Leak zeigt abgekartetes Spiel: McLaren-Bericht zu Russlands Olympia-Ausschluss "politischer Auftrag"

Leak zeigt abgekartetes Spiel: McLaren-Bericht zu Russlands Olympia-Ausschluss "politischer Auftrag"
Richard McLaren
Die Hackergruppe Fancy Bear hat einen Teil der Korrespondenz des IOC veröffentlicht. Diese weist auf eine klare politische Anweisung an den kanadischen Anwalt Richard McLaren hin: Sein Bericht soll Russlands Ausschluss aus dem olympischen Wettbewerb bewirken.

Ein von der WADA in Auftrag gegebener Bericht über Anschuldigungen staatlich geförderten Dopings in Russland, den McLaren verfasst hatte, führte zu einem generellen Ausschluss des russischen Leichtathletik-Teams von den Olympischen Sommerspielen in Rio 2016. In weiterer Folge kam es auch zu Russlands vollständigem Ausschluss von den Winterspielen im Pyeongchang 2018, die im nächsten Monat stattfinden werden.

Nun wurden pikante Details zu den Hintergründen dieses Vorgehens bekannt.

Die Hackergruppe Fancy Bears erlangte die Korrespondenz der Offiziellen des Internationalen Olympischen Komitees. Diese E-Mails und Dokumente weisen darauf hin, dass die Europäer und die Angelsachsen in der Sportwelt um Macht und Geld kämpfen.

Mit diesen Worten beginnt der Leak, der am Mittwoch veröffentlicht wurde.

Die Hackergruppe besteht darauf, dass eine E-Mail, die am 7. März letzten Jahres von IOC-Rechtsdirektor Howard Stupp an die hochrangigen IOC-Mitglieder Christophe De Kepper, Mark Adams und Richard Budgett geschickt wurde, "das wirkliche Ziel [McLarens] enthüllt, nämlich die Trumpfkarte für die Angelsachsen im Spiel gegen das IOC zu bekommen und nicht gegen Doping zu kämpfen".

Pauschale Vorverurteilung als Selbstzweck

In dieser E-Mail kommentierte Stupp angeblich einen McLaren-Brief mit den Worten:

Es scheint, dass RMs [Richard McLarens] erster Bericht dazu bestimmt war, zum vollständigen Ausschluss des russischen Teams von den Spielen in Rio zu führen, und der zweite Bericht...? Das russische Team von den Spielen in Pyeongchang auszuschließen? [...] sich aber nicht mit den Athleten auf individueller Basis zu beschäftigen.

Weiter heißt es:

Vielleicht hätten RM und WADA dies vor der Veröffentlichung der Berichte gründlicher durchdenken sollen - insbesondere, um sich selbst den Gefallen zu tun, diese Grundsatzfrage mit dem IOC im Detail zu diskutieren, bevor die WADA den Weg des (ersten) Berichts einschlug - nämlich zu versuchen, das russische Team von den Spielen in Rio auszuschließen. Dies [...] anstatt dass RM und die WADA erwägen, den Weg einzuschlagen, den das IOC einschlagen wollte, nämlich sich individuell mit den Athleten auf Einzelfallbasis zu beschäftigen. Das brachte das IOC, die IFs [internationale Sportverbände] und die Olympische Bewegung im Allgemeinen in eine sehr schwierige Lage.

Fancy Bears hatten zu einem früheren Zeitpunkt auch Aufzeichnungen von Athleten über die von der WADA herausgegebenen Formulare für "Ausnahmen wegen therapeutischer Verwendung" (Therapeutic Use Exemption) geleakt, die auf die Erlaubnis zur Einnahme verbotener Substanzen abzielen. Zu den Betroffenen gehörten der britische Läufer Mo Farah, der Radfahrer Bradley Wiggins und der Fußballspieler Carlos Tevez.

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