34C3: Aktivisten enthüllen britische Spionage und Propaganda im Netz

34C3: Aktivisten enthüllen britische Spionage und Propaganda im Netz
Der britische Schatzkanzler George Osborne mit dem damaligen Direktor des GCHQ, Robert Hannigan, im 24-Stunden-Operationszentrum des GCHQ, November 2015.
Während das "Arabischen Frühlings" und vor den Wahlen im Iran versuchte der britische Geheimdienst mithilfe des Internets, politische Aktivisten zu identifizieren und zu beeinflussen. Das zeigt eine Recherche des arabischen Lulzek-Aktivisten Mustafa Al-Bassam.

Auf dem Chaos Communication Congress in Leipzig präsentierte am Mittwoch Mustafa Al-Bassam seine Recherchen, wie der britische Geheimdienst seit Jahren das Internet nutzt. Das Ziel der britischen Spione ist es, Informationen zu gewinnen und Propaganda zu verbreiten. So betrieben die britische Spione bereits bei den Protesten im Iran des 2009 eigene Webseiten mit kritischen Inhalten, um politisch interessierte Iraner anzulocken und zu identifizieren, zeigte Mustafa Al-Bassam.

Das Logo des Chaos Computer Clubs, ein Chaosknoten, wird während des 33. Chaos Communication Kongresses in Hamburg im Dezember 2016.

Auch während des „Arabischen Frühlings“ im Jahr 2011 betrieb die entsprechende GCHQ-Einheit eigene Twitter-Accounts, um arabische Dissidenten aufzuspüren. Die Recherche von Mustafa Al-Bassam griff auch auf Dokumente zurück, die Edward Snowden seit dem Jahr 2013 veröffentlichte. Auf dieser Grundlage konnte Bassam zahlreiche Internet-Seiten aufspüren, die von den Geheimdienstlern ihrer Majestät eingerichtet wurde.

Laut seinen Recherchen mischten die britischen Geheimdienste auch bei den Protesten in Bahrain und Syrien kräftig mit. So versuchte der GCHQ auch die „Syrian Electronic Army“ identifizieren, eine Gruppe, die den syrischen Präsidenten Bashar Al-Assad unterstützte. Das konkrete Werkzeug mit dem Namen „Deathtool“, das die Briten nutzten, um Internet-Nutzer zu identifizieren, ging im November 2013 offline.

Nach seiner Präsentation erklärte der arabische Computer-Spezialist am Mittwoch in Leipzig, bei politischen Aktivitäten sollten sich die Nutzer nur anonym im Netz bewegen und möglichst keine Interaktionen mit fremden Webseiten ausführen. Seine Recherche zeigt, dass die zuständige Spezialeinheit des GCHQ, die Joint Threat Research Intelligence Group (JTRIG), versuchte die politischen Bewegungen in Iran und Ägypten zu infiltrieren und zu manipulieren. Dafür benutzten die Briten bereits damals einen besonderen Service, um lange Internet-Adressen abzukürzen.

Ich konnte das aufdecken, weil ich selbst in der Vergangenheit ins Visier genommen wurde und mir ein wichtiges Detail, einen URL-Kürzungsdienst, auffiel, der auch in den Snowden-Dokumenten erwähnt wurde“, berichtet Mustafa Al-Bassam. 

Die Aufgabe der JTRIG bestand in dieser Zeit darin, Accounts und gefälschte Inhalte auf Social Media zu erstellen, um mit „schmutzigen Tricks ihre Gegner zu zerstören, zu verleumden, zu erniedrigen und zu stören“, bilanziert der Computer-Spezialist. Demnach nutzten die Briten ihre illegal gewonnen Informationen auch, um bestimmte Personen zu diskreditieren. Al-Bassam geht davon aus, dass „Aktivistengruppen auf der ganzen Welt“ auf diese Weise infiltriert werden. 

Im Jahr 2011 kontaktierte mich auf einem IRC-Kanal ein verdeckter Agent des GCHQ, der gegen hacktivistischen Gruppen von Anonymous und LulzSec ermittelte. Später im selben Jahr wurde ich wegen meiner Beteiligung an LulzSec verhaftet. Dann, im Jahr 2014, entdeckte ich durch ein neues Snowden-Leak, dass der GCHQ Anonymous und LulzSec ins Visier genommen hatte, und die Person, die mich in die Nachrichten brachte, war ein verdeckter GCHQ-Mitarbeiter, der vorgab, selbst ein Hacktivist zu sein.

Als einen „Honigtopf“, um Aktivisten anzulocken, hatte der GCHQ den kostenlosen URL-Kürzungsdienst lurl.me eingerichtet, der ein einfaches Arbeiten mit Social Media zu ermöglichen schien. Der Dienst wurde auf Twitter und anderen Social Media Plattformen eingesetzt, um revolutionäre Botschaften im Nahen Osten zu verbreiten. Diese Botschaften sollten Menschen anziehen, die gegen die dortigen Regierung protestierten. Das Ziel der britischen Geheimdienstler bestand darin, sie zu manipulieren und Informationen zu sammeln.

Öffentlich zugängliche Online-Ressourcen, Suchmaschinen und Social-Media-Websites wie Twitter, Blogspot und YouTube werden vom GCHQ genutzt, um geopolitische Ziele zu verfolgen“, warnt Mustafa Al-Bassam. 

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