogan und der Märtyrerkult

Auch Damaskus hat die Militäreinsätze verurteilt, da sich diese gegen die Souveränität des Landes richten und die "Aggressionen" auch das Leben unschuldiger Zivilisten forderten. Einheiten, die Damaskus gegenüber loyal sind, begaben sich vergangene Woche nach Afrin, um dort die von den USA unterstützten Kurden gegen Ankara zu stärken. 

Präsident Erdogan sagte einst über den Märtyrertod: "Und sagt nicht von denen, die auf Allahs Weg getötet werden, sie seien tot! Nein! Vielmehr sind sie lebendig; aber ihr nehmt es nicht wahr."

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